VW-Chef Oliver Blume: Porsche findet Nachfolger für Vorstandschef Blume
VW-Chef Oliver Blume gibt sein Amt als Porsche-Vorstandschef vorzeitig auf. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche werde Gespräche mit Blume über ein einvernehmliches vorzeitiges Ausscheiden aus dem Vorstand führen, teilte Porsche am Freitag mit. Ein möglicher Zeitpunkt wurde nicht genannt.
Blume bleibe Vorstandschef des Mutterkonzerns Volkswagen.
Als möglicher Nachfolger stehe Michael Leiters zur Verfügung, der ehemalige Chef von McLaren Automotive. Mit ihm würden Verhandlungen aufgenommen. Der promovierte Maschinenbauer Leiters war früher 13 Jahre bei Porsche und vor seinem Engagement bei McLaren bei Ferrari.
Die WirtschaftsWoche hatte bereits im August berichtet, dass Blume seinen Nebenjob an der Porsche-Spitze aufgeben wird. Damit endet nun die viel kritisierte Doppelrolle Blumes an der Spitze der beiden Autobauer.
Blume führt Porsche seit zehn Jahren und steht zusätzlich seit Sommer 2022 an der Spitze der Muttergesellschaft Volkswagen. Damit führt er seit rund drei Jahren zwei Börsenunternehmen. Die Doppelrolle stieß bei Investoren und Analysten schon länger auf Kritik, zum einen wegen möglicher Interessenkonflikte, zum anderen auch wegen der enormen Arbeitsbelastung.
Im September hatte Volkswagen-Betriebsratschefin Daniela Cavallo ein Ende dieser Struktur gefordert. „Der Vorstandsvorsitzende kann in Wolfsburg kein Halbtags-Chef sein und die restliche Zeit bei Porsche verbringen“, hatte sie gesagt. Die Konstellation war einzigartig: Hendrik Schmidt vom Fondsanbieter DWS kritisierte im Herbst, dass Porsche und Volkswagen die einzigen Börsenunternehmen in Deutschland seien, die sich einen „Teilzeitvorstandsvorsitzenden“ leisteten. Aktionärsvertreter forderten den Top-Manager wiederholt dazu auf, sich für die Führung von einem der Dax-Konzerne zu entscheiden.
Unterstützung für die Konstellation kam bislang von den Milliardärsfamilien Porsche und Piëch, die im VW-Konzern die Mehrheit der Stimmrechte kontrollieren. Blume hatte immer betont, dass seine Doppelrolle „nicht auf alle Zeiten ausgelegt“ sei.
Das hat Blume bei Porsche erreicht
Blume übernahm Porsche im Top-Zustand. 2015 war bis zu diesem Zeitpunkt das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte. Auf seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz sprach der Manager von einem „selbst für Porsche-Maßstäbe außerordentlichen Ergebnis“. Über Jahre hinweg ging es in Zuffenhausen fast ausschließlich aufwärts – mit Verkaufszahlen, Umsatz und Gewinn.
Bei Blumes Amtsantritt verkaufte Porsche etwa 225.000 Autos jährlich. 2023, das Jahr mit dem höchsten Absatz bislang, waren es gut 320.000 Sport- und Geländewagen. Der Gewinn nach Steuern hat sich in seiner Amtszeit zwischenzeitlich mehr als verdoppelt.
Porsche-Aktie als Triumph
Einer der größten Erfolge Blumes: der Börsengang im September 2022. Nach jahrelangen Spekulationen und monatelanger Prüfung sammelte Volkswagen mit dem Börsengang knapp 9,4 Milliarden Euro ein. Damit war es die größte Erstemission in Deutschland seit der Telekom im Jahr 1996. Und das, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Corona-Folgen und den Ukraine-Krieg alles andere als rosig waren.
Das Papier mit dem Kürzel „P911“ – benannt nach der Sportwagen-Ikone 911 – setze danach zum Höhenflug an. Im Dezember 2022 stieg das Unternehmen bereits in den Leitindex Dax auf. Das mache Porsche „glücklich und stolz“, sagte Blume damals. Zwischenzeitlich war Porsche an der Börse auch mehr wert als die Konzernmutter VW. Das Hoch erreichte die Aktie im Frühjahr 2022 mit fast 120 Euro – nach einem Ausgabepreis von 82,50 Euro.
Diese Baustellen hinterlässt Blume bei Porsche
Trotz des guten Laufs türmten sich insbesondere auf der Zielgeraden der fast zehn Jahre andauernden Ära Blume die Probleme. Vor wenigen Wochen hatte sich die Krise bei Porsche verschärft. Der Autobauer vollzog einen Strategieschwenk und strich seine Elektropläne zusammen, was den Konzern allein in diesem Jahr 3,1 Milliarden Euro kosten wird.
In den wichtigen Märkten China und den USA gibt es Probleme für die Autobauer. In China leiden auch Mercedes-Benz und BMW darunter, dass die hartnäckige Immobilienkrise wohlhabenden Chinesen den Kauf eines Luxusautos verleidet. Dazu kommt, dass das Elektrogeschäft für die deutschen Hersteller schlecht läuft. Der Markt wird immer mehr von chinesischen Marken dominiert, die mit Dumpingpreisen antreten. Ein Luxussegment hat sich nicht etabliert. In den USA erschweren Trumps Zölle den europäischen Firmen das Geschäft.
Porsche muss den Rotstift ansetzen und seine Strukturen schrumpfen. Bis zum Jahr 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Ein weiteres Sparprogramm soll im Herbst geschnürt werden. Darüber wird aktuell mit dem Betriebsrat verhandelt.
Zum dritten Mal in diesem Jahr kappte Porsche Ende September seine Gewinnprognose: Die Margen sollen sinken und die Dividende für dieses Jahr erheblich geringer ausfallen. Die Wende zum E-Auto geht bei den Zuffenhausenern nicht auf: Keine andere Marke im VW-Konzern hatte sich ein ehrgeizigeres E-Ziel gesetzt. Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Auch Pläne für eine eigene Batteriefertigung hat Porsche zuletzt aufgegeben.
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