DWS: Der Deutsche-Bank-Superstar und das IT-Großproblem
Stefan Hoops leitet seit einem Jahr die Deutsche-Bank-Tochter DWS.
Foto: dpaDem größten deutschen Fondshaus DWS und ihrem Chef Stefan Hoops droht Ärger bei einem Vorzeigevorhaben: Offenbar sind Probleme rund um das zentrale IT-Großprojekt „Proteus“ aufgetreten. Das erfuhr die WirtschaftsWoche von Insidern. Hinter „Proteus“ steckt der Versuch der DWS, sich eine eigene IT zuzulegen. Bisher nutzt das Fondshaus die Systeme der Deutschen Bank, der knapp 80 Prozent der DWS-Aktien gehören, die ebenso wie die Papiere des Geldhauses an der Börse notieren.
Die Insider berichten von Befürchtungen, „Proteus“ könnte mehr Geld als geplant verschlingen. Zudem soll es die Sorge geben, dass der Arbeitsaufwand des Projekts die DWS-Mannschaft überfordern könnte. Nun analysiere das Management, in welcher Form das Finanzhaus „Proteus“ weiterführen könne, berichten Kenner weiter.
IT-Projekt kostet mindestens 100 Millionen Euro
Die Fondsgesellschaft hatte mit dem Aufbau der eigenen IT vor einigen Jahren begonnen, um sich nach ihrem Börsengang 2018 stärker von der Deutschen Bank abzugrenzen. Das Geldhaus hatte bis dahin sämtliche DWS-Anteile besessen. Hoops hat das IT-Projekt geerbt, als er den Chefposten vor einem Jahr übernahm. Der Manager dürfte über die Schwierigkeiten auch deshalb verärgert sein, weil die DWS für das Vorhaben im Jahr 2022 und im ersten Halbjahr 2023 bereits rund 100 Millionen Euro ausgegeben hat.
Ein Sprecher der DWS erklärte zwar, er wolle sich „nicht zu möglichen internen Diskussionen“ äußern. Er sagte aber auch: „Bei der üblicherweise mehrjährigen Laufzeit solcher Großprojekte ist es angemessen und umsichtig, regelmäßig Umfang und Umsetzungsgeschwindigkeit zu überprüfen und, wo notwendig, Anpassungen vorzunehmen.“ Dies tue das Management-Team. Das Fondshaus sei überzeugt, das Vorgehen sei im „besten Interesse unserer Kunden, Investoren und des Unternehmens“.
DWS-Chef hat eine Blitzkarriere hingelegt
Zudem betonte der DWS-Sprecher, die „Transformation zu einem eigenständigen Vermögensverwalter“ sei „ein wichtiges Thema für uns“. Das Finanzunternehmen habe bereits im ersten Halbjahr „die ersten technischen Migrationen“ umgesetzt, diese seien ein „Teil der laufenden Implementierungsphase unseres mehrjährigen Projekts zur Entwicklung unserer eigenen Infrastrukturplattform“.
DWS-Chef Hoops ist einer der Shootingstars der deutschen Finanzbranche. Der 43-Jährige hat bei der Deutschen Bank eine Blitzkarriere hingelegt. Den DWS-Chefposten übernahm er im vergangenen Jahr, nachdem sein Vorgänger Asoka Wöhrmann wegen des Greenwashing-Skandals des Fondshauses zurücktreten musste. Im vergangenen Sommer hat Hoops den bereits von Wöhrmann vorbereiteten Abgang des Vorstandes Mark Cullen vollzogen, der unter anderem die IT, die Rechtsabteilung und die Geldwäsche-Prävention verantwortete. Cullens Aufgaben haben die Juristin Karen Kuder und die frühere Telekom-Managerin Angela Maragkopoulou übernommen. Letztere kümmert sich nun um die IT.
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