Wirtschaft von oben #323 – Air Force One: Donald Trump treibt Plan für Luxus-Air-Force-One voran
Donald Trumps neuestes Spielzeug ist 76 Meter lang, 19 Meter hoch und 68 Meter breit. Trotz massiver Kritik hat der US-Präsident ein wahrhaft gigantisches Geschenk des katarischen Herrscherhauses Al Thani angenommen: Eine Boeing 747-8KB BBJ mit der Kennung P4-HBJ, ein 13 Jahre altes Luxusflugzeug mit einem Listenpreis von 400 Millionen Dollar.
Das Vorhaben hat hohe Wellen geschlagen. Teure Geschenke für Politiker wie dieses schüren schließlich einen Korruptionsverdacht. Jetzt meldet das US-Verteidigungsministerium, es akzeptiere die Maschine in Übereinstimmung mit allen Regeln und Vorschriften. Das hat sich bereits angekündigt. Während in den Medien und in der Politik noch über Recht und Unrecht gerungen wurde, hat Trump wie sich jetzt herausstellt, wohl bereits Fakten geschaffen.
Lokalreporter des „San Antonio Express“ haben das Flugzeug bereits Anfang Mai auf dem Internationalen Flughafen der texanischen Metropole gesichtet. Daten des Portals Flightradar24 zufolge ist die Boeing dort am 3. April gelandet. Wieso der Ort so wichtig ist, wird klar, wenn man sich die Umgebung aus dem All anschaut.
San Antonio, Texas, USA
03.05.2025: Der San Antonio International Airport (oben), wo Trumps künftige Luxusmaschine zurzeit steht, liegt gerade mal 17 Kilometer von der US-Luftwaffenbasis Lackland (unten) entfernt. Dort werden die Air Force One und die Doomsday-Flieger gewartet.
Bild: LiveEO/Sentinel
Nur 17 Kilometer vom San Antonio International Airport entfernt liegt die US-Luftwaffenbasis Lackland. Auf deren Flugfeld stehen nicht irgendwelche Flugzeuge, sondern die Regierungsflieger der Vereinigten Staaten. Neben der als Air Force One bekannten Präsidentenmaschine sind das auch die Doomsday-Flieger genannten National Airborne Operations Center (NAOC). Das sind Flugzeuge, die im Fall eines nuklearen Angriffs die Befehls- und Kommandogewalt des US-Militärs sicherstellen sollen.
Neben dem militärischen Teil des Lackland-Flugfelds hat auch der Flugzeugbauer Boeing einen Standort innerhalb des Militärbezirks. Hier werden Maschinen um- und nachgerüstet. Auf Satellitenbildern von LiveEO ist an ihrer charakteristischen, blau-weißen Lackierung gut eine Air Force One zu erkennen, daneben eine Doomsday-Maschine vom Typ Boeing B4.
US-Luftwaffenbasis Lackland, San Antonio, Texas, USA
19.03.2025: Vor einem langen Hangar sind eine Air Force One (blauweiß) und ein Doomsday-Flieger (weiß) zu erkennen. Beides sind wie der Luxusjet aus Katar Boeing 747, wenn auch älteren Baujahres.
Bild: LiveEO/Google Earth
Die geografische Nähe zwischen diesem wichtigen Umrüstungsstandort von Boeing und dem aktuellen Standplatz der katarischen Boeing 747 könnte nach der nun erfolgten offiziellen Annahme des Geschenks wichtig werden. Denn Trump plant, das Luxus-Geschenk als Air Force One zu nutzen. Hintergrund dieses Plans ist, dass die aktuell benutzten Maschinen in die Jahre gekommen sind. Die schon bestellten zwei Nachfolgeflugzeuge leiden derweil unter jahrelangen Produktionsverzögerungen. Der erste der Jets wird unter Umständen erst 2029 ausgeliefert.
Trump will daher eine Übergangslösung. Wird diese nicht mehr gebraucht, will er den Luxusflieger seiner nach dem Ausscheiden aus dem Amt zu gründenden Präsidentenbibliothek überschreiben. Bereits im Februar war das opulent ausgerüstete Flugzeug in Florida, auf dem Palm Beach International Airport, gesichtet worden, wo Trump es offenbar besichtigt hat.
Dass die Maschine jetzt so nah an der Luftwaffenbasis Lackland steht, deutet darauf hin, dass deren Techniker diese am Internationalen Flughafen genauer unter die Lupe nehmen – vermutlich, um eine Verwendung als Air Force One zu prüfen. Denn so einfach, wie sich der US-Präsident das vorstellt, ist es nicht.
Die Maschinen der Air Force One sind keine einfachen Flugzeuge, sondern fliegende Kommandozentralen mit sicheren Kommunikationswegen und Verteidigungsmöglichkeiten gegen Angriffe. Zwar hat das Flugzeug aus Katar eine Ausstattung, die einem Palast ähnelt, aber das reicht den Ansprüchen an eine Präsidentenmaschine nicht.
Selbst wenn die Verteidigungs- und Kommunikationsausrüstung für die Nutzung als Air Force One verbessert würde, müssten wohl Kampfjets den Flieger eskortieren. Die katarische Maschine verfüge nicht über die elektronischen Verteidigungs- und Raketenwarnsysteme oder andere Funktionen, die die Überlebensfähigkeit der Air Force One absichern, sagt Richard Aboulafia von der Beratungsfirma AeroDynamic Advisory.
San Antonio International Airport, San Antonio, Texas, USA
31.03.2025: In diesem Bereich des Flughafens stand Anfang Mai offenbar die von Katar bereitgestellte Boeing 747. Die Satellitenaufnahme entstand wenige Tage, bevor diese laut Flightradar24 in San Antonio eingetraf. Ein neueres Bild war nicht verfügbar.
Bild: LiveEO/Up42/Airbus
Die Air Force One benötigt dagegen fast nie Begleitung durch Kampfjets, da sie mit eigenen Verteidigungssystemen ausgestattet ist, darunter Täuschkörpern, elektronischen Störsendern und Infrarot-Erkennungssystemen.
Die US-Regierung hat einem Insider zufolge die Rüstungsfirma L3Harris Technologies angefragt, um den von Katar angebotenen Jumbojet nachzurüsten. Diese müsste nach Ansicht von Experten die Kommunikationssysteme vor Spionage absichern und das Flugzeug gegen Raketenangriffe schützen. Die Kosten dafür sind nicht bekannt, dürften aber erheblich sein.
Zum Vergleich: Die aktuell von Boeing konzipierten Nachfolgeflugzeuge übersteigen bei den Kosten derzeit die Summe von fünf Milliarden Dollar. 2018 waren sie unter der ersten Trump-Regierung für 3,8 Milliarden Dollar in Auftrag gegeben worden.
Ganz ohne die Beteiligung von Boeing dürfte der Umbau nicht gelingen. Von daher dürfte er auch im Falle einer Beauftragung eines anderen Unternehmens in den Hallen von Boeing geschehen. Am Ende führen alle Wege nach San Antonio.
Doch selbst wenn die US-Regierung den Auftrag zur Umrüstung erteilt, heißt das nicht, dass diese auch gelingt: „Die Air Force One ist so konzipiert, dass sie in allen möglichen Umgebungen überlebensfähig ist, auch in einem Atomkrieg“, sagt Mark Cancian, leitender Berater der Verteidigungs- und Sicherheitsabteilung des Center for Strategic and International Studies. Er wies darauf hin, dass die Fähigkeit des Jets, den elektromagnetischen Impuls einer Atomexplosion zu überstehen, von Grund auf in die Verkabelung und Systeme des Jets integriert sei. „Das ist nichts, was man einfach hinzufügt.“
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 16. Mai 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert.
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