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Einzelhändler vs. Autobauer Walmart verklagt Tesla wegen Solarpanel-Bränden

Walmart galt als Vorzeigekunde der Tesla-Tochter SolarCity - nun klagt der Konzern. Quelle: REUTERS

Brandgefährliche Klage für Elon Musk: Sein Vorzeige-Kunde Walmart nutzt seit über einem Jahr die von der Tesla-Abteilung SolarCity installierten Solaranlagen nicht mehr – wegen Brandgefahr. Nun klagt Walmart auf Schadensersatz.

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Es war ein Coup, als SolarCity den amerikanischen Einzelhandelskonzern Walmart 2010 als Vorzeigekunden verpflichten konnte. Damals war das von Lyndon und Peter Rive, den Cousins von Multiunternehmer und Tesla-CEO Elon Musk, gegründete Solarunternehmen gerade mal vier Jahre alt. Der Vertrag mit Walmart half Vertrauen bei Investoren aufzubauen und frisches Geld für das kapitalintensive Geschäft zu beschaffen. Auch bei der Übernahme durch Tesla im Sommer 2016 für 2,6 Milliarden Dollar.

Musk, der das Unternehmen seiner Familienmitglieder als natürliche Ergänzung von Teslas Portfolio präsentierte, überzeugte die Aktionäre mit seiner Vision von einer stimmigen Mischung aus Elektroautos, Batterien und Solaranlagen. Aus dem Elektroautoanbieter wurde plötzlich ein modernes Energieunternehmen, aus SolarCity Tesla.

Kritiker hingegen unterstellten, dass Musk nur sich und seine Familie vor einem finanziellen Debakel mit dem mit 3,4 Milliarden Dollar verschuldeten Unternehmen bewahren wollte. Musk war damals dessen Verwaltungsratschef und größter Einzelaktionär.

Seit 2010 hat die Tesla-Tochter auf den Dächern von über 200 Walmart-Supermärkten ihre Solarpanels installiert, was den Einzelhändler zum größten kommerziellen Nutzer von selbst erzeugter Solarenergie machte.

Doch die Beziehung ist seit über einem Jahr nach mindestens sieben Feuern, die sich angeblich spontan auf den Dächern der Supermärkte entzündeten, endgültig im Eimer. Mehr noch: Seit Frühjahr vergangenen Jahres sind sämtliche von Tesla installierten Anlagen bei Walmart abgeschaltet, weil der Anbieter für deren Sicherheit nicht garantieren konnte. Trotzdem soll im November eine abgeschaltete Anlage auf dem Dach eines Marktes in Nordkalifornien Feuer gefangen haben.

Das legt eine Klage offen, die Walmart beim Obersten Gerichtshof in New York eingereicht hat. Spätestens seit Mai 2018, so argumentieren die Anwälte des Einzelhändlers, sei klar, dass Tesla seine vertraglichen Pflichten gebrochen habe. „Ordentlich designte, installierte, inspizierte und gewartete Systeme entzünden sich nicht spontan“, beschweren sie sich. Ihre Forderung: Alle 240 Systeme entfernen und für den Schaden von 8,2 Millionen Dollar, der bei den Bränden entstand, aufzukommen.

Es ist ein neuerlicher Gau für Tesla-Chef Elon Musk, der sich mit allen Kräften bemüht, das Solargeschäft wieder ans Laufen zu bringen. Denn das gestaltet sich für alle Anbieter schwierig, nachdem viele US-Kunden in den vergangenen Jahren die steuerliche Förderung von einem Drittel des Anschaffungspreises mitgenommen haben. Auch in der Furcht, dass Trump sie kürzen würde.

Im zweiten Quartal 2019 hat Tesla gerade mal Systeme für insgesamt 29 Megawatt installieren können, in den Rekordzeiten am Anfang des Jahrzehnts waren 200 Megawatt die Regel. Inzwischen kommt das Gros des Geschäfts von privaten Haushalten. Am Sonntag gab Musk bekannt, dass Interessenten in sechs US-Bundesstaaten nun Solaranlagen ab 50 Dollar pro Monat mieten können, ohne Installationskosten. Wenn die Nutzer es sich anders überlegen, können sie die Anlagen einfach abschalten lassen. Für das Entfernen müssen allerdings 1500 Dollar bezahlt werden. Ein riskantes Unterfangen, doch Musk braucht Nachfrage, um die Kapazitäten in der gemeinsam Partner Panasonic betriebenen Gigafactory 2 in Buffalo im US-Bundesstaat New York auszulasten.

Mit der Walmart-Klage dürfte das Marketing noch schwerer werden. Ebenfalls für die lange versprochenen Dächer aus Solarziegeln, selbst wenn diese nichts mit den Walmart-Bränden zu tun haben.

Mehr noch: In seinen Quartalsberichten hat Tesla die Probleme mit Walmart nicht erwähnt, obwohl es ein Vorzeigekunde ist. Das ist Wasser auf die Mühlen von Aktionärsanwälten, die seit mehreren Jahren versuchen, die Übernahme von SolarCity wieder rückgängig zu machen. Nach Börsenschluss drehte die Tesla-Aktie fast zwei Prozent ins Minus.

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