ZF, Continental, Bosch: Autozulieferer suchen deutlich weniger Personal
Zwischen Januar und Juli 2024 schrieb Bosch fast 64 Prozent weniger Stellen als im Vorjahreszeitraum aus. Ähnliches zeigt sich auch bei anderen Autozulieferern.
Foto: dpaDie deutsche Schlüsselindustrie kommt derzeit nicht zur Ruhe: Erst vermeldete Bosch, der größte Automobilzulieferer der Welt, den größten Zukauf der Unternehmensgeschichte – allerdings nicht um die eigene Stellung in der Autoindustrie auszubauen, sondern um die Wärmepumpensparte zu stärken. Danach verlautbarte ZF Friedrichshafen bis 2028 bis zu einem Viertel seiner rund 54.000 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Immerhin lag die Nettoverschuldung des Konzerns durch mehrere Zukäufe zuletzt bei rund zehn Milliarden Euro.
Und dann ist da noch Continental: Anfang August gab das Unternehmen bekannt, sich halbieren zu wollen. Die zuletzt kriselnde Automobilelektronik-Sparte soll vom lukrativeren Reifengeschäft abgespalten und so künftig zwei separate, börsennotierte Unternehmen geschaffen werden.
Dass es hakt, zeigt sich auch beim Blick auf die Stellenausschreibungen der großen Autozulieferer. Die sind zuletzt immer weniger geworden. Zwischen Januar und Juli 2024 schrieb Bosch fast 64 Prozent weniger Stellen als im Vorjahreszeitraum aus, ZF 55 Prozent weniger und Continental 25 Prozent.
In absoluten Zahlen heißt das: Bosch veröffentlichte von Januar bis Juli 5500 Stellenangebote, im Jahr zuvor waren es noch fast 15.000. ZF suchte in den ersten sieben Monaten diesen Jahres 1122 neue Arbeitskräfte, im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als doppelt so viele. Auch bei Continental ging es mit den Stellenanzeigen bergab: Mit 2851 Inseraten suchte das Unternehmen fast 1000 Mitarbeiter weniger als in den ersten sieben Monaten des vergangenen Jahres.
Das sind die Ergebnisse der jüngsten Stellenmarktauswertung der Index Gruppe. Der Berliner Personalmarktforscher ist mit seiner Abteilung Index Anzeigendaten in diesem Bereich europäischer Marktführer. Die eigene Datenbank erfasst und analysiert Stellenanzeigen in über 500 Printmedien und Online-Stellenbörsen sowie auf rund 250.000 Unternehmenswebsites in zehn europäischen Ländern.
Zulieferer suchen am ehesten nach Ingenieuren und Konstrukteuren
Die Auswertung zeigt auch, dass in den ersten sieben Monaten diesen Jahres alle drei Zulieferer am ehesten nach technischen Fachkräften wie Ingenieuren und Konstrukteuren gesucht haben. Die meisten Anzeigen dafür schaltete Bosch mit 2000 Stellen. Continental schrieb 827 solcher Stellen aus, ZF 468.
Am zweithäufigsten suchten Bosch und Continental nach IT-Spezialisten. Der Branchenprimus inserierte fast 1200 entsprechende Stellen, Continental immerhin 583. Bei ZF waren eher Bauarbeiter und Handwerker gefragt: Die suchte der Konzern in 234 Anzeigen.
Die Unternehmen stellten hier zuletzt vor allem an ihrem Stammsitz und dessen Einzugsgebiet neues Personal ein. So suchte Bosch in Gerlingen bei Stuttgart über 800 neue Arbeitskräfte, ZF in Friedrichshafen rund 230 und Continental in Hannover fast 1200.
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