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Elektro-Transporter Post holt Ex-Tesla-Manager für den Streetscooter

Streetscooter: Deutsche-Post-Tochter holt Manager von Tesla und Ford Quelle: dpa

Deutsche-Post-Chef Frank Appel erwartet für das Geschäft mit dem Streetscooter 2019 erneut einen deutlichen Verlust. Trotzdem soll der Aufbau eines internationalen Vertriebs gefördert werden – unter anderem mit Know-how aus dem Musk-Universum.

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Der Streetscooter ist ein Sorgenkind im Portfolio des Frank Appel. Der Deutsche-Post-Chef verkündete erst am Wochenende in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dass er in diesem Jahr mit einem deutlichen Verlust für das Geschäft mit den Elektrotransportern rechne. Appel sprach von einem „signifikanten zweistelligen Millionenbetrag“. Gleichzeitig machte er allerdings deutlich, dass er das Lieferfahrzeug mit Elektroantrieb nichtsdestotrotz für „eine tolle Erfolgsgeschichte für den Konzern“ halte.

Dass die Deutsche Post es ernst meint und weiterhin eine Perspektive für den Streetscooter sieht, betont sie dann auch in der frisch gestarteten Woche: Am Montagvormittag gab der Konzern bekannt, dass das Management der Post-Tochter Zuwachs und damit mehr Expertise bekommen wird. Zum einen holt die Post den ehemaligen Tesla-Manager Peter Bardenfleth-Hansen an Bord. Er soll den Aufbau der internationalen Vertriebsorganisation vorantreiben, teilten die Bonner mit. Zudem kommt vom US-Automobilriesen Ford Ulrich Stuhec zu Streetscooter.

Stuhec soll als Chief Technology Officer die Produkt- und Technologieentwicklung bis hin zu autonomem Fahren betreuen und darüber hinaus das China-Geschäft verantworten.

StreetScooter kooperiert in der Volksrepublik mit dem Autobauer Chery. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Peter Bardenfleth-Hansen und Ulrich Stuhec die Weichen für ein erfolgreiches internationales Wachstum unserer Firma stellen werden“, sagte Streetscooter-Chef Jörg Sommer.

Mit den neuen Managern setzt die Deutsche-Post-Tochter offenkundig auf internationales Wachstum und stärkt seine Expertise im Automobilgeschäft. „Wir haben damit vor fünf Jahren angefangen, weil es kein Angebot aus der Industrie gab. Heute haben wir selbst 10.000 Streetscooter auf der Straße.“ Die Post wolle aber kein Autohersteller werden, bekräftigte Appel. Deshalb spreche der Konzern mit potenziellen Partnern und mit Kaufinteressenten. Schon seit Längerem sucht die Post Partner für den Aachener Hersteller.

Auf die Zukunft der Elektrofahrzeuge angesprochen, druckste Deutsche-Post-Finanzchefin Melanie Kreis gegenüber der WirtschaftsWoche vergangene Woche ein wenig herum: Zunächst einmal seien die Streetscooter natürlich eine Erfolgsgeschichte. „Aber wir wollen uns auf unsere Kernlogistikgebiete konzentrieren.“ Aktuell suche die Post „nach dem richtigen Setup“, beziehungsweise nach „der richtigen Konstellation, um die Streetscooter-Geschichte erfolgreich weiterzuschreiben.“ Am wahrscheinlichsten ist seit Langem der Verkauf der Tochter. Ernsthafte Interessenten scheint es allerdings nicht zu geben – zumindest konnten Streetscooter und Post bislang niemanden präsentieren, obwohl der Konzern sich schon lange offen für entsprechende Angebote zeigt.

China als Chance für den Streetscooter

Der Anfang September bekanntgegebene Einstieg in den chinesischen Markt gibt dem Streetscooter aber eine neue Perspektive. „Der Einstieg in den chinesischen Markt ist ein bedeutender Meilenstein in der noch jungen Geschichte von Streetscooter“, jubilierte Streetscooter-Chef Sommer bei der großen Verkündigung nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt. Zusammen mit der Verpflichtung der Manager Bardenfleth-Hansen und Stuhec könnte es dem Aachener Unternehmen tatsächlich neue Aufmerksamkeit bringen.

Die Pläne für die Volksrepublik sind schon sehr konkret: Zusammen mit dem chinesischen Automobilhersteller Chery, ein großer Player auf dem hiesigen Markt, plant die Post in China einen angepassten Elektrolieferwagen speziell für China und möglicherweise weitere Länder. Laut der Absichtserklärung ist ab 2021 in China eine Serienproduktion von bis zu 100.000 E-Fahrzeugen pro Jahr geplant. Wie hoch diese Zahl ist, verdeutlicht ein Vergleich mit den bisherigen Verkaufszahlen.

Perspektivisch geht Streetscooter von einer Gesamtinvestition von bis zu 500 Millionen Euro aus. Dabei komme die Finanzierung von der chinesischen Seite, hieß es seitens der Post. Streetscooter bringe sein Know-how, das geistige Eigentum und seine Produktionserfahrung bei leichten Nutzfahrzeugen ein. Experten werteten das China-Vorhaben als guten Schritt. „Damit positioniert sich Streetscooter in einem riesengroßen Markt, der in Sachen Elektrifizierung eine Vorreiterrolle hat“, sagt Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Die Post-Tochter würde nicht nur einen Stück vom großen Kuchen des chinesischen Marktes abbekommen, sondern sie sende auch eine Botschaft an andere Weltregionen.

Das Ausland ist für den Streetscooter kein komplettes Neuland. Im März wurde beispielsweise bekanntgegeben, dass ein japanisches Logistikunternehmen 500 Fahrzeuge kauft. Die China-Produktion wäre aber eine ganz andere Liga. Wie stark der neue Streetscooter-Chef die Internationalisierung der Aachener vorantreibt, lässt sich auch aus einer weiteren Wortmeldung von Anfang September ableiten: Die Firma erwägt auch eine Fertigungsstätte in den USA. Eine spezielle US-Version des Elektro-Lieferwagens solle in den kommenden zwei bis drei Jahren in den Vereinigten Staaten vom Band laufen, sagte ein Post-Sprecher.

Mit Material von dpa und Reuters

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