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VW-Zahlen Volkswagen-Gewinne weiter unter Vorkrisenniveau

Der Abgas-Skandal hinterlässt auch ein Jahr nach seinem Beginn weiter Spuren in der Bilanz des VW-Konzerns. Immerhin: Im Vergleich zu 2015 geht es aufwärts - trotz steigender Rücklagen für Folgekosten aus "Diesel-Gate".

Fabrikneue Volkswagen am VW-Werk in Puebla in Mexiko Quelle: dpa

Europas größter Autobauer fuhr in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 8,65 Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ein, wie er am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Damit liegt der Gewinn zwar spürbar über dem Vergleichswert aus dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (3,34 Mrd. Euro). Doch damals 2015 waren im dritten Quartal auch schon milliardenschwere Rückstellungen zur Bewältigung der Krise erfolgt. Verglichen mit den ersten drei Quartalen aus 2014, als der Konzern noch auf Rekordfahrt gewesen war, wird der Abstand deutlich: Damals hatte es noch 9,4 Milliarden Euro Ebit gegeben.

Das den Aktionären zuzurechnende Ergebnis hatte unter dem Strich per September 2014 noch bei 8,5 Milliarden Euro gelegen. Mit dem Beginn des Abgas-Skandals im Herbst 2015 brach dieser Wert dann auf 3,8 Milliarden Euro ein. Und nach dem dritten Quartal im laufenden Jahr liegt diese Kennziffer nun bei 5,74 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sind das zwar 50 Prozent Verbesserung, nicht aber in Relation zu den Werten aus dem Vorkrisenjahr 2014.

Das gewinnschwache Pkw-Kerngeschäft von Volkswagen steht weiter unter erheblichem Druck. Die Hausmarke mit dem VW-Logo fuhr im dritten Quartal vor Zinsen und Steuern (Ebit) lediglich 363 Millionen Euro ein. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte das laufende Geschäft der Kernmarke mit 801 Millionen Euro noch mehr als doppelt so viel eingespielt.

Entsprechende Abstriche gab es jüngst auch bei der Gewinnkraft: Zur Jahresmitte hatte VW-Pkw von 100 Euro Umsatz vor Zinsen und Steuern noch 1,66 Euro behalten. Nach neun Monaten sind es jetzt nur noch 1,60 Euro. Zuletzt hatten der Lieferstopp eines Teileherstellers und eine defekte Blechpresse der Marke zugesetzt.

Höhere Rücklagen für den Diesel-Skandal

Der Volkswagen-Konzern hat erneut Sonderbelastungen verbucht und noch einmal mehr Geld für die Bewältigung der Diesel-Krise zur Seite gelegt. Insgesamt fielen im dritten Quartal rund 400 Millionen Euro an „Vorsorgen im Zusammenhang mit der Dieselthematik“ an, wie das Unternehmen am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Details zu den genauen Posten des Finanzpuffers gab Europas größter Autobauer zunächst nicht bekannt. Die Rückstellungen summieren sich damit auf nunmehr 18,2 Milliarden Euro.

Wo VW überall zur Kasse gebeten wird
Italien will bis zu fünf Millionen EuroVW muss in Italien wegen des Abgasskandals um Dieselfahrzeuge bis zu fünf Millionen Euro Strafe zahlen. Es gehe um Verkäufe von Autos auf dem italienischen Markt ab 2009, bei denen die Zulassung durch Softwaremanipulationen erreicht worden war, teilte die italienische Wettbewerbsbehörde mit. Es habe einen schweren Verstoß gegen die professionelle Sorgfalt gegeben und Kunden hätten mit den realen Daten womöglich eine andere Kaufentscheidung getroffen. Laut früheren Meldungen sind in Italien knapp 650.000 Volkswagen von dem Skandal betroffen. Quelle: dpa
Bayern will bis zu 700.000 Euro Quelle: dpa
Entschädigungen für Aktionäre und Anleger: 1 bis 8 Milliarden Euro Quelle: dpa
Kundenentschädigungen von bis zu 10 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Entschädigungen in Europa und dem Rest der Welt: bis zu 4,5 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Nachrüstung in Europa Quelle: dpa
Mögliche Wertminderung von VW-Fahrzeugen: 0,5 Milliarden EuroIst ein VW-Diesel-Fahrzeug nach der Umrüstung noch genauso viel wert wie vorher und erzielt es als Gebrauchtwagen denselben Preis wie vor dem Skandal? Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt, doch das Risiko, dass die VW-Fahrzeuge im Wert fallen, ist gegeben. Die VW-Tochter Financial Services, die für 1,2 Millionen Leasing-Fahrzeuge zuständig ist, hat vorsorglich die Rücklagen für mögliche Wertverluste nach oben korrigiert. Quelle: dpa

VW-Konzernfinanzvorstand Frank Witter sagte: „Trotz der großen Herausforderungen und der Belastungen durch die Dieselthematik bleibt der Volkswagen-Konzern finanziell weiter solide aufgestellt.“ Vorstandschef Matthias Müller betonte: „Der Konzern ist voll handlungsfähig - trotz aller aktuellen Belastungen.“

Lässt man die Kosten der Abgaskrise außen vor und betrachtet den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ohne Sondereinflüsse, sieht es gut aus für die Wolfsburger. Das Ebit aus den ersten neun Monaten des laufenden Jahres erhöhte sich im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um fast 11 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz war per September mit 160 Milliarden Euro konstant.



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