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„Auslieferungslogistik-Hölle“ Elon Musk räumt Probleme bei Tesla-Auslieferung ein

Tesla: Elon Musk räumt Probleme bei Auslieferung ein Quelle: REUTERS

Tesla-Chef Elon Musk hat sich auf Twitter bei einem Kunden für die späte Auslieferung seiner E-Autos entschuldigt. Tesla sei von der „Produktionshölle in die Auslieferungslogistik-Hölle“ gekommen. Die nächste Krise?

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Tesla-Chef Elon Musk hat logistische Probleme bei der Auslieferung neuer Elektroautos eingeräumt. „Entschuldigung, wir sind von der Produktionshölle in die Auslieferungslogistik-Hölle gekommen“, schrieb Musk am Sonntag in einer Mitteilung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings sei dieses Problem leichter zu bewältigen. „Wir machen rasche Fortschritte. Sollte bald gelöst sein“, schrieb Musk weiter in seiner Twitter-Antwort auf eine Kundenbeschwerde über Verzögerungen bei der Auslieferung von Autos.

Der Kurs der Tesla-Aktie war in der Vergangenheit immer wieder durch Nicht-Einhaltung selbstgesetzter Produktionsziele unter Druck geraten. Auch der Abgang von Spitzenmanagern hatte für Verunsicherung unter Kunden und Investoren gesorgt. Teslas Chefbuchhalter Dave Morton reichte seinen Rücktritt ein und verlässt die Firma damit nach nur einem Monat schon wieder. Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge will außerdem Personalchefin Gaby Toledano nach einer Auszeit nicht zurückkehren.

Für Tesla kommen die Personalabgänge zur Unzeit. Musk laufen ohnehin schon seit Monaten Manager davon, zudem kämpft das Unternehmen mit Problemen beim Hoffnungsträger Model 3. Die von Musk selbst wiederholt als „Produktionshölle“ beschriebene Fertigung des ersten günstigeren Teslas für breitere Käuferschichten liegt Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan und ist sowohl finanziell wie operativ ein Kraftakt. Entsprechend wichtig wäre es, dass Musk - der Tesla bislang quasi als Ein-Mann-Show führt – einen kühlen Kopf behält.

Doch der umtriebige Superstar der US-Tech-Hochburg Silicon Valley, der neben Tesla auch noch die Raketenfirma SpaceX, die Tunnelbohrgesellschaft Boring Company und etliche andere Projekte betreibt, macht ständig neue Baustellen auf. Vor knapp zwei Wochen schockierte der exzentrische Tech-Milliardär als er bei einem YouTube-Podcast vor laufender Kamera an einem Joint zog. Die für Top-Manager ohnehin ungewöhnliche Aktion war selbst für Musks Verhältnisse äußerst bizarr. Selbst im privaten Umfeld schien die Verwunderung über die jüngste Eskapade des Unternehmers groß: Noch während des Podcasts las Musk Textnachrichten von Freunden vor, die irritiert von seinem Marihuana-Konsum waren und wissen wollten: „Was zur Hölle machst du da?“. An der Börse kam der Auftritt nicht gut an, die Aktie geriet kräftig unter Druck.

Im August hielt Musk die Finanzmärkte wochenlang mit der völlig überraschenden Ankündigung in Atem, er wolle Tesla von der Börse nehmen. Nachdem der waghalsige Plan letztlich genauso unerwartet wieder abgeblasen wurde, drohen Tesla nun Konsequenzen durch die US-Börsenaufsicht und Sammelklagen von Investoren wegen möglicher Marktmanipulation.

Und zu allem Überfluss liefert sich der Tesla-Chef auch noch eine merkwürdige Fehde mit einem britischen Taucher, der im Juli bei der dramatischen Rettung eines thailändischen Fußball-Teams mitgeholfen hatte, das tagelang in einer überschwemmten Höhle eingeschlossen war. Musk hatte den Mann auf Twitter als Pädophilen beschimpft, nachdem dieser sein Angebot, die Mannschaft mit einem Mini-U-Boot zu befreien, mit schroffen Worten als PR-Gag abbügelte. Nun bereiten die Anwälte des Briten eine Verleumdungsklage vor.
Die Finanzwelt ist zunehmend fassungslos angesichts von Musks Eskapaden, die Rufe nach einer Begrenzung seiner Kompetenzen bei Tesla werden lauter. Musk ist Vorstands- und Verwaltungsratschef in Personalunion – ein kontrollierendes Aufsichtsgremium im eigentlichen Sinne gibt es nicht wirklich. Viele Experten halten das mittlerweile für untragbar. „Es wird immer klarer, dass Tesla einen großen Wechsel in der Chefetage braucht“, schrieb James Albertine vom Analysehaus Consumer Edge am Freitag an Kunden. Musk scheine eine „leicht selbstzerstörerische Neigung“ zu haben, sagte Philippe Houchois von der Investmentbank Jefferies im Finanzsender Bloomberg.

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