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Oply Die Neuerfindung des Carsharings gibt es nicht

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Oplys Carsharing kommt in einer schwierigen Zeit

Die Idee, bestimmte Straßenzüge zum „zuhause“ der Carsharing-Autos zu machen, wirkt durchaus interessant für Nutzer: Liegt die eigene Wohnstraße in einer Oply-Nachbarschaft, so steigen die Chancen in wenigen Metern Entfernung ein Auto mieten zu können. Allerdings sinkt damit auch die Parkplatzauswahl für den Wagen, der aber ja nur innerhalb der Nachbarschaftsgrenzen abgestellt werden darf. Das dürfte durchaus nervenaufreibend werden. Schon für den praktisch kleinen Car2go-Smart lässt sich nicht immer ein Parkplatz in der Nähe des eigenen Ziels finden. Bei einer Parkzonen-Definition von 500x500 Metern treibt es manchem Großstadt-Parkplatzsucher wohl schon allein bei der Vorstellung die Schweißperlen auf die Stirn, wie da die Parkplatzsuche verlaufen könnte. Zudem gibt es mit Stattauto in München ein Konkurrenz-Angebot, das ebenfalls Carsharing in Nachbarschaften mit festen Parkplätzen anbietet.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie flexibel nutzbar das Modell für die Kunden tatsächlich ist, wenn der Fiesta, der theoretisch in der eigenen Nachbarschaft verfügbar wäre, plötzlich für eine Langzeitmiete entführt wurde.

Preislich kann Oply im Vergleich nur begrenzt hervorstechen. Pluspunkt sind die 150 Frei-Kilometer pro Buchung. Sie führen zu einer übersichtlichen Preisstruktur: Wer drei Stunden mietet und weniger als 150 Kilometer fährt, der weiß schon bei Buchung, dass er 3x6 Euro bezahlen wird, da die Kilometerpauschale entfällt. Sechs Euro für dreißig Minuten zum Laden und zurück für eine Strecke von 15 Kilometern lohnen sich jedoch nicht für jeden. Da sind andere Anbieter mitunter günstiger.

Zudem kommt Oply mit seinem Angebot in einer Zeit, in der die Branche auf eine wohl bevorstehende Fusion der beiden größten Anbieter – Car2go und Drivenow – wartet. Mit einer Freigabe des Deals rechnen Experten noch im Frühjahr und aus Industriekreisen heißt es.

Der Grund für die Fusion gilt in der Branche als offenes Geheimnis: Trotz ihrer Größe fahren beide Carsharing-Anbieter keine Gewinne ein. Carsharing ist für BMW und Daimler damit ein Zuschussgeschäft mit wenig Profitaussichten. Anderen Anbietern dürfte es ähnlich gehen. Erst im Oktober stellte Carsharing-Anbieter Multicity, eine Citroën-Tochter, sein Angebot in Berlin nach fünf Jahren ein. „Aufgrund verschiedener Rahmenbedingungen können wir unseren Service langfristig nicht kostendeckend anbieten“, begründete das Unternehmen auf Facebook das Aus.

Dass Oply mit seinem etwas veränderten Nachbarschafts- und Langzeitmieten-Konzept diese Probleme anderer Anbieter besser meistern kann, darf bezweifelt werden. Eine Chance sollen sie bekommen. Neu erfinden werden sie das Prinzip Carsharing aber nicht.

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