Diesel-Skandal Neue Manipulations-Vorwürfe gegen Opel

Die Deutsche Umwelthilfe erhebt neue Manipulationsvorwürfe gegen Opel: Offenbar seien unbekannte Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung eines Zafiras entdeckt worden. Opel stellt die Ergebnisse in Frage.

Ein Opel Zafira im Bochumer Werk (Archivbild): Frühere Vorwürfe der DUH wegen angeblich erhöhter Abgaswerte hatte das Unternehmen stets zurückgewiesen. Quelle: dpa

Im Diesel-Skandal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) neue Manipulationsvorwürfe gegen den Autohersteller Opel erhoben. In einem 1,6-Liter-Zafira habe man bislang unbekannte Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung entdeckt, berichtete der Verein am Donnerstag gemeinsam mit dem ARD-Magazin „Monitor“ und dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Eine Software soll demnach die Reinigung der Abgase bei hohen Drehzahlen, einem Tempo oberhalb von 145 Stundenkilometern oder ein Umgebungsluftdruck von weniger als 915 Millibar herrscht, was in der Regel einer Höhe von 850 Metern über dem Meeresspiegel entspricht, abschalten.

Opel bekräftigte in einer Stellungnahme, keine Software einzusetzen, die feststelle, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird. „Die Methoden und Protokolle der Testaktivitäten von DUH/Monitor/Spiegel wurden Opel nicht zur Verfügung gestellt, so dass wir deren Ergebnisse nicht bewerten können“, schreibt das Unternehmen. „Aufgrund unserer eigenen sowie unabhängiger Messungen – und den bisherigen Erfahrungen mit den von der DUH veröffentlichten Experimenten – glauben wir nicht, dass diese neuerlichen Ergebnisse objektiv und wissenschaftlich fundiert sind.“

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Laut einem Bericht von „Spiegel Online“ seien diese Abschaltvorrichtungen sowohl durch das Auslesen der geheimen Motorsteuerung als auch durch Tests auf Prüfständen etwa beim TÜV Nord in Essen und bei Tests auf der Straße nachgewiesen worden. „Wie bei VW gibt es auch bei Opel technische Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass die Abgasreinigung nicht so funktioniert, wie die EU-Verordnung das vorsieht. In beiden Fällen handelt es sich um eine nicht zugelassene Abschaltvorrichtung“, erklärte Martin Führ, Experte für Umweltrecht an der Hochschule Darmstadt, gegenüber dem Magazin.

Die Abschaltung soll dem Bericht zufolge auch innerhalb des so genannten Thermofensters geschehen, das bei den Untersuchungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) festgestellt worden war. Die General-Motors-Tochter Opel hatte gegenüber den Behörden eingeräumt, dass die Abgasreinigung nur bei bestimmten Außentemperaturen im vollen Umfang arbeitet. Wie andere Hersteller auch hatte sich Opel dabei auf den von der EU akzeptierten Bauteilschutz berufen.

Sollten sich die neuen Vorwürfe gegen Opel bestätigen, zeichnet sich folgendes Bild ab: Die Abgasnachbehandlung wurde voll auf den Prüfstandszyklus zugeschnitten.

  • Im Labor wird bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad gemessen – außerhalb dieses „Thermofensters“ wird die Nachbehandlung offenbar stark heruntergefahren.
  • Im NEFZ-Normtest werden Geschwindigkeiten von höchstens 120 km/h simuliert – sobald der Wagen schneller fährt, kann er sich also nicht mehr auf einem Prüfstand befinden.
  • Im NEFZ-Normtest wird nur sehr moderat beschleunigt – steigt die Drehzahl über 2.400 Umdrehungen pro Minute, kann sich das Auto nicht in einem Normtest befinden.
  • Keines der zugelassenen deutschen Prüfzentren befindet sich mehr als 850 Meter über dem Meeresspiegel – befindet sich das Auto über 850 Meter, kann es sich nicht in einem Normtest befinden.
  • Vor einem zulässigen Normtest muss das Auto bei 20 bis 30 Grad abgestellt gewesen sein – die DUH hatte Opel bereits früher vorgeworfen, diese „Konditionierung“ zu erkennen und in einen Prüfstandsmodus zu schalten.

Frühere Vorwürfe der DUH wegen angeblich erhöhter Abgaswerte hatte das Unternehmen stets zurückgewiesen. Bisher hatte einzig der Rivale VW im September gezielte Manipulationen bei Dieselfahrzeugen eingeräumt und damit den Abgas-Skandal ausgelöst. Auch bei anderen Herstellern waren seither auffällig Abgaswerte festgestellt worden, sie betonten aber stets, das geschehe innerhalb der geltenden Regeln.

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