Kasachstan Expo zur Energie der Zukunft

Die Ex-Sowjetrepublik Kasachstan hat vor Jahren ihre hochmoderne Hauptstadt mitten in die Steppe gebaut. Nun bekommt Astana eine neue Attraktion: eine Expo, die sich einem großen Menschheitsproblem widmet.

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Wer kann grüne Energie am besten? Bei der Expo in Astana in Kasachstan konkurrieren Staaten um die besten Ideen zur klimafreundlichen Produktion und Nutzung von Energie. Kasachstan richtet als erste Ex-Sowjetrepublik eine solche Weltausstellung aus.

2015 fragte die Expo in Mailand nach der Zukunft der Ernährung. Der ehrgeizige Rohstoffstaat Kasachstan in Zentralasien hat sich eine andere Menschheitsfrage vorgenommen: Wie kann die wachsende Weltbevölkerung mit Energie versorgt werden, ohne die Erde zu überlasten? Knapp zehn Milliarden Menschen wird es UN-Schätzungen zufolge im Jahr 2050 geben.

Die Erkenntnis in Astana: Der Mix macht's. Der Anteil erneuerbarer Energien wird wachsen, doch Öl, Gas und auch Kernkraft werden in den nächsten 50 und 100 Jahre nicht ausgedient haben. Die Umstellung sei „ein langsamer Prozess“, so sehen es die Organisatoren. Deutschland fühlt sich dabei als Vorreiter. „Als Land der Energiewende glauben wir, einiges bieten zu können“, sagt der Kommissar des deutschen Pavillons, Dietmar Schmitz.

Für die Expo hat die Hauptstadt Astana in der nordkasachischen Steppe einen weiteren Hingucker bekommen: Zu spitzen futuristischen Wolkenkratzern gesellt sich die „Sphäre“, eine 80 Meter hohe Glaskugel mit angrenzendem Messegelände. Dort wurde bis zuletzt gebaut, geputzt, getestet, damit zur Eröffnung durch Präsident Nursultan Nasarbajew am Freitag alles klappt. Große Folkloreorchester in kasachischer Nationaltracht probten unter freiem Himmel.

Astana hatte die Expo 2012 vom Bureau International des Expositions (BIE) zugesprochen bekommen. Konkurrent war Lüttich in Belgien. Viel Geld sei in das Prestigeprojekt geflossen, sagen Bewohner der 800 000-Einwohner-Stadt. In kasachischen Presseberichten kursieren Zahlen von mehr als drei Milliarden Euro. Ob die Expo bis zum 10. September tatsächlich fünf Millionen Besucher anziehen kann, wie von den Organisatoren erhofft, bleibt fraglich. Anders als Mailand liegt Astana abseits der großen Touristenströme.

Trotzdem nehmen etwa 100 Staaten teil - ob sie nun auf saubere Energie setzen oder eher für die Expo so tun. Dabei sind die USA, deren Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat, die Industriemacht Deutschland mit ihrer Energiewende und klassische Öl- und Gasexporteure wie die Golfstaaten, Russland oder auch Kasachstan, die nach einer Zukunft jenseits der fossilen Energieträger suchen.

Die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. Zu den größten Profiteuren dieses fernöstlichen Grünstrom-Booms zählt XEMC. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2016 auf einem Marktanteil von 2,2 Prozent. Marktanteil 2,2 Prozent.   Quelle: REUTERS
Platz 13: Dongfang (China)Der chinesische Staatskonzern Dongfang stellt Schiffe, Lokomotiven und Gasturbinen her. Zu einem immer einträglicheren Geschäft werden aber auch die Windräder, die das Unternehmen aus der Provinz Sichuan fertigt. Marktanteil: 2,2 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 12: Senvion (Deutschland)Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion rangiert global gesehen nur noch auf Platz 12. Die Hamburger kämpfen derzeit mit schwindenden Aufträgen, bröckelnden Marktanteilen und sinkenden Umsätzen. Nach einer Konsolidierungsphase soll der Erlös bis 2019 aber auf 2,6 Milliarden Euro in die Höhe schnellen. Damit die Konkurrenz Senvion in der Zwischenzeit nicht völlig enteilt, streicht der Konzern Hunderte Stellen und investiert in neue Produkte. Marktanteil: 2,5 Prozent. Quelle: dpa
Platz 11: Sewind (China)Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt. Marktanteil: 3,0 Prozent.   Quelle: dpa
Platz 10: CSIC Haiz huang (China)Unter den 14 führenden Windkraftkonzern der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2016 mehr als 40 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt. Marktanteil: 3,2 Prozent. Quelle: dpa
Platz 9: Mingyang (China)Chinas viertgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Marktanteil: 3,5 Prozent. Quelle: PR
Platz 8: Envision (China)Lei Zhang ist das Enfant terrible der Windenergieindustrie. Der Chef von Envision bezeichnet sein Unternehmen gerne als das „Apple der Energiewelt“. Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die Angebot und Nachfrage im Energiemarkt synchronisiert. Schwankende Solar- und Windenergie will er im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppeln und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft von Envision bleiben. Anders als die Wettbewerber lässt Envision aber die Anlagen von Subunternehmen fertigen. Damit braucht der Konzern fast zwanzig Mal weniger Fixangestellte als die Branchenführer. Nur das Design und die Patente gehören Envision. „Wie bei Apple“, meint Unternehmenschef Zhang. Marktanteil: 3,5 Prozent. Quelle: Bloomberg
Platz 7: United Power (China)Der zweitgrößte chinesische Windkraft-Konzern, United Power, schafft es im globalen Ranking wie im Vorjahr auf Platz sieben. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen. Marktanteil: 3,8 Prozent. Quelle: obs
Platz 6: Nordex Acciona (Deutschland)Nach der Übernahme des spanischen Konkurrenten Acciona ist bei Nordex Ernüchterung eingekehrt. Der Umsatz der Hamburger schoss durch die Fusion im Geschäftsjahr 2016 zwar um 40 Prozent in die Höhe – auf 3,4 Milliarden Euro. Aber wegen Projektverzögerungen und verstärktem Preisdruck schockierte der Konzern seine Aktionäre mit einer drastischen Umsatz- und Gewinnwarnung für das Jahr 2018. Statt wie geplant bis zu 4,5 Milliarden Euro dürfte Nordex 2018 maximal 3,6 Milliarden Euro erwirtschaften. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte zudem um 160 Millionen Euro geringer ausfallen als angestrebt. Die Folge: Investoren entziehen Nordex zunehmend das Vertrauen. Als Hauptverantwortlicher für die Misere musste Nordex-Chef Lars Bondo Krogsgaard im Frühjahr 2016 seinen Posten räumen. Seither hat der Spanier José Luis Blanco bei Nordex das Sagen. Marktanteil: 4,8 Prozent. Quelle: dpa
Platz 5: Enercon (Deutschland)Extrem verschwiegen, enorm erfolgreich: Enercon hat weltweit bereits mehr als 26.000 Windräder installiert und erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro. Die Firma mit Sitz im ostfriesischen Aurich ist ein Riese, gibt sich nach außen hin aber gern als Zwerg. Ökopionier und Firmengründer Aloys Wobben ist mit einem geschätzten Vermögen von 7,6 Milliarden Dollar nicht nur der reichste Mann Niedersachsens, sondern auch einer der wohlhabendsten Deutschen insgesamt. Mit Enercon hat sich Wobben schon früh auf Windkraftanlagen am Festland spezialisiert. Das Markenzeichen des deutschen Marktführers sind getriebelose Turbinen. Unverkennbar ist das Gondel-Design in Eiform – konzipiert wurde es vom britischen Stararchitekten Norman Foster. Marktanteil: 6,8 Prozent. Quelle: dapd
Platz 4: Goldwind (China)Deutlicher Absturz: Im vergangenen Jahr führte Goldwind noch die Liste der größten Hersteller von Windturbinen und Rotorblättern an. 2016 reichte es für Chinas Windkraftprimus weltweit dagegen nur noch für Platz 4. Dennoch bleibt Goldwind ein Gigant. Der in Shenzhen und Honkong börsennotierte Konzern ist beinahe der einzige chinesische Anbieter, der auch fernab der Heimat Erfolge vorweisen kann. Marktanteil: 11,7 Prozent. Quelle: Qilai Shen
Platz 3: General Electric (USA)Der US-Elektronikriese General Electric (GE) baut sein Windenergiegeschäft weiter massiv aus. Um mehr als zwei Prozent konnten die Amerikaner ihren globalen Marktanteil steigern und landen wie im Vorjahr auf dem Treppchen. GE profitiert insbesondere von dem Windkraftboom in den USA, der über Steuergutschriften befeuert wird. Trotzt der starken Stellung auf dem Heimatmarkt konnte GE aber nicht verhindern, dass ausgerechnet der Erzrivale aus Deutschland die Amerikaner im Windsektor überholt hat. Marktanteil: 12,1 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 2: Siemens (Deutschland)Durch die Fusion mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa katapultiert sich Siemens von Platz 4 auf Platz 2 im globalen Ranking der größten Windkraftunternehmen. Der Münchner Industrieriese überflügelt damit auf einen Schlag den ewigen Konkurrenten GE. Siemens und Gamesa passen gut zusammen. Während die Münchener das Geschäft mit Offshore-Windkraftanlagen auf hoher See dominieren und in den USA am Festland punkten, sind die Basken in Asien und Südamerika stark vertreten. Im Gespann mit Gamesa verfolgt Siemens-Chef Joe Kaeser jetzt vor allem ein Ziel: die Weltspitze erklimmen. Doch dafür müssen die Münchener zuerst den Branchenprimus vom Thron stoßen. Marktanteil: 13,1 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 1: Vestas (Dänemark)Rekordumsatz, Rekordgewinn, Rekordaufträge: Vestas hat 2016 das beste Geschäftsjahr in der Geschichte des Unternehmens erzielt. Der weltgrößte Hersteller von Windenergieanlagen mit Sitz in der dänischen Hafenstadt Aarhus erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz in der Höhe von 10,2 Milliarden und einen Gewinn von 965 Millionen Euro. Mit einer Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 13,9 Prozent ist Vestas in puncto Profitabilität weiterhin unerreicht. Weder Siemens, GE noch Goldwind können da auch nur ansatzweise mithalten. In ihrer Heimat genießen die Dänen mit ihren 21.600 Mitarbeitern deshalb beinahe einen Heiligenstatus. Marktanteil: 15,8 Prozent. Quelle: ZB

Dabei ist das Verständnis von sauberer Energie durchaus verschieden. Russland widmet seinen Expo-Auftritt nicht nur den Energievorkommen in der Arktis, sondern auch den Kernkraftwerken seines Staatskonzerns Rosatom. „57 WWER-Reaktoren weltweit bewahren die Erde vor Kohlendioxid“, heißt es in der Präsentation. Reaktoren der Baureihe WWER laufen auch in der Ukraine, in Tschechien, Indien und im Iran.

Ganz ohne Atom wollen auch die Vereinigten Arabischen Emirate nicht auskommen. „Das ist für uns Teil der Diversifikation“, sagt Anca Westley, Marketing-Chefin bei Abu Dhabi Future Energy. Aber sie verweist darauf, dass die ölreichen Emirate schon seit Jahren einer der weltgrößten Investoren in Sonnen- und Windkraft seien.

Der deutsche Pavillon wirbt für den Sonderweg der Energiewende: Deutschland baut nicht nur die Erneuerbaren aus und reduziert den Verbrauch von Kohle und Öl, es wird auch komplett aus der Kernkraft aussteigen. „Wir zeigen, was wir schon machen können“, sagt Organisator Malte Heindl. Unter anderem wird simuliert, wie der deutsche Strombedarf Tag für Tag ohne Atom gedeckt werden kann.

Es fehlt nicht der Hinweis auf den ersten Windpark in Kasachstan, gebaut mit deutscher Technik. Die deutsche Energiewirtschaft hofft auf weitere Aufträge des finanzkräftigen Gastgeberlands. Zum Konzept des deutschen Auftritts gehöre es, dass die Besucher viel anfassen und selbst erkunden könnten, sagt Heindl. Am Ende wartet ein Restaurant mit Bier und Pichelsteiner Eintopf aus Bayern.

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