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GeldpolitikEZB hält den Leitzins weiter auf Rekordniveau

Niedrigere Zinsen könnten der schwächelnden Konjunktur auf die Sprünge helfen. Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank sehen aber den Zeitpunkt für Zinssenkungen noch nicht gekommen. 25.01.2024 - 16:05 Uhr aktualisiert

Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde. Die EZB gibt am Donnerstag bekannt, dass sie den Leitzins bei 4,5 Prozent belässt.

Foto: REUTERS

Die Euro-Währungshüter geben trotz zunehmender Konjunktursorgen Forderungen nach einer Zinssenkung vorerst nicht nach. Der Leitzins, zu dem sich Banken im Euroraum frisches Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) besorgen können, bleibt zunächst bei 4,5 Prozent. Das entschied der EZB-Rat bei seiner ersten Sitzung im neuen Jahr am Donnerstag.

Es sei Konsens im EZB-Rat, „dass es verfrüht ist, über Zinssenkungen zu diskutieren“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in Frankfurt nach den Beratungen des obersten Entscheidungsgremiums der Zentralbank. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Lagarde gesagt, eine Zinssenkung in diesem Sommer sei durchaus wahrscheinlich.

Im Juli 2022 hatte die EZB die Jahre der Null- und Negativzinsen beendet, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Zehn Mal in Folge schraubte die Notenbank die Zinsen nach oben. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Teurere Kredite sind aber zugleich eine Last für die Wirtschaft, weil sich kreditfinanzierte Investitionen verteuern.

Finanzexperten zur Zinspause der EZB
„Seit Jahresanfang hat die Zinssenkungseuphorie an den Märkten einen deutlichen Dämpfer bekommen. Das ist an der sehr deutlichen Erholung der Bundrenditen gut erkennbar. Die Sichtweise, dass die Zinsen doch noch längere Zeit hoch bleiben könnten, gewinnt wieder mehr Anhänger. Grund dafür und für die Vorsicht der EZB ist die hartnäckig hohe Kerninflation. Eine sehr wichtige Zahl für die weiteren Überlegungen im EZB-Rat wird die Januar-Inflationsrate sein. Wenn die Inflation aufgrund der vielen Preiserhöhungen zu Jahresbeginn einen deutlichen Satz nach oben macht, verschiebt sich der Zeitpunkt für eine mögliche Zinssenkung. Natürlich spricht die schlechte konjunkturelle Lage der Euro-Zone eigentlich für eine rasche Zinssenkung. Doch der EU-Vertrag ist bei solchen Zielkonflikten eindeutig: Preisstabilität hat im Zielsystem der EZB Vorrang vor der Konjunkturstabilisierung.“
„Für den Jahresdurchschnitt 2024 erwartet die EZB Verbraucherpreissteigerungen von 2,7 Prozent, was durchaus erreicht und angesichts vorhandener Preisrisiken auch übertroffen werden könnte. Viele Entwicklungen stehen zwar nicht unter dem direkten Einfluss der Geldpolitik, wie etwa die Kostensteigerungen durch die Vorgänge am Roten Meer oder auch Lohnsteigerungen in Folge von Streiks. Dennoch sollte die Notenbank einen stabilitätsorientierten Kurs mit verhältnismäßig hohen Zinsen zunächst beibehalten, um eine Verfestigung der Inflation zu verhindern.“
„Die EZB sollte sich von den aggressiven Zinssenkungserwartungen der Finanzmärkte nicht unter Druck setzen lassen. Die Inflation fällt zurzeit vor allem deshalb, weil der Kostenschub bei Energie und Nahrungsmitteln und die Materialengpässe abebben. Aber solange die Löhne so stark steigen wie zuletzt, ist das Inflationsproblem noch nicht gelöst. Die 70er Jahre zeigen, wie gefährlich es ist, wenn eine Zentralbank den Sieg über die Inflation zu früh erklärt.“
„Die heutige Entscheidung, die Zinssätze beizubehalten, war erwartbar. Im Laufe des Jahres werden wir Leitzinssenkungen sehen, doch Zeitpunkt und Ausmaß werden meines Erachtens von den Märkten nicht richtig eingeschätzt. Trotz schwacher Wachstumserwartungen für den Euroraum wird die EZB nach den Erfahrungen der letzten zwei Jahre große Vorsicht bei der Entscheidung über eine erneute Zinswende walten lassen. Die Zinswende wird später kommen und geringer ausfallen als gegenwärtig von den Märkten eingepreist.“

Zinssenkungen würden Wirtschaft entlasten

Oberstes Ziel der EZB ist es, für einen stabilen Euro zu sorgen. Dies sehen die Währungshüter erreicht, wenn die Preise nicht zu stark steigen: Mittelfristig strebt die Notenbank Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. Höhere Inflationsraten mindern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern - sie können sich für einen Euro weniger leisten.

Hohe Inflation noch nicht besiegt

Im Dezember beschleunigte sich der Preisauftrieb im Euroraum wieder: Die Verbraucherpreise lagen nach vorläufigen Daten um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats nach 2,4 Prozent im November. Die Kernteuerung ohne schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel sank im Dezember von 3,6 Prozent auf 3,4 Prozent.

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Es sei insgesamt zu früh, „einen Sieg über die Teuerung zu verkünden“, kommentierte die Hauptgeschäftsführerin des Bankenverbandes VÖB, Iris Bethge-Krauß: „Zinssenkungen passen nicht in ein Umfeld, das von Ungewissheiten mit Blick auf die Lieferketten sowie die Lohnentwicklung in den Unternehmen geprägt ist.“

Der Einlagenzins, den Banken für geparkte Gelder erhalten, verharrt nach der Entscheidung des EZB-Rates vom Donnerstag bei 4,0 Prozent. Trotz unverändert hoher Leitzinsen sind die Sparzinsen teils bereits wieder gesunken: Am stärksten war der Rückgang einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox zufolge bei Festgeld, das für fünf Jahre angelegt wird. Im Schnitt boten bundesweit aktive Banken zum Stichtag 19. Januar dafür 2,81 Prozent Zinsen. Zu Jahresbeginn waren es 3,01 Prozent. Der Durchschnittszins für Tagesgeld bei bundesweit verfügbaren Angeboten lag demnach quasi unverändert bei 1,72 Prozent.

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dpa
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