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Jahreszahlen Audi blickt nach vorne

Die erste Tochter des vom Abgasskandal geplagten VW-Konzerns hat Zahlen für 2015 vorgelegt: Der Milliarden-Gewinn von Audi ist aber in Ingolstadt eher Nebensache – man will nach vorne blicken und nicht nach hinten.

Audi schrumpft den Q3
Wenn es bei all den Zukunftsthemen Elektroauto, Connectivity und autonomen Fahren einen Trend in der Autobranche gibt, dann ist es der SUV-Boom. Alleine in Deutschland wurden 2015 knapp 600.000 der halbwegs geländegängigen Fahrzeuge verkauft – ein Plus von 13,3 Prozent zum Vorjahr. Getrieben wurde dieses Wachstum nicht nur von immer neuen Kompakt-SUV und großen Geländewagen, sondern vor allem von Mini-SUV. Quelle: Audi
In der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamts sind der Opel Mokka (+ 12,1 Prozent) und der Renault Captur (+ 18,9 Prozent) die großen Gewinner. Wer bislang bei einer der Premiummarken ein Mini-SUV gesucht hat, wurde nicht fündig – unterhalb der Kompakten Audi Q3, BMW X1 und Mercedes GLA gab es kein Angebot. Das holt Audi mit dem Q2 nach, der im März auf dem Genfer Autosalon seine Premiere gefeiert hat. Quelle: Audi
Um den hausinternen Abstand zum Verkaufsschlager Q3 zu wahren, hat Audi das Mini-SUV nochmals gekürzt. Mit 4,19 Metern ist der Q2 fast 20 Zentimeter kürzer. Er misst 1,51 Meter in der Höhe und ist 1,79 Meter breit. Der Radstand liegt bei 2,60 Meter – genau wie bei zweitürigen A3, auf dem er aufbaut. Im Gegensatz zu vielen anderen SUV, die mit ihrer Größe protzen, taugt der Q2 mit seinen kompakten Abmessungen eher für den Großstadtdschungel als das schwere Gelände. Quelle: Audi
Optisch hebt sich der Q2 von vielem ab, was derzeit bei den aktuellen Audi-Modellen üblich ist. Der große Singleframe-Kühlergrill ist zwar immer noch obligatorisch, aber anders geformt und wirkt somit frischer. Die in Kontrastfarbe lackierten Blades auf der C-Säule und die Heckleuchten hat man in dieser Form bei Audi noch nicht gesehen. Gerade die LED-Rücklichter waren bislang eher flach und zogen sich bis in die Heckklappe hinein. Quelle: Audi
Bei der S-Line-Ausstattung (links im Bild) fällt die Offroad-Beplankung dezenter aus. Hier stehen sportliche Elemente wie der angedeutete Diffusor am Heck oder der integrierte Dachspoiler im Vordergrund. Die Blades an der C-Säule sind aus auffälligem Aluminium gefertigt. Quelle: Audi
Auch an der Front hebt sich das S-Line-Modell von seinem Offroad-Bruder mit angedeutetem Unterfahrschutz ab – die robuste Ausstrahlung haben aber beide. Im Gelände wird man sie dennoch eher selten sehen. Die flachen Scheinwerfer arbeiten gegen Aufpreis mit LED-Technik. Quelle: Audi
Die Platzverhältnisse im Innenraum dürften ausreichend, aber nicht üppig werden. Im Gegensatz zu dem dreitürigen A3 wird es aber SUV-typisch etwas mehr Kopffreiheit geben. Quelle: Audi

„Wir bedauern, was passiert ist“, sagt Audi-Chef Rupert Stadler. „Wir sorgen für volle Transparenz und versichern, wir bringen das in Ordnung.“ Man habe ein „Jahr der Herausforderungen“ erfolgreich gemeistert. Sehr viel mehr will Stadler bei der Bilanzpressekonferenz in Ingolstadt nicht über das Jahr 2015 sagen.

Jenes Jahr, in dem nicht nur der Machtkampf Piech-Winterkorn in Wolfsburg den gesamten Volkswagen-Konzern über Monate in Atem gehalten, sondern ab September der Abgasskandal Europas größten Autobauer in seinen Grundfesten erschüttert hat. 

In einigen Punkten hätte Stadler aber jeden Grund, nochmals nach hinten zu blicken: Neben dem bereits bekannten Rekord beim Absatz (1,803 Millionen Fahrzeuge) konnte Audi mit 58,42 Milliarden Euro auch beim Umsatz einen neuen Bestwert verbuchen (2014: 53,787 Milliarden Euro).

Die beliebtesten Automarken der Deutschen

Das operative Ergebnis reicht jedoch nicht ganz an den Wert der Vorjahre heran – bereinigt um Sondereffekte weist Finanzvorstand Axel Strotbek 5,134 Milliarden Euro (2014: 5,15 Milliarden Euro) aus, unbereinigt lag das operative Ergebnis bei 4,836 Milliarden Euro (Rendite: 8,3 Prozent).

Das lag – so Audi – unter anderem an hohen Vorleistungen für den Ausbau der Produktion, neuer Modelle und Technologien. Und nicht zuletzt dem Abgasskandal, hausintern als „Dieselthematik“ bezeichnet. Die beim unbereinigten Ergebnis enthaltenen Sondereffekte sind auf die Vorwürfe der Manipulation bei den Sechs-Zylinder-Dieselmotoren zurückzuführen – Audi hat hier eine nicht genauer genannte Summe für technische Maßnahmen, Rechtsrisiken und Vertriebsaktionen verrechnet. Die auch in Audi-Modellen verbauten Vier-Zylinder-Motoren haben keinen Einfluss auf die Audi-Bilanz: Laut der Vertragslage ist hier Volkswagen als Lieferant in der Verantwortung.

Auch wenn die Aufarbeitung des Skandals den Vorstand intern noch geraume Zeit beschäftigen wird, bei der Jahrespressekonferenz will Stadler jedoch nach vorne schauen. „Nun investieren wir allein 2016 mehr als drei Milliarden Euro für die Mobilität von morgen und treiben dabei die Elektrifizierung und die Digitalisierung unserer Produkte voran“, sagt der Audi-Chef. 20 neue oder überarbeitete Modelle wollen die Ingolstädter auf den Markt bringen – von weiteren Ablegern des 2015 gestarteten A5 über einen vollkommen neuen A5 bis zu dem in Genf vorgestellten Mini-SUV Q2.

 

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„Wir befinden uns mitten in der größten Investitionsphase der Unternehmensgeschichte“, sagt Finanzvorstand Strotbek. „Unser operatives Ergebnis und der deutlich positive Cashflow belegen dabei unser robustes Geschäftsmodell.“ So robust, dass Audi seinen Mitarbeitern trotz der Dieselgate-Rechtsrisiken eine Erfolgsbeteiligung zahlen will – auch wenn die Tarifmitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm mit 5.420 Euro rund 1.000 Euro weniger erhalten als im Vorjahr. 

Bleiben die Rahmenbedingungen stabil, will Audi auch 2016 weltweit weiter wachsen. Bei der operativen Rendite peilt Stadler einen Zielkorridor von acht bis zehn Prozent an – die positiven Effekte durch Absatzsteigerung und Kostenoptimierungen dürften von den Investitionen und zahlreichen Produkteinführungen aufgezehrt werden. Nur eines fehlt beim Ausblick: der Abgasskandal.

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