Verschärfte Umweltvorschriften: Landwirte nutzen digitale Düngung

Verschärfte Umweltvorschriften: Landwirte machen sich digitale Düngung zu Nutze

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Ein Landwirt bringt bei Linden im Kreis Uelzen (Niedersachsen) Gülle als Dünger auf einem Feld aus.

Der Trend auf dem Bauernhof geht in Richtung Hightech. Das macht nicht nur die Arbeit einfacher - auch umweltfreundlicher. Verschärfte Umweltvorschriften werden sie deshalb voraussichtlich noch beschleunigen.

Verschärfte Umweltvorschriften für die Düngung werden nach Einschätzung von Experten den Trend zur Hightech-Landwirtschaft auf Deutschlands Bauernhöfen beschleunigen - mit positiven Folgen für das Grundwasser. Sowohl der Bauernverband als auch Europas größter Agrarhandelskonzern Baywa gehen davon aus, dass die Landwirte wegen höherer Anforderungen an den Gewässerschutz verstärkt in Digitaltechnik zur effizienten Düngung investieren werden, insbesondere in Sensoren, die den Stickstoffgehalt der Pflanzen und damit deren Düngebedarf berechnen können.

Seit 1. Juni gilt die neue Düngeverordnung des Bundes - Düngemittel müssen nun gezielt nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen angewendet werden, auch ist zu bestimmten Zeiten im Spätherbst und Winter die Düngung komplett verboten.

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„Von rund 275.000 Landwirten in Deutschland sind nach unserer Einschätzung mindestens 200.000 von der Düngeverordnung betroffen“, sagte Baywa-Vorstandschef Klaus Josef Lutz in München. Das Unternehmen erwartet deshalb eine „deutliche Belebung“ der Nachfrage nach sogenannten Digital-Farming-Lösungen für die Düngung. Ähnlich die Einschätzung beim Bayerischen Bauernverband: „Wir gehen davon aus, dass die neue Düngeverordnung dazu beitragen wird, dass sich diese Technologie weiter verbreitet“, sagte Experte Markus Peters.

N-Sensoren sind optische Sensoren, die am Traktor befestigt werden und genau messen können, ob Pflanzen überhaupt noch zusätzlichen Dünger benötigen, um zu gedeihen. Auf vielen Feldern und Wiesen ist der Nährstoffbedarf nicht überall gleich hoch. Der in der Branche bekannte westfälische Sensorenhersteller Yara beziffert die Einsparmöglichkeit an Stickstoff auf bis zu 14 Prozent.

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Ein Hindernis ist allerdings gerade für die kleineren süddeutschen Bauernhöfe der Preis. Ein Yara-Sensor schlägt mit gut 26.000 Euro zu Buche, für Betriebe mit weniger als 100 Hektar lohnt sich das nach verbreiteter Einschätzung in der Agrarbranche kaum.

Die Bauern verstreuen heute bereits deutlich weniger Stickstoff als noch zur Zeit der Wiedervereinigung - nach Daten des Industrieverbands Agrar sank der Verbrauch an Stickstoffdünger von der Saison 1989/90 bis 2014/15 bereits um knapp 300.000 Tonnen.

Dennoch verfehlt Deutschland die europäischen Ziele für die Wasserqualität - und zwar sehr deutlich. Denn eigentlich hätten die EU-Mitgliedstaaten laut EU-Wasserrahmenrichtlinie schon 2015 einen ökologisch „guten Zustand“ ihrer natürlichen Gewässer erreichen sollen. In Deutschland waren laut Umweltbundesamt aber nur sieben Prozent der Gewässer als gut oder sehr gut eingestuft. Eine Ursache dafür: die Landwirtschaft.

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Die neue Düngeverordnung soll helfen, das zu ändern. „Mit den neuen Regelungen zur Düngung wird sichergestellt, dass der Dünger bei den Pflanzen ankommt, aber nicht im Grundwasser“, sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. „Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet, die Belastungen zu senken.“

Die technische Entwicklung macht allerdings bei den Stickstoffsensoren längst nicht halt. Die Bauern können - sofern sie dies wollen und über das nötige Kleingeld verfügen - ihre Äcker auch aus dem Weltraum beobachten lassen. „Unsere digitalen Lösungen reichen von der einfachen Düngebedarfsberechnung bis zur satellitengestützten Analyse von Ackerflächen“, sagte Baywa-Vorstandschef Lutz. Und so hat das Unternehmen im Mai 2017 eine Kooperation mit der europäischen Weltraumorganisation ESA vereinbart.

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