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Katek-Chef Rainer Koppitz „Die Halbleiterkrise wird sich im ersten Quartal 2022 entspannen“

Quelle: PR

Als Chef der börsennotierten Katek SE, die unter anderem Autobauer und deren Zulieferer bei der Entwicklung von Elektronikteilen unterstützt, sitzt Rainer Koppitz in vielen Krisenrunden zum Thema Halbleitermangel. Er sagt: Die Lage entspannt sich bald. Ein Interview über die sich verändernden Lieferketten und Cashprobleme von Konkurrenten.

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WirtschaftsWoche: Herr Koppitz, was ist Ihr Eindruck, wie lange dauert die Krise am Markt für Halbleiter noch?
Rainer Koppitz: Ich glaube, dass die Halbleiterkrise sich im Verlauf des ersten Quartals 2022 zu entspannen beginnt.

Das ist eine ungewöhnliche These, denn viele Marktbeobachter gehen davon aus, dass erst ab 2023 eine deutliche Besserung eintritt. Wieso rechnen Sie so bald mit Entwarnung?
Ich bin in vielen Eskalationsrunden mit diversen Herstellern und Lieferanten dabei. Dort legen die Lieferanten uns auch ihre konkrete Planung zur Ausweitung der Fertigungskapazität offen. Sie sagen, wo sie was investieren und wann Produktionsstart ist. Ich weiß also, wann weitere Mengen im Markt zu erwarten sind. Während der anfänglichen Coronazeit ist die Kundennachfrage nach Halbleitern teilweise auf null gefallen. Die Lieferanten haben also die Pausetaste gedrückt und ihre Investitionspläne etwa drei Quartale lang in die Schublade gesteckt. Erst, als die Nachfrage wieder anzog, kamen die Pläne wieder auf den Tisch. Jetzt sind wir am Ende des pausenbedingten Loches. Daher bin ich mir sicher, dass im ersten Quartal 2022 eine erste Entspannung zu sehen sein wird. Dann werden sich auch andere Schlüsselthemen entspannen.

Welche?
Wegen des Halbleitermangels ist der Bedarf nach Chips aktuell künstlich aufgebläht. Derzeit bestellen viele Abnehmer bis zu fünfmal so viele Teile, wie sie eigentlich bräuchten, weil sie nur einen Bruchteil der bestellten Menge tatsächlich zugeteilt kriegen. Doch wenn die Bezieher der Bauteile merken, dass wieder mehr zugeteilt wird, werden überhöhte Lagerbestände zurückgefahren und auch die Bestellmengen wieder nach unten angepasst – und die von den Lieferanten angegebene Lieferzeit von derzeit bis zu zwei Jahren wird sich dann wieder verkürzen.

Warum malen dann große Zulieferer aus der Autoindustrie die Welt viel schwärzer?
Ich vermute, dass sie die Lage aus Gründen des Erwartungsmanagements gegenüber ihren Kunden eher negativer darstellen wollen. Sie wollen lieber positiv als negativ überraschen – und vielleicht auch noch Preiserhöhungen durchsetzen mit dem Argument, dass die Krise noch länger andauert.

Bislang arbeiten Sie viel mit Zulieferern zusammen, die ihre Bauteile dann an die Autobauer liefern. Doch mit Porsche haben Sie etwa eine mobile Wallbox für E-Autos direkt entwickelt. Gibt es künftig verstärkt solche direkten Partnerschaften?
Ja, die Lieferkette ändert sich gerade. Autokonzerne kommen zunehmend auf uns statt auf Zulieferer zu. Sie wollen die wichtigsten Teile mit uns zusammen einkaufen und vor allem aber im Bereich Elektromobilität die Elektronikkompetenz selbst aufbauen. Bislang war das in der Tat an Zulieferer outgesourct. Wir sind in Gesprächen mit sehr namhaften, europäischen Konzernen. Aber ich darf leider keine Details verraten, da bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

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    Die Einkaufspreise für Komponenten sind massiv gestiegen – können Sie die Preissteigerungen weitergeben?
    Das ist in der Branche gerade eine große Diskussion. Wir sehen, dass viele Firmen Probleme mit den gestiegenen Preisen haben, denn aktuell bekommen wir viele Angebote von verkaufswilligen Unternehmern. Sie haben Cashprobleme.

    Warum?
    Deren Lagerbestände sind enorm gestiegen. Das ist zunächst einmal totes Kapital. Doch man muss so viel bestellen, denn man weiß ja nicht, wann die nächste Lieferung kommt und wie viel man zugeteilt kriegt. Ich gebe mal ein Beispiel: Für eine Elektronikbaugruppe eines Industrieroboters brauche ich 100 Teile. Kommt davon nur eins nicht rechtzeitig an, liegen die restlichen 99 Teile im Lager – und ich muss sie dennoch bezahlen. Bauen kann ich damit aber noch nichts. So geraten schlechter kapitalisierte Firmen schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

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    Und Katek?
    Für uns ist die Situation gut. Im Mai sind wir an die Börse gegangen. Unsere Hauptaktionäre sind zwei Unternehmerfamilien. Wir wollen zukaufen und wachsen. In zwei bis drei Jahren sollen wir die Nummer zwei in Europa sein. Heute sind wir mit 414 Millionen Euro Umsatz in 2020 unter den Top fünf und werden dieses Jahr bereits deutlich die halbe Milliarde Umsatz überschreiten.

    Mehr zum Thema: Aufgrund des Halbleitermangels produzieren Autobauer momentan unfertige Fahrzeuge auf Halde und rüsten sie später auf. Satellitenbilder zeigen, auf welchen teils ungewöhnlichen Plätzen die Autos derzeit parken.  

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