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VW-Abgasaffäre Was hinter dem "Clean Diesel"-Betrug steckt

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Warum Volkswagen überhaupt manipuliert


Die Motivation für die Abgas-Schummelei dürfte zum einen wohl in den Mehrausgaben liegen, die Autobauer für entsprechende Abgasreinigungssysteme investieren müssen. Die Systeme sind ausnahmslos teuer und nahezu alternativlos. Deshalb dürfte der Einsatz von Manipulationssoftware für Volkswagen in erster Linie eine Kostenersparnis sein. Denn je effektiver die Abgasreinigungssysteme im Regelverkehr sein müssen, wenn sie ständig zum Einsatz kommen, desto teurer ist ihre Ausrüstung. Wenn man aber ein solches System installiert und es dann nur in Einzelfällen zum Einsatz kommt, ist die Abnutzung geringer und die Lebensdauer länger - klarer Kostenfaktor also.

Es gäbe schließlich eine einfache Methode, um die Stickoxide in Diesel-Abgasen zu reduzieren, aber das ist eine Imagefrage, sagt Diesel-Kritiker Lottsiepen. Denn dabei geht es um die Zuführung von Harnstoff. (Um dieses fiese Wort nicht zu verwenden, umschreibt die Branche es als „Ad Blue“ – klingt schöner als Harnstoff.) Die Rechnung geht im Grunde dann ganz einfach: Harnstoff sorgt für eine Filterung der Stickoxide. Das heißt mehr Harnstoffe, weniger Stickoxide. Der muss aber regelmäßig nachgefüllt werden. Technisch ist das kein Problem und eigentlich an der Tankstelle möglich.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

Bislang ist das Nachfüllen in der Regel aber ein Werkstattservice, der den Autofahrern überhaupt nicht bekannt ist, weil er während der routinemäßigen Inspektionen erfolgt. „Ein höherer Verbrauch von Harnstoff macht damit aber häufigere Inspektionen notwendig“, so Lottsiepen „und genau das widerspricht dann einer gewünschten Werbebotschaft VWs: VW-Modelle brauchen nur wenige Inspektionen.“

Vermintes Gelände – Volkswagen und die USA

Gemunkelt wird schon lange, dass Autobauer vergleichbare Software nutzen, um in Tests optimal abzuschneiden und Experten sind sich schon lange sicher, dass solche Verfahren in der Branche üblich sind. Verboten sind sie grundsätzlich erst einmal nicht – außer sie vertuschen illegale Machenschaften. Denn Werbeversprechen von beeindruckend hohen Reichweiten und geringem Spritverbrauch (natürlich im Testmodus) beeindrucken auch weniger gewiefte Autokäufer heute kaum noch. Sie sind eben hinreichend bekannt. Dass Verbrauchswerte meist höher liegen, als der Prospekt und die Konzerntests behaupten, ist kein Geheimnis. Die Manipulation von Volkswagen in den USA betrifft aber ein anderes Metier. Es geht nicht um verschönerte Verbrauchswerte für den Verkaufsprospekt. Der Autobauer verstößt damit gegen Emissionsgesetze.

Den Verkauf von Diesel-Wagen jedenfalls hat VW in den USA vorerst komplett gestoppt. Die Schlüssel von aktuellen Jetta, Beetle, Passat, Golf und Audi A3 wandern also nicht mehr über den Händler-Tresen. VW will bis auf weiteres selbst keine gebrauchten Fahrzeuge der fraglichen Modellen mehr verkaufen. Stattdessen wartet der Konzern darauf, welche weiteren Ergebnisse die Untersuchungen der Umweltschutzbehörde EPA ergeben. Die hatte nämlich nicht ausgeschlossen, noch weitere Manipulationen und Verstöße gegen den Clean Air Act zu finden.

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