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Elektroauto zerlegt Tesla Model 3 kann Gewinn abwerfen

Exklusiv
Tesla Model 3 Quelle: REUTERS

Es ist die große Frage bei Teslas Hoffnungsträger: Können die Kalifornier das Model 3 profitabel bauen? Ein deutscher Ingenieursdienstleister hat ein Model 3 zerlegt und kommt bei der Analyse zu einem klaren Ergebnis.

Teslas Model 3 kann Gewinne abwerfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein deutscher Ingenieursdienstleister, der ein Model 3 bis auf die letzte Schraube zerlegt hat. Die Material- und Zulieferkosten des zwischen 35.000 und 78.000 Dollar teuren Autos liegen nur bei rund 18.000 Dollar; hinzu kämen nach den Berechnungen der Zerleger, die der WirtschaftsWoche vorliegen, etwa 10.000 Dollar an Produktionskosten pro Auto. „Falls Tesla es schafft, die geplanten 10.000 Stück pro Woche zu bauen, wird das Model 3 einen erheblichen positiven Ergebnisbeitrag liefern“, sagt ein Testingenieur.

Der WirtschaftsWoche liegen Protokolle einiger Ingenieurdienstleister vor, die im Auftrag deutscher Autokonzerne auf dem Graumarkt ein Tesla Model 3 aus den USA besorgt und zerlegt haben. Die Verkäufer sind Ex-Tesla-Mitarbeiter, die früh ein Model 3 bestellen konnten und es nun mit hohem Gewinn verkauften. Die Preise auf dem grauen Markt liegen bei 100.000 bis 130.000 Dollar.

Insgesamt vier Tesla Model 3 wurden nach Informationen der WirtschaftsWoche in den vergangenen Wochen nach Deutschland überführt und hier in den Werken der Wettbewerber zerlegt. Die deutschen Tesla-Konkurrenten wollten nicht nur einige bisher unklare technische Lösungen des mit über 500.000 Vorbestellungen voraussichtlich ersten Elektroautos für den Massenmarkt am Objekt untersuchen; ihnen ging es auch darum, dessen wirtschaftliche Kalkulation offenlegen.

Ein weiteres Ergebnis der Analysen: Tesla hat bei knappen Batterierohstoffen einen Durchbruch erzielt. Tesla ist es offensichtlich gelungen, den Anteil des notorisch knappen Metalls Kobalt in den Batterien seines neuen Model 3 erheblich zu verringern. Das geht aus Labor-Analysen hervor, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen. Kobalt wird in der Kathode von Lithium-Ionen-Zellen gebraucht; es gilt dort bisher als unersetzlich. Die globalen Kobaltvorkommen liegen zu über 60 Prozent in der von Bürgerkriegen gebeutelten Demokratischen Republik Kongo, wo das Kobalt zum Teil durch Kinderarbeit gefördert und zur Finanzierung von Warlords verwendet wird.

Auf dem Weltmarkt hat sich der Kobalt-Preis zuletzt binnen 18 Monaten verdreifacht. Durch die Flut neuer E-Modelle zahlreicher Autokonzerne, die ab 2020 auf den Markt kommen sollen, wird sich die Nachfrage nach dem knappen Metall erneut vervielfachen. Einzelne Konzerne wie VW hatten zuletzt versucht, direkt Lieferverträge mit Minenbetreibern abzuschließen, allerdings ohne Erfolg.

Batteriehersteller und ihre Zulieferer arbeiten daher mit Hochdruck an neuen Kathodenmaterialien, die mit weniger Kobalt auskommen. Tesla ist dabei mit seinem Partner Panasonic der Konkurrenz offenbar weiter voraus, als bisher bekannt: Nach den Laboranalysen, die der WirtschaftsWoche zugespielt wurden, bestehen die Kathoden der im neuen Tesla Model 3 verwendeten Panasonic-Zellen nur noch zu 2,8 Prozent aus Kobalt. Aktueller Stand der Technik sind bisher acht Prozent Kobaltanteil. „Das wäre ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für Tesla, Kobalt ist derzeit nur sehr schwer auf dem Weltmarkt zu bekommen“, sagt Sven Bauer, Chef des größten deutschen unabhängigen Batterieproduzenten BMZ.

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