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Deutsche Bank „Bin ich die Wurzel allen Übels?“

Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank Quelle: dpa

Trotz heftiger Kritik haben die Aktionäre der Deutschen Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner und CEO Christian Sewing bei der Hauptversammlung entlastet. Nun deutet die Führung Änderungen in der Strategie an.

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Paul Achleitner ist eigentlich Fan des FC Bayern München. Bei den Aktionärstreffen der Deutschen Bank in Frankfurt zieht der Aufsichtsratsvorsitzende aber bevorzugt Parallelen zwischen dem Institut und der lokalen Eintracht. Im vergangenen Jahr lobte er Kampfgeist und Engagement des damals gerade frischen Pokalsiegers. In diesem Jahr sprach er davon, dass Bank und Club ihre Ziele nicht ganz erreicht hätten. Das war nicht so ganz passend. Denn der Fußballclub hat seine Kräfte in der abgelaufenen Saison immerhin mit europäischen Spitzenvereinen gemessen. In dieser Liga spielt die Deutsche Bank trotz gegenteiligen Anspruchs schon länger nicht mehr.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der damals schon bescheidene Aktienkurs nochmals um rund 40 Prozent eingebrochen. Während die Bank stolz darauf ist, mal wieder einen Minigewinn geschafft zu haben, verdienen selbst europäische Konkurrenten Milliarden. Trotzdem haben hunderte Banker im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro verdient, einzelne Vorstände üppige Funktionszulagen eingestrichen. Zu allem Überfluss zeigten sich abermals Probleme bei Kontrollfunktionen, durchsuchten im vergangenen Herbst Fahnder wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung die Zentrale.

Dass das Aktionärstreffen für das Führungspersonal des Instituts bei dieser Gemengelage kein Spaßtermin wird, war von Anfang an klar. Vor dem Termin war die Anspannung groß. Dem angeblichen Tag der Abrechnung. Dem Showdown. Am Abend sinkt diese dann zumindest ein wenig: Achleitner wird von den Aktionären entlastet. Wenn auch mit einem schwachen Ergebnis von 71,63 Prozent. Vorstandschef Sewing wird mit 75,23 Prozent entlastet.

Statt Showdown spärlicher Applaus

Tatsächlich läuft das Treffen allgemein ziemlich zahm ab. Protestkundgebungen fallen verhalten aus. Und bei verbal harten Attacken gibt es nur spärlichen Applaus. Es war schon deutlich lauter. Vermutlich geht es nun schon so lange abwärts, dass das Empörungspotenzial erschöpft ist.

So kann Achleitner seine Rede zu Beginn weitgehend störungsfrei absolvieren. Das macht er betont nüchtern. So weist er auf die Sparerfolge hin, lobt sich dafür, dass er im vergangenen Jahr Christian Sewing statt John Cryan auf den Chefposten gehievt hat und erklärt, dass er nicht zu Fusionsgesprächen mit der Bank gedrängt worden ist - und auch selbst nicht dazu gedrängt hat. Als er den Mitarbeitern des Instituts für ihren Einsatz dankt, gibt es sogar spärlichen Applaus. Als Zukunftsprogramm bleibt vor allem hängen, dass der Umbau der Bank schneller und radikaler werden muss. Das hat Achleitner so ähnlich auch schon in den Vorjahren gesagt.

Klare Ansagen zur Zukunftsstrategie werden bei Hauptversammlungen grundsätzlich kaum gemacht. Dass es hier in den kommenden Wochen Veränderungen geben wird, steht außer Frage. Auch Wechsel im Vorstand sind möglich. Wer nach konkreten Hinweisen danach sucht, wo es hingehen soll, muss interpretieren. Spielt die Sitzordnung der Vorstände eine Rolle? Hat es etwas zu bedeuten, dass nur Privatkundenchef Frank Strauss keine Krawatte trägt?

Sewing spricht von Stolz, Aktionäre bleiben skeptisch

Deutlich mehr lässt sich aus der Rede von Christian Sewing herauslesen. Der Vorstandschef redet sehr lange und emotional und teilweise pathetisch, spricht davon, dass seine Arbeit „sinnstiftend“ und „erfüllend“ sei, sagt, dass es sich „lohnt zu kämpfen“ und lobt die „Widerstandskraft“ des Instituts, dessen Potenzial unterschätzt würde. „Ich möchte den Stolz zurückbringen“, sagt Sewing und wenn er von den Erfolgen des Jahres 2018 spricht, vergisst man ganz kurz, wie bescheiden die Bilanz tatsächlich ausgefallen ist.

Dass etwas passieren muss, ist auch Sewing klar. Wenn er sagt, dass er zu harten Einschnitten bereit sei, geht die Botschaft eindeutig an zuletzt schwächelnde Handelsbereiche der Investmentbank. Die vor einigen Jahren in die Investmentbank integrierte Transaktionsbank dürfte wieder mehr Unabhängigkeit bekommen. Und zu einem der zehn größten Vermögensverwalter der Welt dürfte die DWS kaum auf dem Weg organischen Wachstums werden – eine Fusion mit der Sparte der UBS ist also weiter eine Option.

„Verbale Wattebäuschchen“

Ob das reicht, um die Bank wieder einigermaßen auf Kurs zu bringen? Die Aktionäre sind aufgrund ihrer Erfahrungen skeptisch. „Sie bemühen sich redlich“, sagt Aktionärsvertreter Klaus Nieding, aber womöglich habe die Bank bereits zu viel Zeit verloren. Für Empörung sorgt vor allem die sogenannte Funktionszulage für den mäßig erfolgreichen Investmentbankvorstand Garth Ritchie. Wenn er so viel verdienen wolle, solle er gehen – und den Aufsichtsrat am besten gleich mitnehmen, sagt Aktionärsschützer Markus Kienle. Karl-Walter Freitag, der die Abwahl von Achleitner und drei Vorständen fordert, wirft der Führung vor, das Publikum „mit verbalen Wattebäuschchen“ beworfen zu haben. „Gehen Sie endlich“, ruft er Achleitner zu.

Und dann plätschert die Veranstaltung so dahin, die Vorwürfe wiederholen sich. Als er die ersten Fragen beantwortet, wird Achleitner dann doch persönlich „Habe ich Fehler gemacht? Ja, natürlich. Bin ich das Wurzel allen Übels? Natürlich nicht“, sagt er. „An einem Denkmal liegt mir nichts. An der Deutschen Bank schon.“

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