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Nach VerhaftungEx-Nissan-Chef Ghosn in Japan angeklagt

Der frühere Nissan-Chef Carlos Ghosn sitzt seit drei Wochen in Haft. Nun wurde gegen den Automanager und gegen Nissan selbst in Japan Anklage erhoben. 10.12.2018 - 13:28 Uhr

Der ehemalige Nissan-Chef Carlos Ghosn

Foto: AP

Gegen den Autohersteller Nissan und seinen ehemaligen Verwaltungsratschef Carlos Ghosn ist in Japan Anklage erhoben worden. Tokioer Staatsanwälte sagten am Montag, dass sie verdächtigt würden, Ghosns Bezüge für die Jahre 2011 bis 2015 um insgesamt etwa fünf Milliarden Yen (39 Millionen Euro) zu niedrig angegeben zu haben. Auch ein weiteres Verwaltungsratsmitglied von Nissan, Greg Kelly, wurde angeklagt.

Ghosn gilt als Architekt der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi, die im vergangenen Jahr mehr Autos verkaufte als jeder andere Konzern. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, es sei wichtig für die drei Autohersteller, geeint zu bleiben und ihre Unternehmensführung zu verbessern. Dessen sei er sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron beim jüngsten G20-Gipfel einig gewesen. Die Beziehungen zwischen Japan und Frankreich seien unerschütterlich. Japan werde bessere Unternehmensführung im Einklang mit internationalen Standards fördern, sagte Abe in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Ghosn war wegen der mutmaßlichen Verfehlungen bei den Berichten für die Jahre 2011 bis 2015 am 19. November festgenommen worden. Am Montag beschuldigten die Staatsanwälte ihn und Kelly, auch für die Jahre 2016 bis 2018 falsche Angaben gemacht zu haben und Bezüge für diese Zeit um vier Milliarden Yen zu niedrig ausgewiesen zu haben. Mit falschen Angaben in Jahresberichten sei gegen ein japanisches Börsengesetz verstoßen worden, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

„Nissan nimmt diese Situation extrem ernst“, teilte der Autohersteller nach der Anklageerhebung mit, und „das Unternehmen drückt sein tiefstes Bedauern aus.“ Nissan gelobte, Unternehmensführung und Gesetzestreue zu verbessern „inklusive akkurater Veröffentlichung von Unternehmensinformationen“. In Japan können auch Unternehmen strafrechtlich belangt werden.

Der 62-jährige Kelly wird verdächtigt, mit Ghosn kollaboriert zu haben. Der Tokioer Staatsanwalt Shin Kukimoto lehnte es ab, zu sagen, ob die Angeklagten die Vorwürfe bestreiten. In der Vergangenheit hatte Kellys Anwalt in den USA erklärt, dass er seine Unschuld beteuere. Nissan-Insider und Experten von außen hätten gesagt, dass der Umgang mit den Einkünften legal gewesen sei, so der Anwalt. Der 64-jährige Ghosn hat sich bislang nicht geäußert. Die Börsenaufsicht teilte mit, Strafanzeige gegen Ghosn, Kelly und Nissan gestellt zu haben.

Ghosn ist auch Vorstandschef von Renault, doch nach seiner Festnahme wurde ein anderer Manager vorübergehend mit der Leitung des französischen Autoherstellers betraut. Ghosn musste den Chefposten des Verwaltungsrats von Nissan abgeben, ist wie Kelly jedoch weiterhin Mitglied des Gremiums.

Laut Nissan fand eine unabhängige Untersuchung drei Arten von Vergehen, unter anderem seien gegenüber Finanzbehörden zu niedrige Einkünfte genannt worden.

dpa
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