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Stürme, Hitze, BuschfeuerSpuren des Klimawandels ziehen sich quer durch die USA

Eine wärmere Welt voller Wetterkapriolen: Global und im Kleinen zeigt der Klimawandel sein Gesicht. Auch in Salida und Utqiagvik. 19.06.2018 - 10:40 Uhr

Die Landschaft um Markleeville im US-Bundesstaat Kalifornien nach einem Wildfeuer im Juni 2015.

Foto: REUTERS

Wir sind gewarnt worden: Am 23. Juni 1988 wandte sich der Nasa-Experte James Hansen mit der Alarmbotschaft an den US-Kongress und die ganze Welt, dass die Erderwärmung nicht mehr vor der Tür steht, sondern schon Einzug gehalten hat. Damit habe der Top-Wissenschaftler schon damals den Beginn der Klimawandel-Ära markiert, meint der Historiker Douglas Brinkley. 30 Jahre später ist klar, dass Hansen recht hatte.

Die Temperatur ist höher, das Wetter stürmischer, extremer. Die Polarregionen haben Milliarden Tonnen Eis verloren, der Meeresspiegel ist angestiegen. Buschfeuer wüten immer stärker. Mehr als 50 Wissenschaftler bestätigten die dramatische Entwicklung. Weltweit liegt der Temperaturanstieg nach Daten der US-Wetterbehörde NOAA bei mehr als einem halben Grad Celsius, in den USA bei fast 0,9 Grad.

Statistiken aus den vergangenen 30 Jahren, die die AP auswertete, ergaben ebenso ein klares Bild vor Ort in den Vereinigten Staaten. Demnach stiegen die Temperaturen quer durchs Land, in Atlantic City in New Jersey ebenso wie in Des Moines in Iowa oder in Yakima in Washington. Das Thermometer zeigte dort im Durchschnitt 1,6 bis 1,8 Grad Celsius mehr als 1988. „Ein halbes Grad oder ein Grad mag sich nicht viel anhören, aber wenn man sein Thermostat um diesen Wert verändert, macht sich das doch deutlich beim Wohlbefinden bemerkbar“, sagt NOAA-Klimaexperte Deke Arndt. Und dabei seien die globalen Durchschnittswerte nur ein Teil der Geschichte. „Es geht um die Extreme, die mit diesen Veränderungen kommen.“

Als sie klein war, schnallte sich Jessica Shook im Winter direkt an der Haustür in Salida die Ski an die Füße. Jetzt muss sie nach ihren Worten von ihrem Heimatort in Colorado rund 80 Kilometer fahren, bis sie auf Schnee stößt, der nicht gerade auf Berggipfeln liegt. „T-Shirt-Wetter im Januar gab es nicht, als ich ein Kind war“, sagt die Marketing-Frau. Auch die Wald- und Buschbrände haben in der Gegend zugenommen. Früher habe er gedacht, ein Feuer über 4000 Hektar sei groß, sagt Feuerwehrmann Mike Sugaski. Jetzt kämpfe er gegen zehnmal so große Brände an. „Man fragt sich immer wieder: „Wie können sie noch viel schlimmer werden?““, erklärt er. „Aber sie werden es.“ Im Januar war er mit seinem Mountainbike dort unterwegs, wo früher um diese Zeit die Skipisten verliefen.

Wetterextreme in den USA haben sich den Statistiken zufolge in den zurückliegenden drei Jahrzehnten verdoppelt. Im Nordosten fällt extremer Regen auf, die Sommerstürme über dem Atlantik bauen sich früher und stärker auf als früher. In Alaska macht sich der Temperaturanstieg in Schnee- und Eisschmelze bemerkbar.

„Der Temperaturwandel ist spürbar“, sagt der frühere Bürgermeister der Stadt Utqiagvik, Mike Aamodt. „Unser Boden taut auf.“ In Utqiagvik zeigt das Thermometer inzwischen im Jahresdurchschnitt mehr als 3,2 Grad Celsius mehr an als vor 30 Jahren, im Winter sind es sogar rund fünf. „Wir leben im Klimawandel“, beklagt Aamodt.

Studie

Tourismus verursacht acht Prozent der Treibhausgase

Auf lokaler Ebene könnten die Erwärmungsphänomene in den vergangenen 30 Jahren in einigen Teilen Nordamerikas zwar bis zur Hälfte natürliche Ursachen gehabt haben, schätzt die Klimaanalystin Clara Deser vom US-Zentrum für Atmosphärenforschung NCAR in Boulder in Colorado. Global aber sei die Erderwärmung klar menschengemacht, betont Zeke Hausfather von der unabhängigen Forschungsgruppe Berkeley Earth. Ohne all das zusätzliche Kohlendioxid und andere Treibhausgase wäre bei einer schwächer werdenden Sonne derzeit eine leichte Abkühlung zu erwarten, erklärt er. „Es würde Jahrhunderte oder gar ein Jahrtausend dauern, bis natürliche Ursachen einen solchen Wandel bewirken würden“, bekräftigt Kim Cobb von der Technologie-Hochschule Georgia Tech in Atlanta.

„Der Klimawandel ist da, er passiert jetzt und trifft uns von allen Seiten“, sagt auch die Klimaforscherin Kathie Dello von der Oregon State University in Corvallis. So lässt die Eisschmelze auch den Wasserspiegel der Ozeane steigen. Ein passendes Bild, wie Wissenschaftler meinen: Bald steht uns der Klimawandel bis zum Hals. „Vor 30 Jahren dachten wir vielleicht, dass das auf uns zukommt, wie ein Zug in der Ferne“, sagt NOAA-Experte Arndt. „Jetzt haben wir den Zug in unserem Wohnzimmer.“

AP
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