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Lilium-Gründer Daniel Wiegand „So viele Flugplätze wie Bushaltestellen“

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„Wir werden wieder einen unabhängigen Flugzeughersteller in Deutschland aufbauen“

Und wenn eines Tages der Autopilot übernimmt - wie wollen Sie Kollisionen vermeiden?
Das ist weniger ein technisches als ein regulatorisches Problem. Mit Sensoren – Kameras, Lidar, Radar – wird das Flugzeug seine Umgebung wahrnehmen. Im Notfall kann es anderen Flugzeugen, Drohnen oder sogar Vögeln ausweichen. Aber im regulären Betrieb will man nicht auf solche Notfall-Systeme angewiesen sein.

Was wird stattdessen helfen?
Im regulären Betrieb wird es ein elektronisches Luftraum-Management geben. Startet ein Lilium-Jet, dann kommuniziert er mit einer Verkehrsplanungszentrale. Die weist ihm einen virtuellen Korridor im Luftraum über einen bestimmten Zeitraum zu. Heute werden Züge auf Gleisen ähnlich gesteuert.

Wie weit ist diese Vision entfernt?
Zu Beginn werden wir relativ klein anfangen mit zehn, dann 20 dann 50 Flugzeugen. Aber wir werden in Deutschland langfristig 30.000 bis 500.000 Flugtaxis brauchen, um wirklich jedermann ein solches Verkehrsmittel zur Verfügung stellen zu können. Dann werden wir vielleicht Landeplätze haben in der Dichte, in der heute Bushaltestellen verteilt sind.

36 Elektromotoren treiben das Flugtaxi an. Quelle: Lilium

Wie wird das Flugerlebnis 2025 konkret aussehen?
Der Flug wird nicht viel anders sein als im Verkehrsflugzeug: Sie haben eine sehr komfortable Kabine, Sitzgurte wie im Auto, große Fenster – und Sie können den Blick genießen.

Aus welcher Höhe?
Das kommt auf die Distanz der Reise an. Bei einem langen Flug steigt der Jet auf bis zu drei Kilometer, also bei schönem Wetter schon über die Wolken. Ansonsten ist er zwischen 500 und 800 Meter unterwegs. 

Was müssen Sie dafür noch erledigen?
Der nächste Schritt ist der Transitionsflug – der Wechsel vom senkrechten Starten ins horizontale Fliegen. Die nächsten Monaten werden wir das und anderes jede Woche erproben. Die zweite Aufgabe wird sein, die Fertigung des Flugzeugs zu industrialisieren. Vom Prototypen bis zur Großserie dauert es mindestens zwei Jahre.

Der neue Traum vom Fliegen
VolocopterDer Prototyp des fliegenden Zweisitzers mit Elektroantrieb startete 2011 zu Testflügen. Inzwischen fertigt der deutsche Hersteller aus Bruchsal die Kleinflieger in Serie. Quelle: Presse
Bell Air TaxiDer US-Helikopterhersteller Bell hat mit dem Air Taxi ein variables Konzept für Fluggeräte entwickelt, das zwei bis sechs Personen transportieren soll. Neigbare Rotoren sorgen je nach Flugphase mal für Auftrieb, mal für Vortrieb. Quelle: Presse
Uber ElevateFür 2023 peilt der amerikanische Mobilitätsanbieter Uber den Start seines Transportdienstes für Pendler in den Großstädten Dallas und Los Angeles an. Die elektrischen Flieger sollen auf Innenstadt-Hochhäusern starten und landen – und von dort in die Vorstädte fliegen. Quelle: Getty Images
City AirbusDer von Airbus und Siemens gemeinsam entwickelte Multicopter soll zunächst noch von Piloten gesteuert werden, später aber autonom fliegen. Ab 2025, hoffen die Hersteller, könnte der kommerzielle Einsatz der Flieger beginnen. Quelle: Presse
Lilium JetBis zu Tempo 300 soll der elektrische Kleinflieger mit seinen schwenkbaren Turbinen erreichen. Beim Flug in Städten sei der Jet dennoch leiser als ein Motorrad, verspricht das Start-up aus der Nähe von München, an dem auch der chinesische Techkonzern Tencent beteiligt ist. Quelle: Presse

Und Sie fertigen in Deutschland?
Genau. Wir werden zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder einen unabhängigen Flugzeughersteller in Deutschland aufbauen. Heute haben wir 300 Mitarbeiter – in den nächsten Jahren werden wir wahrscheinlich einige hundert weitere anstellen. Wir leisten nicht nur die Endmontage in Deutschland – wir entwickeln auch die Triebwerke, Karbonstrukturen und Batterien.

Wie weit wird ein Flugzeug dann mit Batterie kommen?
Wir schauen uns sehr genau an, was in den Entwicklungslaboren passiert. Dinge, die wahrscheinlich in sieben Jahren auf den Markt kommen. Es gibt in der Batterietechnologie noch viel Spielraum nach oben. Die Reichweite des Lilium-Jets wird mit besseren Batterien irgendwann die 300 Kilometer überschreiten. In 25, 30 Jahren werden Fluggesellschaften sogar elektrisch betriebene Transatlantikflüge durchführen können.

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