Management-Moment: Das lässt sich aus Rückschlägen lernen
Das ist passiert
Bei der Heidelberger Firma Aleph Alpha fallen rund 50 Stellen weg. Auch Jonas Andrulis, der das KI-Start-up 2019 gegründet hatte, verlässt das Unternehmen. Und zwar vollständig: Eigentlich war geplant, dass er in den Beirat wechselt. So gab es Aleph Alpha im Herbst bekannt. Daraus wird nun nichts. Andrulis behält nur seine Anteile.
Der Gründer stand mit seinem Unternehmen Aleph Alpha stellvertretend für Deutschlands KI-Hoffnungen. Die Schwarz-Gruppe und SAP, Bosch und die Deutsche Bank investierten in seine Firma. Zuletzt verlor Aleph Alpha bei der KI-Entwicklung allerdings den Anschluss und Andrulis seinen Posten.
Das können Sie daraus lernen
Rückschläge passieren. Sie gehören zu einer Karriere dazu. Und doch treffen sie viele Menschen hart. Sie suchen die Schuld einzig bei sich, schaffen es nicht, den Blick wieder nach vorn zu richten. Wie kann das gelingen?
„Deutschland war immer ein fehlerunfreundliches Land“, sagt Michael Frese, der als Wirtschaftspsychologe an der Leuphana Universität Lüneburg und der Asia School of Management lehrt. Frese forscht seit Mitte der 1980er-Jahre zu Fehlerkultur. Seitdem, so seine Beobachtung, habe sich zwar vieles „zum Guten entwickelt“. Als er vor 40 Jahren zu Forschungszwecken bei Unternehmen anfragte, hörte er häufig: „Was wollen Sie denn bei uns untersuchen? Wir machen doch gar keine Fehler!“ Solche Haltungen seien heute viel seltener. „Aber so manche Manager denken noch immer so“, erzählt Frese.
1. Fehler von Beginn an mitdenken
Und das ist problematisch: Chefs stellen sich als unfehlbar dar, in der Hoffnung, dass die Angestellten ihnen vertrauen und mitziehen. „Aber nur wenn der Chef auch Fehler einräumt, können die Mitarbeiter mal ins Risiko gehen, neue Ideen äußern – ohne Angst zu haben, dass sie einen Fehler machen“, kommentiert Frese.
Hinzu kommt: Wer Fehler von vornherein mitdenkt, wird weniger aus der Bahn geworfen, wenn sie wirklich passieren. Und kann Krisen womöglich sogar verhindern: „Solche Katastrophen sind häufig eine Folge nicht gemanagter Fehler“, weiß Frese. Der Forscher bringt ein Beispiel: „Chirurgen sagen sehr selten, dass sie Fehler machen. Das ist verheerend. Untersuchungen zeigen, dass in Krankenhäusern, in denen weniger Fehler gemeldet werden, auch mehr Leute sterben.“ Freses Rat: „Ich muss die Fehler ernstnehmen. Akzeptieren, dass ich ein fehlerhaftes Wesen bin.“
2. Nicht jede Kritik zu Herzen nehmen
Wie aber gelingt der richtige Umgang mit Fehlern? Michael Frese rät, nicht all die Kritik ernst zu nehmen, die einen erreicht. Scheitert etwa das eigene Unternehmen, haben etliche Menschen dazu eine Meinung und hätten laut eigener Aussage ja ganz anders gehandelt: „Ich würde mir nur zu Herzen nehmen, was Leute sagen, die selbst mal gegründet haben – so schließen Sie schon mal viel Negatives aus.“ Und Frese ergänzt: „Als Unternehmer müssen Sie Risiken eingehen. Da ist es überhaupt nicht verwunderlich, wenn Fehler passieren. Viele der erfolgreichsten Unternehmer der Welt haben Pleiten hingelegt.“
3. Emotionen steuern
Jeder ist selbst für den Umgang mit Fehlern und für die eigenen Emotionen verantwortlich. Statt in Selbstmitleid zu zerfließen oder die Schuld ausschließlich bei sich selbst zu suchen, rät Frese, sich einige Fragen zu stellen: Wäre der Fehler nur mir passiert, oder wären andere Personen ähnlich vorgegangen? Wahrscheinlich schon. „Bei Fehlern hilft ein wenig Realismus“, rät er.
Und Christoph Seckler, der den Lehrstuhl für Entrepreneurial Strategy an der ESCP Business School in Berlin leitet und ebenfalls zu Fehlerkultur forscht, empfiehlt, „sich selbst den Spiegel vorhalten und zu fragen: Was habe ich zu dem Fehler beigetragen? Und welche Dinge konnte ich nicht beeinflussen?“ Außerdem warnt Seckler davor, mit dem Finger auf Kollegen zu zeigen und sie für einen Fehler verantwortlich zu machen. „Das ist eine Strategie, um die eigenen negativen Emotionen auf andere abzuwälzen. So belastet man die Beziehung und lernt auch nicht aus Fehlern.“ Einmal passiert, gelte es nach einem Fehler zu reflektieren, was man selbst beim nächsten Mal besser machen will. „Dafür genügt es, zwei oder drei Minuten innezuhalten“, erklärt Seckler. Sicherlich: Je schwerwiegender die Konsequenzen eines Fehlers, desto schwerer fällt die Aufarbeitung, desto mehr Zeit benötigt die Reflexion.
Womöglich gelingt es, die negativen Emotionen in Neugierde umzudeuten, gibt Michael Frese zu bedenken. Nach dem Motto: „Interessant, dass mir dieser Fehler passiert ist. Was hat mich dazu verleitet? Wie kann ich es das nächste Mal verhindern?“