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Wirtschaft von oben #41 – Die eigene InselWohin die Superreichen vor Corona fliehen können

Die eigene Insel bietet eine Zuflucht, vor allem in turbulenten Zeiten wie diesen. Ob in der Karibik, auf den Malediven oder im Mittelmeer. Unsere exklusiven Satellitenbilder erlauben auch Normalsterblichen Einblick ins abgeschiedene Leben der Milliardäre. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.Niklas Hoyer 18.03.2020 - 08:41 Uhr
Foto: LiveEO/UP42

Die Inseln und Halligen an Nord- und Ostsee sind seit Kurzem für Touristen gesperrt. Urlauber mussten die Heimreise antreten. So soll die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft und die medizinische Versorgung der Insulaner sichergestellt werden. Größere Fallzahlen hätten die Küstenregionen mit ihren medizinischen Kapazitäten nicht verkraftet. Doch die Maßnahme zeigt auch: Ein Wassergraben hat nicht nur Burgen im Mittelalter geschützt. Er schützt Inselbewohner auch heute noch, wenn sie niemanden mehr an Land lassen.

Genau diese Abgeschiedenheit wissen einige Superreiche zu schätzen. Sie haben sich, allerdings eher in der Süd- als der Nordsee, eine eigene Insel gekauft und halten alle unerwünschten Einflüsse fern – wenn’s gut läuft auch das Coronavirus.

Da wäre zum Beispiel Richard Branson, der seine erste Insel vor mehr als 40 Jahren kaufte. Eigentlich hat er dabei alles falsch gemacht: Er hatte kaum Ahnung, was er da eigentlich kauft. Er hatte wenig Pläne, was er damit machen wollte. Er hatte zu wenig Geld, um den Kauf zu stemmen.

13.02.2013 (linkes Bild): Schon 1979 hat der britische Unternehmer Richard Branson („Virgin“) die Insel im Gebiet der Britischen Jungferninseln für nur 180.000 Dollar gekauft. Die Auflage: Er musste innerhalb weniger Jahre ein Urlaubsresort darauf errichten.
03.08.2019 (rechtes Bild): Auf der 30-Hektar-Insel hat sich einiges verändert. Schon 2015 hat Branson Solarpaneele montieren lassen, um mit einem kleinen Solarkraftwerk dem Ziel einer energieautarken Insel näherzukommen. Der Bootsanleger ist ausgebaut. 2017 hatte ein Hurricane die Insel verwüstet, die Schäden wurden nach und nach beseitigt.

Bilder: LiveEO/SpyMeSat, LiveEO/UP42

Und doch war der britische Unternehmer und Multimilliardär der vielleicht erfolgreichste Insel-Investor unter den Schönen und Reichen dieser Welt. Zumindest wenn seine eigene Erzählung stimmt: 1978 suchte er demnach einen Weg, seine Traumfrau zu beeindrucken. Seine erste Ehe ging kurze Zeit später in die Brüche. Branson hörte davon, dass einige Inseln der British Virgin Islands in der Karibik zum Verkauf standen. Wie passend, hieß doch seine damals noch junge Unternehmensgruppe ebenfalls Virgin. Also ließ er sich von einem Makler vor Ort eine der Inseln zeigen: Necker Island. Als Bedingung habe er nur gestellt, dass er zur Besichtigung mit Helikopterflug eine Begleitperson mitnehmen dürfe – besagte Traumfrau.

Die Insel fand Branson paradiesisch, die Traumfrau war schwer beeindruckt. Doch als der Makler den geforderten Kaufpreis von sechs Millionen Dollar nannte, konnte Branson nur abwinken. Er habe das Äußerste geboten, was damals drin gewesen sei: 100.000 Dollar. Natürlich lehnte der Makler ab.

Vorerst. Ein Jahr später kam der Eigentümer auf Branson zu: Es habe bislang keinen anderen Interessenten gegeben. Für 180.000 Euro könne er die Insel nun haben, wenn er darauf binnen vier Jahren ein neues Resort errichtete. Branson schlug zu. 1989 heirateten er und seine Traumfrau Joan Templeman auf Necker Island.

13.02.2013 (linkes Bild): Ganz in der Nähe von Bransons „Necker Island“ liegt Mosquito Island. 2007 kaufte der britische Multimilliardär dieses ebenfalls zu den Britischen Jungferninseln gehörende Eiland. Mit 50 Hektar ist es sogar etwas größer als die Nachbarinsel Necker. Branson ließ einige Bauten neu errichten, die 2013 teils schon im Bau sind.
03.08.2019 (rechtes Bild): Mittlerweile sind einige Häuser neu gebaut, inklusive zweier Tennisplätze.

ilder: LiveEO/SpyMeSat, LiveEO/UP42

Weltweit stehen mehrere hundert private Inseln auch heutzutage zum Verkauf. Für viele Milliardäre gehört die eigene Insel einfach dazu. Exklusive Satellitenbilder von LiveEO zeigen einige Beispiele. Luxuriöse Villen, teure Autos, schicke Yachten – das können sich viele Vermögende leisten. Die eigene Insel ist nicht nur ein Schutzort, sie ist auch ein echtes Statussymbol – der Beweis, dass der Eigentümer sich finanziell in anderen Sphären bewegt. Bransons Vermögen etwa wird auf vier Milliarden Dollar geschätzt.

Der französische Unternehmer Bernard Arnault (Chef und Großaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH), dem seit 1999 die Bahamas-Insel Indigo Island gehört, soll es gar auf knapp 100 Milliarden Dollar Vermögen bringen. Sein Luxusgüterkonzern LVMH sorgte jüngst für Aufsehen, weil er statt Parfüm nun vorübergehend Desinfektionsmittel herstellen will, um die Ausbreitung des Coronavirus in Frankreich einzudämmen.

04.09.2011 (linkes Bild): Die 54 Hektar große Bahamas-Insel des französischen Unternehmers und Multimilliardärs Bernard Arnault (Luxusgüterkonzern LVMH) ist relativ unbebaut. Schon seit 1999 ist die Insel in seinem Besitz.
25.12.2019 (rechtes Bild): Im Yachthafen ist jetzt mehr los als 2011, außerdem wurde der Zugang zu einer kleinen „Vorinsel“ an der unteren Inselspitze aufgeschüttet. Der H-förmige Gebäudetrakt in der Inselmitte hat ein neues, deutlich helleres Dach bekommen.

Bilder: LiveEO/SpyMeSat, LiveEO/UP42

Eine Insel ist eigentlich ein wirksames Mittel, aus einem sehr großen Vermögen ein deutlich kleineres zu machen. Ab gewissen Kontoständen aber spielt auch das keine Rolle mehr. Top-Schauspieler Johnny Depp, bekannt etwa aus „Fluch der Karibik“, soll 2004 rund 3,6 Millionen Dollar für die Insel Little Hall’s Pond Cay, ebenfalls auf den Bahamas, ausgegeben haben. Verkraftbar bei einem angeblichen Nettovermögen von Hundert Millionen Dollar. Und den reichen Inselbesitzern ist ihre Einsamkeit alles Geld der Welt wert. „Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor einen so reinen und schönen Ort gesehen habe“, sagte Filmstar Depp dem Magazin „Vanity Fair“ 2009. Er könne spüren, wie sein Puls um 20 Schläge heruntergehe, sobald er die Insel betrete. Es sei die pure Freiheit.

21.01.2013 (linkes Bild): Die 18 Hektar große Bahamas-Insel gehört TV-Star Johnny Depp. Angeblich hat er sich beim Dreh für den Kassenschlager „Fluch der Karibik“ in die Insel verliebt. 2004 kaufte er sie für wohl 3,6 Millionen Dollar.
30.10.2019 (rechtes Bild): Er selbst nennt die Insel „Lily Rose“, nach seiner Tochter. Auch die sechs Strände haben teils Namen der Kinder – und von Depps Exfrau Vanessa Paradis.

Bilder: LiveEO/Skywatch, LiveEO/SpyMeSat

Dabei ist der Kaufpreis meist nicht die größte Ausgabe. Oft kennen die nötigen Investitionen vor Ort kaum eine Grenze – insbesondere, wenn die Insel nicht nur als einsamer Rückzugsort, sondern auch dem VIP-Tourismus dienen soll, um zahlende Gäste empfangen zu können. Der Bau eines Luxusresorts auf der Malediven-Insel Velaa des tschechischen Milliardärs Jiri Smejc soll 200 Millionen Dollar gekostet haben. Ende 2013 öffnete es. Die Tochter des russischen Milliardärs Dimitri Rybolowlew will auf der griechischen Insel Skorpios gut 180 Millionen Euro für ein neues Luxusresort investieren. Ursprünglich sollte es dieses Jahr eröffnen, doch der Bau verzögert sich. Bis 2022 könne die Fertigstellung nun noch dauern, heißt es.

Zwischenzeitlich wurde angezweifelt, dass die einst im Besitz des sagenumwobenen griechisch-argentinischen Reeders Aristoteles Onassis befindliche griechische Insel überhaupt wirksam in Besitz des Rybolowlew-Clans übergegangen ist. Einige Bauten auf der Insel wurden ohne Genehmigung errichtet. Strenge Naturschutzauflagen erschwerten die Pläne für Neubauten.

13.07.2011 (linkes Bild): Die 83 Hektar große griechische Insel hat eine bewegte Vergangenheit. Einst gehörte sie dem griechisch-argentinischen Reeder Aristoteles Onassis, der sie 1963 gekauft hatte. Viele Prominente, darunter Bill Gates, sollen sich für die Insel samt Helikopter-Landeplatz interessiert haben. Doch einen Verkauf hatte Onassis im Testament eigentlich ausgeschlossen.
01.03.2019: Deshalb kaufte die Tochter des russischen Milliardärs Dimitri Rybolowlew, Ekaterina Rybolowlew, 2013 nur ein Nutzungsrecht an der Insel für 100 Jahre, um die Testamentsklausel zu umgehen. Angeblich für 100 Millionen britische Pfund. Rybolowlew will auf der Insel ein Luxusresort bauen. Dieses verzögert sich, die Fertigstellung ist erst für 2022 geplant. Erste Veränderungen gibt es bereits: Im Norden der Insel wurde im Vergleich zu 2011 ein Park neu angelegt, links davon kam ein Sportplatz hinzu.

Bilder: LiveEO/SpyMeSat

29.08.2010 (linkes Bild): Die Ehefrau des französischen Unternehmers Georges Cohen soll die Insel für sich entdeckt haben. 2001 kaufte das Paar die nahe Grenada gelegene Karibikinsel. Damals, kurz vor dem New-Economy-Hoch, ist sein IT-Unternehmen Transiciel Milliarden an der Börse wert. Die Insel liegt nur 15 Minuten mit dem Boot vom Flughafen in St. George’s, Grenada, entfernt.
02.10.2019 (rechtes Bild): Die gut 30 Hektar große Insel, mit verspielt gestalteten Holzdachhäusern, können Gäste auch mieten. Für die ganze Insel müssen sie pro Nacht gut 130.000 Dollar mitbringen. Gegenüber 2010 ist ein Tennisplatz (oberes Inselende) dazugekommen.

Bilder: LiveEO/SpyMeSat, LiveEO/UP42

Keine Sorge: Für ausreichend Privatsphäre sollte auf der etwa acht Hektar großen Insel trotzdem gesorgt sein. Viele der Unterkünfte sind mit stegartigen Auslegern über dem Wasser rund um Velaa gruppiert. Außerdem dürfen gleichzeitig maximal 142 Gäste dort urlauben. Auf der Insel waren vor dem Kauf 2010 nur Vegetation und einige Papayafelder. Aus aller Welt wurden die Baumaterialien herangeschafft, Tropenholz aus Borneo etwa. Selbst die Palmen wurden von benachbarten Inseln geholt, um für das echte Inselflair zu sorgen.

Im Vorher-Nachher-Vergleich hat sich Velaa daher wohl am stärksten gewandelt. Aber schauen Sie am besten selbst.

24.01.2010 (linkes Bild): Die Malediven-Insel ist nur acht Hektar groß. 2010 prägen Buschwerk und Papayafelder die Landschaft. Die Insel gehört zum Noonu Atoll, das vor allem bei Tauchern beliebt ist. Das Meeresleben rund um Velaa ist allerdings weniger reichhaltig als bei anderen Inseln des Atolls.
05.07.2019 (rechtes Bild): Der tschechische Unternehmer Jiri Smejc („Home Credit“) hat für öffentlich genannte 200 Millionen Dollar Baukosten ein Luxusresort errichten lassen, Eröffnung: Ende 2013. Dafür hat er den Malediven ein 50-jähriges Leasingrecht an der Insel abgekauft. Maximal 142 Gäste dürfen gleichzeitig kommen. Für Privatsphäre ist gesorgt, da die Unterkünfte überwiegend an stegartigen Auslegern um die Insel herum liegen. Einen Golfplatz gibt es auch – und jeden erdenklichen Luxus für die Gäste, die wenigstens knapp 4000 Dollar pro Nacht einkalkulieren müssen.

LiveEO/Google Earth, LiveEO/SpyMeSat

Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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