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Wintersport Hightech soll die Skigebiete retten

Pistenraupen, Schneekanonen und Kunstschnee aus dem Zwischenlager: Mit Hightech kämpfen die Skiorte gegen den Klimawandel. Wintersport ist längst kein Wachstumsgeschäft mehr, die Anbieter ringen um effiziente Pisten.

Für den Pistenbetrieb genügen 40 Zentimeter Schneehöhe Quelle: gms

Mit einem sanften Ruck bohrt sich die Fräse in die Skipiste. Der Fahrer oben in der Kanzel drückt den Joystick leicht nach vorne, dann setzt sich die 14 Tonnen schwere Pistenraupe in Bewegung. An ihrem hinteren Ende lockern die Zähne der Fräse bis in etwa 40 Zentimeter Tiefe den Schnee auf. An der Vorderseite des Ungetüms schiebt ihn ein mächtiges Schild die Piste hinauf und planiert ihn.

„Die Skifahrer drücken bei ihren Abfahrten den Schnee Richtung Tal“, erklärt Werner Amort, Vorstandschef von Prinoth. Der Hersteller aus dem Südtiroler Sterzing hat die Pistenraupe gebaut. Amort schaut an diesem sonnigen Wintermorgen zu, wie sich das 530 PS starke Gefährt – Modell Leitwolf – den Hang nahe dem österreichischen Kitzbühel hinaufschiebt.

Es ist das Topmodell: 500.000 Euro teuer, von italienischen Stardesignern gestaltet, ausgestattet mit Recaro-Sitzen. Für die Urlauber ringsum ist die wuchtige Raupe das augenfälligste Beispiel für all die teure Technik, mit der Skiorte global ihre Pisten effizienter betreiben wollen.

Aktuelle Investitionen in deutsche Skigebiete

Denn der Winterport ist längst kein Wachstumsgeschäft mehr. Immer weniger junge Leute lernen Skifahren, der weiße Sport ist bei ihnen nicht mehr angesagt. Und es fehlt schlicht an Schnee – die Folgen des Klimawandels, hier werden sie spürbar.

Gnadenloser Wettbewerb

Manche Experten schätzen, dass bereits zwei Drittel der österreichischen Bergbahnbetreiber rote Zahlen schreiben. „Unter den Skigebieten herrscht ein harter Wettbewerb um Marktanteile“, sagt Edgar Grämiger von der Beratungsgesellschaft Grischconsulta im schweizerischen Chur. Um mitzuhalten, versuchen die Skiorte, die Kosten zu senken, etwa durch Schneekanonen mit höherem Wirkungsgrad oder den effizienteren Einsatz des aufwendig produzierten Kunstschnees.

Zehn ausgefallene Wintersportarten
Pferde SkijoringWer sich auf Skiern von jemanden oder etwas anderem ziehen lässt – etwa von einem Schlitten oder einem Schlittenhund – der darf von sich behaupten, er „skijore“. Nicht weiter ungewöhnlich, es sei denn, man lässt sich dabei von einem Pferd über den Schnee ziehen.  Die haben so viel natürlich Pferdestärke, dass die Skijorer unglaublich hohe Geschwindigkeiten erreichen und dabei bis zu 17 Meter lange Stunt-Sprünge machen können – nur der Skifahrer, versteht sich. Quelle: Redbull
Ski-BallettBallett tanzen ist eine Kunst für sich – selbiges gilt auch für Skifahren. Die Kombination aus beiden, das sogenannte Ski-Ballett, sollte sich in diesem Jahr niemand entgehen lassen. Die ausgefallene Sportart wurde in den 70er Jahren populär und vereint rasante Abfahrten mit eleganten Pirouetten, Rollen und Sprüngen. Wenn möglich sogar im Takt der Musik. Quelle: dpa
Schnee-PoloWer sein Pferd nun ohnehin schon für Skijoring aus dem Stall geholt hat, kann sich ruhig noch eine Runde Schnee-Polo gönnen. Das erste offizielle Match dieser ausgefallenen Sportart fand 1985 auf einem zugefrorenen See in der Schweiz statt. Heutzutage ist Schnee-Polo eine beliebte Sportart in kalten Ländern auf der ganzen Welt. Quelle: dpa
Schnee-KajakfahrenNur weil Schnee liegt, ist das noch kein Grund, das Kajak in der Garage versauern zu lassen. Schnee-Kajakfahren ist genauso spannend wie Extrem-Schlittenfahren und funktioniert sehr ähnlich: Einfach Wachs unter das Kajak schmieren und ab geht die Post, bergabwärts. Gesteuert wird mit dem Paddel, genau wie auf dem Wasser. Quelle: Redbull
Schaufel-RennenDiese Wintersportart ist möglicherweise aus alten Weihnachtsfilmen bekannt, in denen Kinder auf Schaufeln schneebedeckte Hügel herunterrutschen. Aber Schaufel-Rennen sind keineswegs Vergangenheit: Seit über 30 Jahren treffen sich in New Mexiko die Menschen für ein traditionelles Schaufel-Rennen in der Vorweihnachtszeit. Bei diesem Wettbewerb fetten die Teilnehmer – meist Erwachsene – metallene Schaufeln ein und düsen damit Skipisten mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde herunter. Quelle: Redbull
Eis-JachtenJachten – das klingt nach Schickeria, viel Sonne und schönen Frauen im Bikini. Eis-Jachten hat damit jedoch nicht viel zu tun. Die Sportart, die vor allem in den Niederlanden und in Finnland beliebt ist, ist eine Mischung aus Windsurfen und herkömmlichem Segeln. Die Sportler nutzen dabei traditionelle Segel-Techniken, während Kufen unter dem Boot wie Schlittschuhe funktionieren und das Boot über zugefrorene Seen oder Flüsse bewegen. Quelle: Redbull
Speed-FliegenIrgendwann in der Geschichte haben sich wohl Fallschirmspringer und Gleitschirmflieger zusammen getan, um diese abgefahrene Wintersportart zu entwickeln. Wichtig ist dabei die Kombination aus Fallschirm und Skiern.  Auf einem Berg gelandet, kommen diese zum Einsatz um die Speed-Flieger sanft die Piste hinunter zu tragen. Quelle: Redbull

„Schneemanagement“ nennt das Josef Burger, Vorstand der Bergbahn AG Kitzbühel. Er hat in dem Nobelskiort mit mehr als 50 Seilbahnen und Liften alle 170 Kilometer an Pisten Zentimeter für Zentimeter per Satellitennavigation exakt vermessen lassen, inklusive der Höhe über dem Meeresspiegel. Im Winter bestimmt die Pistenraupe wieder die Höhe – und berechnet mithilfe der so gewonnenen Daten die Dicke der Schneeschicht. „So wissen wir ständig, wo wie viel Schnee gebraucht wird“, sagt Burger. Big Data im Wintersport.

In der Kabine der Pistenraupe zeigt ein gelb umrandeter Monitor während der Fahrt die Schneehöhe unter der Raupe an. 41, 44, 42 Zentimeter: Permanent wechseln die Zahlen. Gleichmäßig 40 Zentimeter Schnee genügen für einen ordentlichen Pistenbetrieb. Früher landete der Kunstschnee nicht selten an Hängen, auf denen ohnehin schon genug lag; andere bekamen zu wenig ab. Durch das neue Messverfahren blasen ihn die Kanonen nur noch dorthin, wo er benötigt wird: nicht unwichtig bei einem Preis von 2,50 Euro für einen Kubikmeter. Kitzbühel verteilt pro Saison zwei Millionen davon. Je nach Skigebiet lassen sich die Kosten der Schneeproduktion um bis zu ein Viertel senken.

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