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Dax-KonzernDas heimliche Wachstumsproblem der Commerzbank

Mitten im Übernahmekampf mit der Unicredit legt die Commerzbank neue Zahlen vor: Sie offenbaren eine Schwäche des Konzerns. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Lukas Zdrzalek 06.11.2025 - 14:38 Uhr
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Natürlich feierte sich Bettina Orlopp am Donnerstag selbst. Schon in der am frühen Morgen versandten Pressemitteilung ließ sich die Commerzbank-Chefin mit den Worten zitieren, ihr Institut habe in den vergangenen Monaten „viel Momentum entfaltet“.

Wenige Stunden später, in der Telefonkonferenz mit Journalisten, legte die Managerin noch einmal nach: Die Bankerin pries die am Donnerstag vorgelegten Zahlen als „das beste operative Neun-Monats-Ergebnis in der Geschichte der Bank“. Damit hat Orlopp zwar ganz gewiss recht.

Die Sache ist aber die: Bei genauer Analyse entpuppen sich derlei Aussagen als notdürftiges Zukleistern eines öffentlich bisher kaum beachteten Problems. Und das tut sich im Heimatmarkt auf: Das Frankfurter Geldhaus wächst hier nicht mehr. Ausgerechnet.

Die polnische Tochter wertet das Ergebnis auf

Dabei passen die konkreten Zahlen augenscheinlich zu den Aussagen von Chefin Orlopp: Die Bank prahlt in den ersten neun Monaten des Jahres mit einem Ertragszuwachs von fast 900 Millionen gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum. Die Einnahmen betragen nun mehr als neun Milliarden Euro. Zugleich sind das operative Ergebnis ebenso wie der Gewinn abzüglich spezieller Ausgaben angeschwollen. Nur ist es eben so, dass all die schönen Zuwächse nichts mit dem Deutschland-Geschäft zu tun haben, das doch der Kern der Bank ist.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp Foto: imago images

So sanken die Erträge des Firmenkundengeschäfts, das die Commerzbank vor allem mit hiesigen Unternehmen betreibt, um 150 Millionen Euro. Die Einnahmen im Geschäft mit deutschen Sparern, den sogenannten Privatkunden, stiegen zwar, allerdings nur um rund 150 Millionen Euro. Anders ausgedrückt: Das Deutschland-Geschäft stagniert. Was dann zwangsläufig die Frage aufwirft, woher der üppige Ertragszuwachs von 900 Millionen Euro rührt.

Der erste Teil der Antwort besteht aus fünf Buchstaben: MBank. Das ist der Name jenes polnischen Geldhauses, an dem die Commerzbank vor vielen Jahren die Mehrheit erwarb. Sie erweist sich für die Mutter in Frankfurt mal wieder als Glücksfall: Ihre Erträge wuchsen in den ersten neun Monaten des Jahres um eine halbe Milliarde Euro. Zwar dürften der MBank auch in den kommenden Monaten weitere Zuwächse gelingen. Es ist allerdings fraglich, ob sie erneut so stark ausfallen werden.

Hat die Commerzbank ein Grundsatz-Problem?

Der zweite Teil der Antwort, wieso die Bank trotz ihrer Deutschland-Schwäche insgesamt ein so sattes Ertragsplus verzeichnet, ist ein Segment mit einem sperrigen Namen: Er lautet Others & Consolidation. In diesem bündelt das Institut Einheiten ohne klassischen Kundenkontakt. Die Erträge dieses Segments stiegen in den ersten neun Monaten um 400 Millionen Euro an. Was unter anderem daran lag, dass die Commerzbank mit speziellen Finanz-Absicherungen ein Plus von fast 150 Millionen Euro einfuhr.

Sicher: Auch solche Absicherungs-Geschäfte gehören zum normalen Betrieb eines Finanzkonzerns wie der Commerzbank dazu. Sie sagen aber nichts darüber aus, ob ein Geldhaus bei seinen Kunden reüssiert. Zumal die Gesamt-Erträge des Segments für gerade einmal 3,3 Prozent aller Umsätze der Bank stehen, was den starken Zuwachs nur noch erstaunlicher macht. Zweifel müssen deshalb auch hier erlaubt sein, ob sich eine solche Steigerung wiederholen lässt. Was dann eine zweite große Frage aufwirft, nämlich ob die Deutschland-Schwäche nicht bloß Sinnbild für ein größeres Wachstumsproblem des Frankfurter Konzerns ist.

Für den Übernahmekampf zwischen der Commerzbank und der italienischen Unicredit bedeuten diese Erkenntnisse nichts Gutes, jedenfalls nicht für die Commerzbank. Zur Erinnerung: Die Unicredit war im Herbst vergangenen Jahres bei dem Frankfurter Institut eingestiegen und besitzt inzwischen knapp 30 Prozent aller Aktien der Commerzbank.

Bislang schicken sich die Italiener aber nicht an, die Mehrheit an den Frankfurtern zu übernehmen. Der Grund dafür ist, dass dieser Schritt für die Unicredit wohl zu teuer wäre, hat die Commerzbank-Aktie doch binnen eines Jahres 100 Prozent hinzugewonnen. Was – hier nun die zweite Erinnerung – daran liegt, dass die Deutschen stets ausgesprochen gute Zahlen vorlegen konnten, jedenfalls bis zum Donnerstag.

Angesprochen auf das einseitige Ertragswachstum, erklärte Chefin Orlopp im Gespräch mit den Journalisten: „Wir liefern genau das ab, was wir versprochen haben.“ Offenkundig befanden die Aktionäre der Bank, Orlopp habe ihnen aber etwas anderes versprochen als die Zahlen, die die Bank nun ablieferte: Der Aktienkurs fiel bis zum Donnerstagmittag um gut zwei Prozent – und zwar völlig zu Recht.

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