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Aktie steigt Wirecard wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe

Wirecard wehrt sich gegen Betrugsvorwürfe Quelle: REUTERS

Nach dem jüngsten Kursrutsch ist die Wirecard-Aktie wieder im Plus. Berichte über finanzielle Unregelmäßigkeiten wies der Zahlungsabwickler vehement zurück. Steckt eine Mitarbeiter-Fehde hinter der Affäre?

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Der Zahlungsabwickler Wirecard hält Vorwürfe eines Mitarbeiters zu angeblichen finanziellen Unregelmäßigkeiten für entkräftet. Die mit der Untersuchung beauftragte Anwaltskanzlei Rajah & Tann habe bisher keine Belege für ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten eines Wirecard-Mitarbeiters gefunden, teilte das Unternehmen am Montag in Aschheim bei München mit. Die externe Prüfung stehe kurz vor dem Abschluss. Hinter dem Vorwurf stecke womöglich eine Fehde zwischen zwei Mitarbeitern in Singapur. „Wir haben alles aufgearbeitet“, sagte Wirecard-Chef Markus Braun dem „Handelsblatt“. „Es gibt keinerlei Risiko. Wir mussten in der Buchhaltung keinerlei Korrekturen oder Anpassungen vornehmen.“ Er will sich zu dem Fall auch in einer Telefonkonferenz am Montagmittag äußern.

Das seit Herbst im Leitindex Dax gelistete Unternehmen reagierte auf einen dramatischen Kurssturz um 35 Prozent in der vergangenen Woche. Ausgelöst worden war dieser durch zwei Berichte der „Financial Times“, in denen die Vorwürfe unter Berufung auf eine Präsentation von Rajah & Tann als Tatsachen dargestellt wurden. Wirecard hatte die Berichte von Anfang an als irreführend und falsch bezeichnet. Am Montag erholte sich die Wirecard-Aktie um 16 Prozent auf 126 Euro, lag damit aber noch weit unter dem Niveau vor dem Bericht.

Die Affäre ausgelöst hatte nach Darstellung von Wirecard ein Mitarbeiter in Singapur. Dieser habe im April 2018 gegenüber der Rechtsabteilung Bedenken wegen eines möglichen Verstoßes eines Kollegen aus der Finanzabteilung gegen die Regeln zur guten Unternehmensführung (Compliance) bei der Bilanzierung geäußert. Die „Financial Times“ hatte von unkorrekten Buchungen und mutmaßlichen Fälschungen von Dokumenten geschrieben. Dabei ging es laut Wirecard um Umsätze von knapp sieben Millionen Euro - über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren.

Eine interne Untersuchung habe „zu Nachweisen geführt, dass die Vorwürfe unbegründet waren“ und Hinweise auf persönliche Feindseligkeiten zwischen den Mitarbeitern ergeben, erklärte Wirecard am Montag. Trotzdem habe das Unternehmen eine externe Untersuchung bei der Kanzlei Rajah & Tann in Auftrag gegeben. Diese habe den Mitarbeiter nach einem Gespräch zunächst für glaubwürdig gehalten und daraufhin Mitte Mai 2018 den Auftrag erhalten, der Sache genauer auf den Grund zu gehen. Bisher habe die Kanzlei aber keinen Beleg für die Vorwürfe gefunden, wie Wirecard betonte.

Die Schlagzeilen rund um Wirecard haben inzwischen auch die Polizei in Singapur auf den Plan gerufen. „Die Polizei schaut sich das an“, teilte eine Sprecherin am Montag mit. Wirecard war vor dem Einzug in den Dax bereits mehrfach Zielscheibe von Vorwürfen rund um seine Bilanzen, die die Aktie vorübergehend einbrechen ließen. Bereits vor einigen Jahren wurden frühere Führungskräfte der Aktionärsvereinigung SdK wegen Marktmanipulation verurteilt. Gegen den Herausgeber einer unter dem Firmennamen „Zatarra“ veröffentlichten Publikation, die dem Unternehmen betrügerische Machenschaften vorgeworfen hatte, ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig. Auch über dessen Vorwürfe, von denen Leerverkäufer von Wirecard-Aktien massiv profitierten, hatte zuerst die „Financial Times“ berichtet.

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