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Abstimmung Projekt „Fokus“: Daimler möchte sich aufspalten

Daimlerzentrale in Stuttgart Quelle: dpa

Das Mega-Projekt trägt den Codenamen „Fokus“: Autos und Lkw von Mercedes sollen erstmals nicht aus einem Haus kommen. Nun schlägt bei einem Sondertreffen die Stunde der Aktionäre.

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Schon vor dem Daimler-Aktionärstreffen wird mit großen Worten nicht gegeizt. Das sei ein „wirklich historischer Tag“, meint Martin Daum, Vorstandschef der Nutzfahrzeugsparte Daimler Truck. Die Anteilseigner sind am morgigen Freitag bei einer Online-Versammlung aufgerufen, der Aufspaltung des Stuttgarter Autobauers zuzustimmen. Der Einschnitt ist tief. Im Kern geht es darum, das große Lkw- und Busgeschäft aus dem Konzern herauszulösen und als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen.

„Es ist kein Naturgesetz, dass Daimler ewig besteht“, stellte der damalige Konzernchef Dieter Zetsche bereits 2019 fest. Manch einer dürfte bei der außerordentlichen Hauptversammlung an seine prophetischen Worte denken. Die Branche befindet sich im Umbruch, die Herausforderungen sind riesig. So fließen zum Erreichen der Klimaschutzziele Milliarden in neue E-Autos. Die Karten werden neu gemischt, so entstand der europäische Gigant Stellantis mit Opel, Fiat und einem Dutzend weiterer Marken. Der mächtige IG-Metallchef im Südwesten, Roman Zitzelsberger, signalisierte bereits zu Jahresbeginn Zustimmung für den Plan der getrennten Wege für die Konzernteile.

Bei der Daimler-Trennung geht es um viel Geld: Es soll Mehrwert für die Anteilseigner geschaffen werden. Daimler wäre nicht Daimler, wenn bei der Aufspaltung mit dem Codenamen „Fokus“ nicht auch Symbolisches und Grundsätzliches anklingen würde. Die Unternehmensgeschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, das Anspruchsniveau ist bis heute hoch: „Wir haben das Automobil erfunden“, lautet die unbescheidene Devise der Stuttgarter. „Für immer verschwindet eines der erfolgreichsten, traditionsreichsten und größten deutschen Unternehmen von der Bildfläche“, kommentiert Autoexperte Willi Diez in einem noch unveröffentlichten Buch den radikalen Umbau bei Daimler.

Die Sparte Daimler Truck wird in die unternehmerische Selbstständigkeit entlassen. Aktien sollen noch vor Weihnachten an der Börse notiert werden - der genaue Termin ist bisher offen. Die Lkw-Sparte stand lange im Schatten des glamouröseren Autogeschäfts - dabei sieht sich der Hersteller mit mehr als 100.000 Mitarbeitern als Weltmarktführer für Nutzfahrzeuge.

Nach der Aufspaltung verbleibt der größere und ertragreichere Teil des Konzerns für das Auto- und Vangeschäft. Es soll künftig als Mercedes-Benz Group AG geführt werden. Und der Name Daimler AG für die bisherige Dachgesellschaft wird Anfang kommenden Jahres ganz verschwinden.

Es gibt kaum einen Zweifel daran, dass die Aktionäre von Daimler der Zerlegung zustimmen werden. Sie sollen über neue Aktien von Daimler Truck profitieren - schließlich rechnen sich Profi-Investoren aus, dass die beiden Teile an der Börse getrennt mehr wert sein werden als gemeinsam. Topmanager um Daimler-Vorstandschef Ola Källenius werden sich Zeit nehmen, den „historischen Schritt“ (Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder) noch einmal gründlich zu erklären. Dazu soll auch ein Wasserstoff-Lkw als eine Art Vorbote einer klimafreundlicheren Zukunft aufgefahren werden.

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Bei dem Treffen, das wegen der Corona-Beschränkungen nicht in einem Saal stattfinden wird, dürfte es viele Fragen und Kommentare geben. Anteilseigner oder ihre Vertreter werden darauf dringen, dass der nun bald selbstständige Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck mehr Gewinn einfahren soll.

Sorgen löst Experten zufolge das verbleibende Pkw-Geschäft aus. „Die Abspaltung der Lkw-Sparte macht Daimler anfälliger für aktivistische Attacken oder Übernahmeversuche“, warnt Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investment. Die verbreitete Skepsis gegenüber der Zukunftsfähigkeit der Mercedes-Benz AG beruhe wohl darauf, dass sie ein „kleiner Player im Weltautomobilmarkt“ sei, meint Wirtschaftsprofessor Diez. Das Lkw-Geschäft stehe hingegen auf längere Sicht nicht so schlecht da, da dessen Grundlagen berechenbar seien. „Solange gewirtschaftet wird, müssen Güter transportiert werden(...),“, lautet das nüchterne Fazit des Experten.

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