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Herrenlose Konten Der brisante Schatz der Schweizer Banken

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Großer Aufwand der Volcker-Kommission

Das konnte nicht alles sein, die Stimmung schaukelte sich hoch. Der Jüdische Weltkongress forderte eine unabhängige Untersuchung zum Schicksal der Konten von Holocaust-Opfern. 1996 einigte man sich auf die besagte Volcker-Kommission. Sie sollte auch untersuchen, wie Banken mit dem Geld umgegangen sind. Häufig hatte man ihnen vorgeworfen, es nicht sorgsam verwaltet zu haben.

Der Aufwand war immens: 650 forensische Revisoren arbeiteten am Projekt. Jahrelang prüfte das Komitee alle verfügbaren Unterlagen der 254 im Jahr 1945 existenten Banken – 82 Prozent des damaligen Banksystems. Doch: Einige, darunter Kantonalbanken, beschränkten oder verweigerten den Zugang zu Akten. Hatten sie was zu verbergen?

Schweizer Bankkonten Vermittlung

Aufgespürt wurden 4,1 Millionen Kontoverbindungen. Darin fanden Banken über 80 000 nachrichtenlose Konten, die im Zweiten Weltkrieg eröffnet und bis dato offen waren – darunter 5570 Konten von Ausländern. Dort waren noch 74 Millionen Franken geparkt. Den Großteil davon zahlte ein Schiedsgericht der Volcker-Kommission an Erben aus.

Nazigelder

Durchleuchtet wurde bei der Gelegenheit auch, ob sich durch Nazis geraubtes Geld auf einzelnen Konten befindet. Namenslisten wurden abgeglichen: War der Kontoinhaber eine Nazigröße oder mit dem Regime verbunden? 140 Konten wurden so markiert.

In einem Fall fanden Mitarbeiter etwa Geld eines „namhaften Händlers von Nazibeutekunst“, der mit gestohlenen Bildern gehehlt hatte. Sie waren laut Abschlussbericht des Schiedsgerichtes „Millionen von Dollar“ wert gewesen. Das Konto war während des Kriegs eröffnet worden. Bankdokumente zeigten, dass damals „signifikante Summen“ geparkt waren. Zu spät: Bis auf 2000 Franken war alles geräumt.

Schweizer Exportschlager, die nun teurer werden
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Auf einem anderen Konto lag Geld eines Hitler-Unterstützers. Er sei für die Deportation von 107 000 Juden verantwortlich gewesen. Sein Konto bestand seit 1928. Doch seine Bank konnte keine Unterlagen präsentieren, die Licht in die Transaktionen zwischen 1933 und 1945 gebracht hätten. Das Gericht konnte nicht beweisen, dass das Geld geraubt worden ist – und zahlte das Guthaben an Erben aus. Die geringe Naziausbeute ist auch auf eins zurückzuführen: „Ich glaube nicht, dass eine Naziprominenz ein Konto in der Schweiz unter dem eigenen Namen eröffnet hätte – ich wundere mich deswegen nicht, dass wir keine prominente Kontoverbindung enthüllt haben“, sagt Hans Michael Riemer, der Präsident des Schiedsgerichtes der Volcker-Kommission war.

Hinzu kommt: Für 2,8 Millionen weitere Konten, die eröffnet worden waren, gab es keine Unterlagen mehr. Unter den 1945 bestehenden Banken hatte es bis zu der Untersuchung über 100 Zusammenschlüsse gegeben. Bei Übernahmen wurden Akten oft vernichtet.

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