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Von Pick-up bis Elektroauto Volkswagen und Ford starten Allianz

Jim Hackett, Vorstandsvorsitzender von Ford, und Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Quelle: REUTERS

Dass Ford und Volkswagen Kooperationsgespräche führen, war lange bekannt. Jetzt haben Ford-Chef Hackett und VW-Chef Diess in Detroit verkündet, wie sie sich eine Allianz vorstellen. Ein Pick-up soll den Anfang machen.

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Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein: der Volkswagen AG geht es trotz des immer noch nicht vollends abgeschlossenen Dieselskandals prächtig. Bei der Ford Motor Company sieht es ganz anders aus. Die immer geringer werdende Nachfrage an den jahrzehntelang so ertragreichen Limousinen setzt den Amerikanern insbesondere in ihrem Heimatland USA zu und auch auf den meisten Märkten in Europa sieht es trotz eines guten Produktportfolios nicht gerade rosig aus.

Doch auch Volkswagen hat so seine Probleme. Gerade in den USA sind die Wolfsburger bei weitem nicht so erfolgreich, wie man es gerne sein möchte und der chinesische Markt ist für alle ein Risiko, das es zu minimieren gilt. Zu spät ist man bei VW auf den SUV-Zug aufgesprungen, die Pick-ips hat man vernachlässigt und der modulare Elektrobaukasten, der mittlerweile die Volumenmarken des Konzerns bestimmt, ist zwar variabel und beliebig skalierbar, jedoch auch teuer. Ohnehin kommen auf beide Großkonzerne mächtige Kostenrisiken bei der Einführung von Elektromodellen zu. Gerade erst verkündete VW, 700 Millionen Dollar in das US-Werk in Chattanooga für die Elektro-Auto-Produktion zu investieren.

Kein Wunder daher, dass das Topmanagement beider Marken in den vergangenen Monaten die Köpfe zusammengesteckt und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit ausgelotet hat – mit Erfolg.

Große Worte, aber nur langsames Herantasten

Zunächst Entwarnung für Aktionäre: Eine Kapitalverflechtung der beiden Konzerne aus Dearborn und Wolfsburg ist nicht geplant. Außerdem soll die Zusammenarbeit höchst zögerlich mit einem gemeinsamen Mittelklasse-Pick-up beginnen. Den brauchen beide Marken und hier ist es vergleichsweise einfach möglich, entsprechende Markenmodelle abzuleiten. Das war schon bei der Konkurrenz zu beobachten, etwa bei den Kooperationsmodellen Mercedes X-Klasse, Nissan Navara und Renault Alaskan oder dem Doppelpack aus Mitsubishi L200 und dem Fiat Fullback.

Mit der Kooperation gibt es auch grünes Licht für den von VW Nordamerika heiß ersehnten Tanoak Pick-up. Der seit Jahren auf dem Markt befindliche VW Amarok ist deutlich zu teuer für die preissensiblen Märkte wie die USA und wurde nicht für den so wichtigen US-Markt entwickelt. Die neue Generation könnte zusammen mit dem Ford Ranger entstehen; einem der erfolgreichsten Pick-ups in Europa.

Gesteuert wird die Allianz über ein gemeinsames Leitungsgremium, das aus Führungskräften beider Unternehmen besteht und von den beiden CEOs Hackett und Diess geleitet wird. „Im Laufe der Zeit wird die Zusammenarbeit beiden Unternehmen helfen, Werte zu schaffen und dabei sowohl den Anforderungen der Kunden als auch den Erwartungen der Gesellschaft gerecht zu werden“, erklärte Ford-CEO Hackett. „Die Zusammenarbeit wird nicht nur zu einer signifikanten Steigerung der Effizienz führen und die Voraussetzungen beider Unternehmen zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen verbessern. Sie wird es uns darüber hinaus ermöglichen, die neue Ära der Mobilität mit zu prägen“, so Hackett weiter.

Vorerst keine Elektroautos, finanzielle Vorteile erst 2023

Bei gemeinsamen Pick-ups, die ab 2022 auf die internationalen Märkte kommen, soll es nicht bleiben. Als nächsten Schritt sieht die Kooperation die gemeinsame Entwicklung von Transportern für den europäischen Markt vor. In den kommenden fünf Jahren wird eine weltweit steigende Nachfrage nach mittelgroßen Pick-ups und Transportern erwartet. Die Allianz wird es beiden Unternehmen ermöglichen, die Entwicklungskosten zu teilen, ihre jeweiligen Fertigungskapazitäten optimal auszulasten, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeuge zu verbessern und Kosteneinsparungen zu realisieren - und dabei ihre unverwechselbaren Markeneigenschaften zu bewahren.

Noch keine Einigung gab es bei dem gemeinsamen Bau oder zumindest der der Entwicklung von Elektrofahrzeugen, autonomen Fahrzeugen und möglichen Mobilitätsdiensten. Erste Einsparungen sollen sich für die Ford Motor Company und die Volkswagen AG ab 2023 in operativen Ergebnisverbesserungen bemerkbar machen. Volkswagen-Chef Diess: „Volkswagen und Ford werden ihre Ressourcen, ihre Innovationskraft und ihre komplementären Marktpositionen gemeinsam dazu nutzen, um Millionen Kunden aus aller Welt noch besser zu bedienen als bisher. Für Volkswagen ist diese Allianz zugleich ein wichtiger Eckpfeiler, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“

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