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Treibstoff Sonne in den Tank

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Schwarzes Gold

Es sei denn, der Ölpreis schießt weiter in die Höhe. Das aber gilt als sicher – und es verbessert die Marktchancen der grünen Treibstoffe auch unabhängig von der Kostenentwicklung der erneuerbaren Stromquellen. Allein in den vergangenen zehn Jahren versechsfachte der Preis pro Barrel Öl sich von 20 auf heute 120 Dollar.

Trotz aller Vorteile sind die grünen Kraftstoffe aber kein Allheilmittel für die Ölsucht unserer mobilen Welt. Das verdeutlicht ein Vergleich mit den Kosten und der Leistungsfähigkeit des spanischen Solarthermiekraftwerks Andasol: Um den deutschen Treibstoffdurst von jährlich rund 66 Milliarden Litern ausschließlich mit per Sonnenstrom erzeugtem Benzin zu stillen, wären so viele Sonnenkollektoren erforderlich, dass sich damit ganz Mallorca zupflastern ließe. Und das bei einem Investitionsvolumen von rund 1800 Milliarden Euro.

Vorerst also erscheint damit nur ein Treibstoff-Mix aus alt und neu als gangbarer Weg.

Neuer Sprit in alten Röhren

Zumal der Einsatz der neuen Kraftstoffe – verglichen mit batteriebetriebenen Autos – eigentlich sogar Energieverschwendung ist: „Autobatterien direkt mit Strom zu laden ist das effizienteste Verfahren“, sagt Michael Sterner vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) in Kassel. Durch die Umwandlung des Stroms in Gas- oder Flüssigtreibstoffe komme es zwangsläufig zu einem Energieverlust von bis zu 50 Prozent. Ein Elektroauto kommt mit 20 Kilowattstunden Strom rund 100 Kilometer weit. Selbst bei einem extrem sparsamen Auto mit drei Liter Verbrauch wäre der Stromeinsatz für grünen Kraftstoff auf der Strecke mehr als doppelt so hoch.

Aber trotz des geringeren Stromverbrauchs sind Elektroautos nicht klimafreundlicher, wie Berechnungen des Iwes ergaben. Betrachtet man die Gesamtbilanz des Fahrzeugs von der Herstellung bis zum Recycling, hat es dieselbe CO2-Bilanz wie ein mit fotosynthetischem Treibstoff fahrendes Auto – vor allem wegen der aufwendigen Herstellung der Batterie, so Fraunhofer-Experte Sterner. Außerdem müssten nicht aufwendig neue Strom-Tankstellen gebaut werden.

Genau das ist der entscheidende Vorteil der neuen Kraftstoffe gegenüber der Elektromobilität: Die Hersteller können das grüne Benzin oder Erdgas durch bestehende Pipelines pumpen, mit Tankern aus sonnenreichen Regionen nach Nordeuropa transportieren und an herkömmlichen Tankstellen verkaufen. Und das Wichtigste: Der synthetische Sprit ist kompatibel mit der vorhandenen Motorentechnik.

Angesichts des Potenzials der neuen Treibstoffe, überrascht es, wie wenig Geld bisher in ihre Erforschung und Entwicklung geflossen ist. Insgesamt haben – vorwiegend private Geldgeber – in den vergangenen Jahren weniger als fünf Millionen Euro in Solarfuel, Sunfire und Greenthitan investiert. Allein die Erforschung von Batterien für Elektroautos war der Bundesregierung dagegen seit 2009 rund 200 Millionen Euro wert.

Das Wettrennen um den Treibstoff der Zukunft erscheint angesichts dieser Zahlen als Kampf von David gegen Goliath. Aber wie der Kampf endete, ist bekannt.

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