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Ehemalige HVB-Aktionäre fühlen sich benachteiligtDas Milliarden-Risiko der UniCredit

Die Prozesse zwischen der italienischen Großbank und früheren Aktionären der HypoVereinsbank (HVB) haben sich zur Justizposse entwickelt. Hat die UniCredit beim Kaufpreis der HVB getrickst?Cornelius Welp 25.10.2014 - 16:30 Uhr

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni soll mehr Geld rausrücken

Foto: PR

Helmut Krenek will es wissen. Deshalb hat der Vorsitzende der Fünften Kammer für Handelssachen am Landgericht München Anfang September einen Beschluss formuliert. In dem zwölfseitigen Schreiben, das der WirtschaftsWoche vorliegt, beauftragt er zwei Wirtschaftsprüfer, ein Gutachten zu verfassen. Das soll klären, was die österreichische Bank Austria am 25. Oktober 2006 wert war.

Die Frage hat weit mehr als historische Bedeutung. Sie entscheidet den Ausgang eines der langwierigsten Prozesse um angeblich benachteiligte Aktionäre. Seit 2008 klagen Ex-Anteilseigner der Münchner HypoVereinsbank gegen UniCredit. Sie halten die Abfindung für zu niedrig, die die italienische Großbank ihnen damals für ihre Aktien zahlte. Mit Kreneks Beschluss kommt wieder Bewegung ins Verfahren. UniCredit drohen Belastungen in Milliardenhöhe.

Runtergerechnet?

Zur Erinnerung: Im Juni 2005 hatte die Mailänder Bank die angeschlagene HVB übernommen. Den Preis von rund 15 Milliarden Euro zahlte sie in eigenen Aktien. Im Oktober 2006 kaufte UniCredit der HVB für 13 Milliarden Euro ihre Mehrheit an der Bank Austria ab. Wegen ihrer starken Präsenz in Osteuropa galt die als Perle der HVB. UniCredit hält den Kaufpreis für korrekt und fair ermittelt, die Kläger für bewusst heruntergerechnet. Ein höherer Wert der Bank Austria hätte auch den Wert der HVB gesteigert. Und den Aktionären damit eine höhere Abfindung beschert.

Platz 10
CaixaBank

Land: Spanien
Börsenwert: 25,2 Mrd. Euro

Die spanische Investmentgesellschaft mit Sitz in Barcelona, befindet sich unter Kontrolle der Sparkasse "La Caixa". Früher hieß sie Criteria CaixaCorp. Sie ist an einigen der größten spanischen Unternehmen wie z.B. Gas Natural, Repsol YPF und Telefónica beteiligt.

Quelle: SNL Financial

Foto: dpa

Platz 9
Crédit Agricole

Land: Frankreich
Börsenwert: 26,5 Mrd. Euro

Die Crédit Agricole mit Sitz in Paris ist die drittgrößte Bank in Frankreich und zählt zu den größten Geschäftsbanken in ganz Europa.

Quelle: SNL Financial

Foto: dpa

Platz 8
Société Générale

Land: Frankreich
Börsenwert: 29,7 Mrd. Euro

Die Société Générale zählt zu den wichtigsten und ältesten Geschäftsbanken in Frankreich. Weltweit arbeiten fast 160.000 Mitarbeiter für die Großbank mit Sitz in Paris.

Quelle: SNL Financial

Foto: REUTERS

Platz 7
Deutsche Bank

Land: Deutschland
Börsenwert: 35,4 Mrd. Euro

Mit einer Bilanzsumme von 1.611 Milliarden Euro gilt die Deutsche Bank als das größte Kreditinstitut Deutschlands. Insgesamt sind mehr als 98000 Mitarbeiter für die1870 gegründete Bank tätig.

Quelle: SNL Financial

Foto: dpa

Platz 6
UniCredit

Land: Italien
Börsenwert: 35,8 Mrd. Euro

Die 1998 gegründete UniCredit S.p.A. zählt zu den größten und wichtigsten Banken Italiens. Auf der ganzen Welt arbeiten rund 148.000 Angestellte für UniCredit.

Quelle: SNL Financial

Foto: Reuters

Platz 5
Intesa Sanpaolo

Land: Italien
Börsenwert: 36,8 Mrd. Euro

Die Intesa Sanpaolo mit Sitz in Turin ist neben Unicredit das größte italienische Finanzinstitut. Die Bank ist 2006 aus einer Fusion der Sanpaolo IMI S.p.A. und der Banca Intesa entstanden.

Quelle: SNL Financial

Foto: REUTERS

Platz 4

Allied Irish Bank

Land: Irland
Börsenwert: 46,6 Mrd. Euro

Das Institut gehört zu den größten in Irland und hatte entsprechend unter der Finanzkrise zu leiden. Im Dezember 2010 wurde die irische Regierung Anteilseigner der Bank.

Quelle: SNL Financial

Foto: dpa

Platz 3
BBVA

Land: Spanien
Börsenwert: 54,7 Mrd. Euro

Die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, kurz BBVA, ist die zweitgrößte Bank Spaniens. Ihre Ursprünge reichen bis in das Jahr 1857 zurück. Heute arbeiten mehr als 109.000 Menschen für das Kreditinstitut.

Quelle: SNL Financial

Foto: dpa

Platz 2
BNP Paribas

Land: Frankreich
Börsenwert: 61,6 Mrd. Euro

Die BNP Paribas ist die dritte französische Bank in den Top Ten und - laut Börsenwert - die zweitgrößte Europas. Die Geschäftsbank entstand im Jahr 2000 durch den Zusammenschluss der Banque Nationale de Paris (BNP) und der Paribas. Seit der Bankenkrise ist der französische Staat der größte Einzelaktionär der BNP Paribas.

Quelle: SNL Financial

Foto: dapd

Platz 1
Santander

Land: Spanien
Börsenwert: 89,6 Mrd. Euro

Gemessen am Börsenwert ist die spanische Banco Santander die größte Bank der Euro-Zone. Ihr Wert liegt fast 50 Milliarden über dem der Deutschen Bank. Auf dem Weg zur führenden spanischen Universalbaak fusionierte das Kreditinstitut 1999 unter anderem mit der Banco Central Hispano. Auch im Ausland übernahm die Banco Santander andere Kreditinstitute, unter anderem die GE Money Bank. In Deutschland gibt es mit der Santander Consumer Bank AG einen eigenen Ableger.

Quelle: SNL Financial

Foto: REUTERS

Um den Wert der Bank Austria und damit eine höhere Abfindung streiten frühere Aktionäre um den britischen Hedgefonds Polygon und UniCredit auch in Wien. Und zwar heftig. Formell haben beide Verfahren nichts miteinander zu tun – doch die Juristen schauen sehr interessiert auf die Fortschritte im Nachbarland.

Lange schien es, als könne sich Richter Krenek von österreichischen Erkenntnissen inspirieren lassen. Anfang 2009 einigten sich Polygon und UniCredit auf ein „beschleunigtes Verfahren“. Ein unabhängiger Schiedsrichter sollte innerhalb eines halben Jahres ein Ergebnis finden.

Meinung ausgeforscht

Im Oktober 2009 machte sich der in Österreich bekannte Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner ans Werk. Und das entweder ungeschickt oder schlicht parteiisch, wie Unterlagen zeigen, die der WirtschaftsWoche vorliegen. So fragte er einen als Sachverständigen in Betracht kommenden US-Professor schon bei der Kontaktaufnahme nach dessen Einschätzung. Als der sich auf die Seite UniCredits schlug, bekam er den Auftrag. Dass er die Meinung schon vorher ausgeforscht hatte, verschwieg Kleiner.

Platz 10: Bank of China Holdings, Hong Kong
Wer hier investiert hat, braucht sich einem Ranking der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge wenig Sorgen um sein Geld machen. 30,6 Punkte reichen für Platz zehn unter den stabilsten Banken. Für die Studie wurden die risikogewichtete Eigenkapitalquote, der Anteil fauler Anlagepapiere und deren finanzielle Absicherung und das Verhältnis von Einlagen zu Investitionen bewertet. Auch die Effizienz (Quote Kosten gegenüber Einnahmen) ging in das Ranking ein. Die Deutsche Bank schaffte es nur auf Platz 20, gleichauf mit der "China Construction Bank".

Foto: REUTERS

Platz 9: Skandinaviska Enskilda Banken, Schweden
Die Bank aus Stockholm, hierzulande durch ihre Tochter SEB bekannt, kommt mit 29,7 Punkten gerade noch in die Top Ten. Mit einer Eigenkapitalquote von 19,2 Prozent sind die Schweden international ganz vorne dabei, haben andererseits recht viele faule Anlagepapiere in der Bilanz.

Foto: REUTERS

Platz 8: Pohjola Bank, Finnland
Neben asiatischen Banken dominieren Institute aus Nord-Europa das Ranking. Die finnische Pohjola Bank kommt mit 28,5 Punkten auf Platz 8. Die Geschäftsbank hat in Finnland einen Marktanteil von fast einem Viertel bei Unternehmenskrediten. In der Untersuchung liegen die Finnen besonders bei der Absicherung von Problem-Krediten international weit vorne.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 7: DBS Group Holdings, Singapur

Die DBS ist die größte Bank Südostasiens und beschäftigt mehr als 19.000 Mitarbeiter. Trotzdem besticht sie im Ranking vor allem durch ihre Effizienz: Beim Kosten-Umsatz-Verhältnis gehört die DBS mit 40,7 zur Weltspitze.

Foto: REUTERS

Platz 6: Bayerische Landesbank, Deutschland
So sieht Europas stabilste Bank aus: Die Bayerische Landesbank, hier die Geschäftsstelle in Nürnberg, kommt im Ranking auf Platz 6. Besonders bei der Eigenkapitalausstattung und der Vorsorge für faule Anlage-Papiere liegt die Landesbank ganz vorne und erreicht insgesamt 27,4 Punkte. Dabei war die Bank in letzter Zeit vor allem mit Gerichtsverfahren wegen Bestechung ("Ecclestone-Prozess") und der Übernahme der Pleitebank Hypo Alpe Adria in den Schlagzeilen.

Foto: dpa

Platz 5: Qatar National Bank, Katar

Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor Al Thani wurde hierzulande als Groß-Aktionär der Deutschen Bank bekannt. Auch bei der Nationalbank Katars sitzt der Scheich im Aufsichtsrat und muss sich wenig Sorgen machen: Mit 26,8 Punkten ist sie das fünft-stabilste Geldhaus der Welt. Bei der Effizienz ist die Bank aus dem Ölstaat die Nummer zwei der Branche; andererseits hat sie vergleichsweise viele Problem-Papiere in der Bilanz.

Foto: dpa

Platz 3: Oversea-Chinese Banking, Singapur

Singapur ist mit zwei Banken in den Top Ten vertreten. Die Overseas-Chinese Banking Corp. ist die älteste Bank der Stadt und verpasst mit 22,2 Punkten den Sprung aufs Treppchen nur knapp. Vor drei Jahren war die Bank noch auf Platz eins gelandet und zur "World's strongest bank" gekürt worden.

Foto: Reuters

Platz 2: Desjardins Group, Canada und Norinchukin Bank, Japan.
Den zweiten Platz teilen sich die kanadische Desjardins Group and die Norinchukin Bank aus Tokio mit jeweils 22,1 Punkten. Beide sind Genossenschaftsbanken: Norinchukin finanziert mehrere Tausend Bauern-, Fischer- und Forstgenossenschaften und ist gleichzeitig die bei weitem kosteneffizienteste Bank in der Studie. Desjardins ist ein Zusammenschluss von Kreditgenossenschaften, ähnlich den deutschen Volksbanken. Das Institut hat kaum problematische Anlagen getätigt und landet deshalb ganz weit vorne.

Foto: dpa

Platz 1: Hang Seng Bank, Hong Kong
Die Hang Seng (chinesisch für: "ständiges Wachstum") aus Hong Kong gehört inzwischen zur HSBC-Gruppe. Im vergangenen Jahr kam die Bank, deren Bilanzsumme in den vergangenen sieben Jahren um mehr als 50 Prozent auf 108 Milliarden Euro gewachsen ist, im gleichen Ranking nur auf Platz 10. Eine sehr geringe Quote an Problem-Anlagen sowie die höchste Einlagenquote im Ranking reichen in diesem Jahr für 20,8 Punkte und den Titel der "World's Strongest Bank".

Foto: REUTERS

Da er zudem die Einsicht in die Akten verweigerte, wollte Polygon Kleiner ab Mai 2010 absetzen, hatte damit aber erst im April 2011 Erfolg. Sein Verhalten lasse „Unvoreingenommenheit und Offenheit mitunter deutlich vermissen“, begründete das Handelsgericht Wien die Abberufung mit ungewöhnlich klaren Worten.

Kleiners Nachfolger Christoph Herbst baute trotz der Fehler seines Vorgängers auf dessen Erkenntnissen und dem Gutachten des US-Professors auf. Der Verfassungsrichter kam im Januar 2012 zu dem Ergebnis, dass UniCredit einen kleinen Aufschlag auf die Abfindung zahlen sollte.

Aus allen Rohren

Das war Polygon zu wenig. Der Hedgefonds wittert mittlerweile eine große Justizverschwörung. Er verklagte Schiedsrichter Kleiner auf Schadensersatz und holte dafür ein mehr als 100-seitiges Gutachten des Kölner Professors Martin Henssler ein. Ohne Erfolg: Der Oberste Gerichtshof Österreichs wies die Klage ab.

Polygon feuert weiter aus allen Rohren. Ein neues Gutachten zeigt, dass die obersten österreichischen Richter nur für diesen Fall Jahrzehnte geltende Rechtsprechung geändert haben. Der Hedgefonds hat die Schiedsrichter wegen Betrugs angezeigt, ihren Spruch angefochten. Bald soll der Prozess vor dem regulären Gericht wieder anlaufen. Ein Ende ist nicht absehbar. Dagegen will Richter Krenek in München die Sache endlich vom Tisch haben. Seine Fragen an die Gutachter sind detailliert und unbequem für die Bank. So will er wissen, warum die Bank Austria 2006 ein Ergebnis von 3,1 Milliarden Euro erzielte, UniCredit bei der Bewertung aber nur von 1,7 Milliarden ausging. Schnelle Antworten wird er nicht bekommen. Die Gutachter dürften mindestens ein Jahr brauchen.

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