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Rohstoffknappheit Fünf Schritte zur grünen Wirtschaft

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Rohstoffe - Plastik aus Mais und Holz

Aus nachwachsenden Rohstoffen Quelle: dpa/dpaweb

Autos werden künftig fast zum Anbeißen sein. Jedenfalls wenn es nach Hans-Josef Endres geht. In einer tennisplatzgroßen Test-Fabrik am Stadtrand von Hannover hantiert der Kunststoffforscher der Fachhochschule Hannover an zwei tonnenschweren Maschinen. Eine rührt hochwertige Plastikgranulate zusammen, die aus Maiskörnern und Holzfasern bestehen. Die zweite presst aus dem Gemisch Kunststoffe für Armaturenbretter und Kabelhüllen. Doch das reicht Endres nicht: Aus Hanffasern und Harz will er schon bald auch Karosserieteile bauen. Die Komponenten aus Ökoplastik, so verspricht er, werden genauso stabil sein wie ihre Kunststoffpendants auf Erdölbasis – nur viel umweltverträglicher. Zudem lassen sie sich in 150 Jahren noch herstellen, wenn die meisten Ölquellen versiegt sind.

Was die Forscher des Biopolymer-Instituts der Fachhochschule Hannover mit Akribie und Leidenschaft anrühren, ist längst mehr als eine nette Spielerei. Das von Endres geleitete Forschungsprojekt Bioconcept-Car wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und von Großunternehmen aus der Auto- und Kunststoffindustrie unterstützt, die noch nicht genannt werden wollen. Die große Bewährungsprobe muss das Material 2012 bestehen. Dann sollen die Bioteile ihre Tauglichkeit bei einem 24-Stunden-Rennen in einem VW-Scirocco beweisen. Gelingt der Test, könnte Bioplastik im großen Stil in Serienfahrzeugen eingesetzt werden.

Die Niedersachsen stehen mit ihrer Initiative nicht allein. An vielen Orten der Welt arbeiten Forscher an grünen Materialien als Ausweg aus der Rohstoffkrise, die rapide steigende Preise für Kupfer, Erz und Öl zur Folge hat. In einfacheren Produkten sind Biokunststoffe schon länger üblich: in PET-Flaschen, Joghurtbechern und Dübeln. Nun setzen sie dazu an, die High-Tech-Industrie zu erobern.

"Im Prinzip könnten die Biokunststoffe unseren gesamten Plastikbedarf decken", sagt Endres. Und er sagt das nicht einfach so – er hat es ausgerechnet: Um den Kunststoffbedarf eines Jahres anzubauen, müssten auf zehn Prozent der deutschen Ackerfläche Rohstoffpflanzen sprießen.

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    Im Gegenzug schlägt der Wissenschaftler vor, weniger Energiepflanzen für Biosprit zu kultivieren, was heute rund zehn Prozent der Ackerflächen in Anspruch nimmt. Dann würde das Bioplastik nicht in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion treten. Auf Biosprit werden Autos künftig ohnehin nicht angewiesen sein, denn fahren wird man mit grünem Strom und sauberem Wasserstoff.

    Ein weiteres Anwendungsgebiet für nachwachsende Rohstoffe ist der Hausbau. In Österreich haben Architekten der Technischen Universität Wien ein Forschungszentrum aus einer tragenden Holzkonstruktion und Glas errichtet. Gedämmt wird mit Stroh. Der Bau benötigte 90 Prozent weniger Ressourcen als ein vergleichbares konventionelles Haus.

    Ob im Auto, in der PET-Flasche oder im Haus: Nach dem Gebrauch können Biomaterialien recycelt werden – oder als Brennstoff Energie liefern. Dieser Kreislauf würde nur so viel klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre emittieren, wie die Pflanzen zuvor aufgenommen haben. Wo kein grüner Ersatz in Sicht ist, wie etwa für Metalle im Maschinenbau, müssen Rohstoffe durch Recycling aufbereitet werden.

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