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Vorbilder Die innovativsten grünen Ideen

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Innovative Landwirte

Eine Kuh steht auf einem Feld Quelle: AP

Die 100 rot-weiß gefleckten Kühe auf dem Hof von Rudi Hooch Antink in Koekange im Norden Hollands haben es richtig gut: Sie können sich von elektrischen Bürsten massieren lassen, von Frühjahr bis Herbst auf die Weide gehen, und sie schlafen auf Gummimatratzen.

Wie Hooch Antink produzieren in der Region westlich des Isselmeers mehr als 500 Bauern Spitzenmilch auf neue Weise: Sie verzichten auf Intensivtierhaltung, schonen die Umwelt und verdienen obendrein mehr. Fachleute sehen in ihrem preisgekrönten Projekt eine Blaupause für eine gesunde Nahrungsmittelproduktion.

Fürsorgliche Milchwirtschaft

Die innovativen Landwirte wirtschaften nach einem gut durchdachten und auf Ressourceneffizienz getrimmten System, das sie Caring Dairy, fürsorgliche Milchwirtschaft, nennen. Einen Teil der jährlich erzeugten 320 Millionen Liter Milch liefern sie an die Käserei Cono Kaasmakers, deren Genossenschafter sie sind. Die macht daraus hochwertigen Gouda der Marke Beemster, der sich auch in Deutschland gut verkauft.

Der Rest geht an ein Werk des britisch-niederländischen Unilever-Konzerns, das die Milch zu Eis der Premium-Marke Ben & Jerry’s weiterverarbeitet.

Wo immer es geht, reduzieren Hooch Antink und seine Mitstreiter die Umweltbelastung ihrer Milchproduktion: Die Kühe kriegen als Futter frisches Gras und nur im Winter nachhaltig angebautes Trockenfutter. In ihren Mägen entsteht so bei der Verdauung weniger Methan, das 23 Mal stärker zur Erderwärmung beiträgt als die gleiche Menge CO2. Die Tiere der Genossenschaftsbauern produzieren dank Weidehaltung geschätzt bis zu einem Drittel weniger Methan – der weltweite Durchschnitt liegt bei 300 Gramm je Kuh und Tag.

Mit der Wärme der Milch temperieren die niederländischen Ökolandwirte das Wasser vor, mit dem sie Melkroboter und Milchtanks reinigen. Ehrensache, dass jeder Hof aus der Gülle der Tiere in einer Biogasanlage Energie gewinnt. Der 46-jährige Hooch Antik verdient heute pro Jahr 7000 Euro mehr als Bauern, die ihre Milch an Marktführer Friesland Campina liefern.

Geld sammeln bei Ökobürgern

Auch in Deutschland konnten die Ökobauern ihre Erlöse laut aktueller Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums deutlich steigern. Sie verkauften 2010 Fleisch, Eier und Gemüse im Wert von 1,3 Milliarden Euro – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz aller Bioprodukte ist hierzulande seit 2000 sogar von knapp zwei auf fast sieben Milliarden Euro hochgeschnellt.

Ein besonders nachhaltiges Konzept hat der Freiburger Landwirt Christian Hiß entwickelt. Er sammelte bei ökologisch orientierten Bürgern und Investoren fast zwei Millionen Euro Kapital ein und investierte sie in ein regionales Netzwerk aus Gemüsebauern, Wein- und Obsthändlern. Die Betriebe verpflichten sich, streng ökologisch zu wirtschaften und ihren Beschäftigten faire Löhne zu zahlen.

Hiß geht es aber um noch mehr: Er will neue Vertriebswege für Ökoprodukte aufbauen und neuen Ökobetrieben mit Darlehen auf die Sprünge helfen. Wie wichtig ein Umstieg wäre, zeigt eine Studie des Umweltbundesamts zum Düngereinsatz. Statt 80 Kilogramm pro Hektar und Jahr, was Experten als ausreichend erachten, pflügen traditionell wirtschaftende Landwirte 100 Kilogramm Stickstoffdünger unter ihre Felder. Schlecht für die Umwelt: Denn bei der Herstellung entweichen riesige Mengen CO2 – fünf Tonnen je Tonne Dünger.

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