Benziner bekommen Partikelfilter Nicht nur sauber, sondern rein

Bisher ging es beim Thema Feinstaub allein um den Diesel. Die als sauber beworbenen Benziner waren außen vor – dabei stoßen sie auch Partikel aus, wie ein Test zeigt. Auch beim Benziner wird ein Filter unausweichlich.

Feinstaub ist kein reines Diesel-Problem

Bei ersten Testfahrten mit dem neuen VW Tiguan Allspace ließ es Volkswagen-Entwicklungsvorstand Frank Welsch eher in einem Nebensatz fallen. „Wir haben mit unserem Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer vom Typ EW 888 noch eine Menge vor. Um für alle zukünftigen gesetzlichen Vorgaben gerüstet zu sein, bekommt er unter anderem einen Partikelfilter.“

Nach den Dieseln, seit Jahren als Dreckschleudern torpediert, kommen nun zunehmend auch die Benziner unter Druck. In dem aktuellen EcoTest des ADAC sind nicht nur Diesel beim Feinstaub auffällig (ältere Euro-5-Diesel sind teilweise sauberer als Euro-6-Fahrzeuge), sondern auch zunehmend Benziner. Explizit nennt der Autoklub den Tiguan (allerdings mit dem kleineren 1,4-Liter-Benziner) und den Opel Corsa mit dem 1,0-Liter Turbobenziner bei den hohen Feinstaub-Werten.

Der Test belegt, was in der Branche bereits länger bekannt ist: Um die kommende, nochmals deutlich verschärfte Schadstoffnorm Euro 6c zu schaffen, die ab September 2017 eingeführt wird, muss so mancher Benzinmotor nochmals sauberer werden. Mit innermotorischen Maßnahmen lässt sich das nicht immer erledigen. So werden immer mehr Fahrzeuge einen Partikelfilter bekommen.

Die Top Ten im ADAC EcoTest 2017

Die Funktionsweise des Filters entspricht dabei weitgehend der bei Dieselfahrzeugen eingesetzten Technologie. Der Abgasstrom wird in ein Filtersystem geleitet, das zumeist im Unterboden des Fahrzeugs sitzt. Durch den porösen Wabenfilter mit wechselseitig verschlossenen Ein- und Auslasskanälen entsteht ein Abgasstrom. Hierbei kommt es zu einer Abscheidung des Rußes, wobei der Filter unter entsprechenden Fahrbedingungen kontinuierlich regeneriert wird. Die Regenerationsdauer ist abhängig vom Füllstand des Partikelfilters und den Fahrbedingungen.

Partikelfilter hält so lange wie das Auto

Ebenso wie bei den Dieselfiltern wird auch die Abgasreinigung für Fahrzeuge mit Ottomotor kontinuierlich regeneriert; jedoch sind die im Vergleich zum Selbstzünder vergleichsweise kurzen Regenerationsintervalle nicht notwendig. Ein Benzinpartikelfilter hat eine Haltbarkeit, die mindestens zehn Jahren und somit der Lebensdauer eines Fahrzeuges entspricht.

Wurden jüngst noch knapp 90 Millionen Pkw weltweit produziert, sollen es in fünf Jahren 115 Millionen sein. Aktuell fahren laut Schätzungen von LMC Automotive rund eine Milliarde Autos rund um den Globus. Im Jahr 2018 sollen es mindestens 200 Millionen Fahrzeuge mehr sein. Dass diese Entwicklung zunehmend negative Auswirkungen auf die Luftqualität in den Metropolen hat, ist längst zu erkennen und der Druck wächst.

Die Flop Ten im ADAC EcoTest 2017

An der Automobilindustrie selbst geht das natürlich nicht spurlos vorüber. Die alternativen Antriebe stehen in der Gunst der Kunden jedoch hinten an und nur in allzu homöopathischen Stückzahlen laufen Stromer, Hybriden, Brennstoffzeller und Co. vom Band und den reinen Verbrennern keinesfalls den Rang ab. Viel zu groß ist der finanzielle Aufwand, zu ungewiss ihre Haltbarkeit und zu kritisch ihre Reichweite.

„Der Verbrennungsmotor bleibt auch mittelfristig die dominierende Antriebsform auf den Straßen“, sagt Klaus Harth, verantwortlich für die Forschung an Automobil-Katalysatoren bei der BASF. „Die Schadstoffbelastung bei Verbrennungsmotoren zu reduzieren, bleibt daher weiterhin ein wichtiges globales Thema.“

Die Gründe liegen auf der Hand. Verbrennungsmotoren produzieren umweltschädliche Abgase, weil das Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, sprich der Treibstoff, nur unvollständig verbrennt. Benzin- und Dieselfahrzeuge sind zwar mit Katalysatoren und teilweise mit Partikelfiltersystemen ausgestatten, um Stickoxide, Kohlenmonoxid, unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Rußteilchen noch innerhalb des Abgasstroms herauszufiltern.

Nachdem der Dieselskandal die gesamte Autoindustrie aufrüttelte und den Volkswagen-Konzern in eine Schieflage brachte, geht es jetzt den bislang so grün umworbenen Benzindirekteinspritzern mit Turboladern und ihrem Partikelausstoß an den Kragen. Denn genau die sind das große, schon seit Jahren bekannte, aber noch nicht gelöste Problem bei den im Verbrauch so gut abschneidenden Motoren.

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