Verbrenner aus China: „Das Verbrennermonopol der Deutschen existiert größtenteils nicht mehr“
Es läuft für die chinesischen Autobauer in Europa. Im August wurden mehr als 43.500 Autos chinesischer Marken zugelassen, meldet der Datendienstleister Jato Dynamics. Das ist ein Anstieg von über 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die chinesischen Automarken verkauften zusammen mehr Autos als etwa Audi (41.300 Einheiten) oder Renault (37.800 Einheiten).
Die Hersteller aus China punkten in Europa mit E-Autos sowie mit Plug-in-Hybriden, die elektrisch gefahren werden können, aber auch über einen Verbrennungsmotor verfügen.
Die Zulassungen chinesischer Automarken konzentrieren sich dabei auf wenige Hersteller. Insgesamt sind zwar 40 verschiedene Marken in Europa aktiv, 84 Prozent der Zulassungen aber entfielen auf die fünf größten Anbieter MG, BYD, Jaecoo und Omoda (beide zu Chery) sowie Leapmotor. MG registrierte im letzten Monat mehr Neuwagen als Tesla und Fiat. BYD lag vor Suzuki und Jeep, Jaecoo und Omoda verkauften sich besser als die Marken Alfa Romeo und Mitsubishi.
Etwas überraschend ist hingegen, dass inzwischen auch das Interesse an klassischen Verbrennern aus Fernost wächst: 29 Prozent der deutschen Autofahrer können sich vorstellen, sich einen Benziner aus China zu kaufen, 7 Prozent halten den Kauf eines chinesischen Diesel für möglich. Die Plug-in-Hybride rangieren mit 14 Prozent auf Platz 3.
Das Interesse an Verbrennern insgesamt – also Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride – addiert sich somit auf 50 Prozent. Damit ist das Interesse deutlich höher als an E-Autos aus China, bei denen sich 26 Prozent eine Anschaffung am ehesten vorstellen können. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact für den WirtschaftsWoche E-Auto-Monitor.
Dennoch stoßen chinesische Hersteller insgesamt auf Skepsis bei vielen Kunden. Auf die Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie ein Fahrzeug einer chinesischen Automarke für einen Kauf in Betracht ziehen würden?“ antworteten 48 Prozent der Befragten mit „eher unwahrscheinlich“ oder „überhaupt nicht wahrscheinlich“.
Bei 27 Prozent ist es wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass sie eine chinesische Automarke für sich in Betracht ziehen. Jüngere Käufer interessieren sich überdurchschnittlich für chinesische Autos: 50 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren geben an, wahrscheinlich auch chinesische Marken in Betracht zu ziehen.
Für Befragte mit Kaufbereitschaft sind vor allem der Preis, innovative Technologie sowie Design relevant, wohingegen der Datenschutz für Befragte, die keine Kaufbereitschaft haben, deutlich wichtiger ist. Die Skeptiker geben auch häufiger Bedenken bezüglich der Qualität an und haben generell Vorbehalte gegen chinesische Produkte. Aber auch Befragte mit Kaufbereitschaft haben Zweifel – vor allem am Händler- und Werkstattnetz der Chinesen sowie an der Qualität der Autos.
Kein deutsches Verbrennermonopol mehr
Das Interesse deutscher Kunden an chinesischen Verbrennern dürfte deutsche Autohersteller alarmieren, denn dort ist die Hoffnung noch weit verbreitet, dass chinesische Konkurrenten ihnen zumindest im Verbrennermarkt nicht das Wasser reichen können. Für Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor und Direktor des CAR-Instituts, ist das ein fataler Irrtum. Es gebe einen globalen Kampf um den Verbrennermarkt, bei dem China gute Karten habe, sagt Dudenhöffer. Der chinesische Markt zeige, „dass das Verbrennermonopol der Deutschen größtenteils nicht mehr existiert“.
Deutsche Hersteller werden laut einer CAR-Studie ihre Verbrenner in China nur mit hohen Rabatten los, weil chinesische Verbrenner oft ähnlich gut, aber wesentlich günstiger sind. Was sich bei Elektroautos in den vergangenen fünf Jahren in China gezeigt habe, so Dudenhöffer, schwappe nun in die Domäne der deutschen Autobauer: „Harter Preiswettbewerb und starke chinesische Marken setzen bereits heute im Volumengeschäft der Verbrenner den Deutschen in China kräftig zu und drücken die Gewinne.“
„Die europäischen Verbraucher reagieren positiv auf das wachsende, wettbewerbsfähige Angebot chinesischer Automarken“, sagte Felipe Munoz, Global Analyst bei JATO Dynamics. „Es scheint, dass diese Marken die Probleme hinsichtlich ihrer Wahrnehmung und Bekanntheit erfolgreich angegangen sind.“
Damit wächst der Druck auf die Verbrennermodelle europäischer Konzerne zusätzlich, denn auch ihr Bedeutungsverlust gegenüber E-Autos setzt sich fort. So wuchs der Autoabsatz im August in Europa insgesamt um fünf Prozent, wobei rein elektrische E-Autos um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten, Plug-in-Hybride sogar um 59 Prozent. Der E-Auto-Marktanteil lag erstmals über 20 Prozent, die Plug-in-Hybride erreichten knapp 11 Prozent.
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