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JahreszahlenGewinn der Deutschen Bank bricht stärker ein als erwartet

Eine teure Altlast hat Deutschlands größtem Geldhaus im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang eingebrockt. Dennoch sollen die Aktionäre des Geldhauses nicht darben. 30.01.2025 - 07:55 Uhr Quelle: dpa

Das Deutsche Bank-Logo leuchtet in der Frankfurter Firmenzentrale des Geldhauses.

Foto: Andreas Arnold/dpa

Befreit von Altlasten will die Deutsche Bank nach einem Gewinneinbruch wieder durchstarten. Konzernchef Christian Sewing äußerte sich nach einem „sehr guten Jahresstart“ überzeugt, dass es 2025 gelingen wird, die Rendite auf das materielle Eigenkapital wie geplant auf mehr als 10 Prozent zu steigern. Im vergangenen Jahr lag sie mit 4,7 Prozent nicht einmal halb so hoch.

Insgesamt schnitt Deutschlands größtes Geldhaus 2024 schlechter ab als von Analysten erwartet: Vor Steuern verdiente der Dax-Konzern knapp 5,3 Milliarden Euro und damit sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Bank in Frankfurt mitteilte. Der auf die Anteilseigner entfallende Überschuss brach gar um 36 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro ein. Ein Jahr zuvor hatte die Bank von einem milliardenschweren Steuereffekt profitiert.

Teurer Dauerstreit mit ehemaligen Postbank-Aktionären

Die Entschädigung früherer Postbank-Aktionäre brockte dem Institut 2024 einen Gewinnrückgang ein, nachdem das Ergebnis schon 2023 gesunken war. Zusätzlich schlugen Rechtsrisiken in Polen negativ zu Buche. Dafür legte die Bank nach Angaben aus dem Dezember etwa 300 Millionen Euro zurück. In Summe kamen Kosten für Rechtsstreitigkeiten von 1,7 Milliarden Euro zusammen.

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Die juristische Auseinandersetzung in Polen belastete auch das Schlussquartal deutlich. Im Zeitraum Oktober bis einschließlich Dezember schmolz das Aktionären zuzurechnende Ergebnis um 92 Prozent auf 106 Millionen zusammen.

Trotz Gewinneinbruchs höhere Dividende

Die Aktionäre der Deutschen Bank sollen dennoch nicht darben: Die Dividende soll von 45 Cent auf 68 Cent je Aktie angehoben werden. Zudem will das Management über einen weiteren Rückkauf von Deutsche-Bank-Aktien 750 Millionen Euro an die Anteilseigner zurückgeben.

Abseits der Sonderbelastungen lief es für die Deutsche Bank 2024 in Summe zufriedenstellend. Zwar legte die Bank gut 1,8 Milliarden Euro für drohende Kreditausfälle zurück und damit rund 300 Millionen mehr als im Vorjahr.

Zugleich legten jedoch die Erträge – also die gesamten Einnahmen der Bank – um 1,2 Milliarden auf knapp 30,1 Milliarden Euro zu und machten die höhere Risikovorsorge mehr als wett. Konzernchef Sewing zeigte sich zuversichtlich, dass 2025 eine weitere Steigerung der Erträge auf rund 32 Milliarden Euro gelingen wird.

Schneller schlau: Diese Bilanzbegriffe sollten Sie kennen
HGB steht für Handelsgesetzbuch. Nach dessen Vorschriften müssen Unternehmen in Deutschland ihren Jahresabschluss vorlegen. Der Abschluss nach HGB ist für die auszuschüttenden Dividenden und die Steuerrechnung maßgeblich. Die internationalen Rechnungslegungsstandards nach IFRS, nach denen große Kapitalgesellschaften ihre Konzernbilanz aufstellen müssen, orientieren sich eher an den amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften nach US-GAAP. Die internationalen Regeln machen Konzernabschlüsse grundsätzlich besser vergleichbar, folgen aber anderen Grundsätzen, zum Beispiel bei der Bewertung von Unternehmenskäufen oder anderen Vermögenswerten.Leider werden die IFRS-Regeln deutlich häufiger vom International Accounting Standards Board (IASB) geändert, als dies bei den HGB-Vorschriften im deutschen Rechtssystem der Fall ist.
Die in eine Unternehmung eingebrachten (investierten), auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen Vermögenswerte, vor allem Grundstücke, Gebäude, Maschinen und maschinelle Anlagen, Beteiligungen, Vorräte, Forderungen etc. Grundsätzlich sind die Unternehmen verpflichtet, entgeltlich erworbene Vermögenswerte zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu aktivieren. Der Wertminderung unterliegende Vermögensteile müssen während ihrer Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Die Aktivseite informiert über die Mittelverwendung, also in welchen Werten das beschaffte Kapital investiert ist. Aus der Zusammensetzung der Aktivseite können – begrenzt – Schlüsse auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmung gezogen werden, bei Gegenüberstellung zur Passivseite gegebenenfalls auch auf die Zahlungsbereitschaft.
Die auf der rechten Seite der Bilanz stehenden Bilanzpositionen, im Wesentlichen Eigenkapital und Verbindlichkeiten. Die Passivseite der Bilanz zeigt die Quellen, aus denen ein Unternehmen finanziert wird.
Die Umsatzrendite beschreibt das Verhältnis von Gewinn und Umsatz eines Unternehmens. Sie beschreibt, welchen Teil des Umsatzes das Unternehmen als Gewinn verbuchen kann. Der Gewinn eines Unternehmens ist jedoch Schwankungen unterworfen (z.B. Branchenabhängigkeit, Produktabhängigkeit), die eine genaue Bestimmung der Rentabilität erschweren können. Die Umsatzrendite eignet sich vor allem für unternehmensinterne Vergleiche. Sie gibt Aufschluss darüber, welche Rendite die verschiedenen Geschäftsbereiche eines Konzerns erwirtschaftet haben.
Der Bestand an Kapital einer Unternehmung kann aus zwei Quellen zugeführt worden sein: Vermögen der Eigentümer durch: Einzahlung der Unternehmer, Einbehaltung angefallener Gewinne, also Selbstfinanzierung; Vermögen Dritter. Eigenkapital in weitester Deutung sind sämtliche den Gläubigern einer Unternehmung haftenden Mittel, also auch z.B. das Privatvermögen eines voll haftenden Gesellschafters. In engerer Fassung wird unter Eigenkapital das bilanzielle Eigenkapital verstanden, das als Residualgröße aus den übrigen Positionen der Bilanz ermittelt werden kann, wodurch sich die Abhängigkeit des Kapitalausweises von den Bewertungen der Bilanzposten erklärt. Rechnerisch ergibt sich seine Höhe aus der Gleichung: Eigenkapital = Vermögen (Aktivseite der Bilanz) – Schulden – Einlageneinbehaltene Gewinne – Entnahmen – eingetretene Verluste
Die Eigenkapitalquote beschreibt die Beziehung zwischen Eigen- und Gesamtkapital. Dazu wird das auf der Passiva-Seite einer Bilanz ausgewiesene Kapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme gesetzt. Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen zur Verfügung hat, desto besser ist in der Regel die Bonität eines Unternehmens, desto höher ist die finanzielle Stabilität und desto unabhängiger ist das Unternehmen von Fremdkapitalgebern. Da Eigenkapital jedoch teurer ist als Fremdkapital belastet eine hohe Eigenkapitalquote die Rendite auf das eingesetzte Kapital.
Als Dividende bezeichnet man den Anteil am Gewinn, der je Aktie vom Unternehmen ausgeschüttet wird. Die Hauptversammlung beschließt nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat über die Höhe. Die Dividende ist immer vom Bilanzgewinn abhängig und kann daher schwanken oder auch ganz ausfallen, etwa wenn die Ertragslage schlecht ist. Sie kann sogar aus den Rücklagen finanziert werden, wenn die Unternehmensgewinne nicht ausreichen.
Die Equity-Methode kommt bei der Bilanzierung von Unternehmensbeteiligungen zum Einsatz, an denen der Konzern weniger als 50 Prozent der Anteile hält. Dabei wird der Umfang der Beteiligung am Eigenkapital der Beteiligungsgesellschaft als Grundlage genommen, um den bilanziellen Anteil an Vermögenswerten in der Konzernbilanz abzubilden. Die wesentliche Größe ist dabei der anteilige Anspruch auf den Gewinn, der dem Konzern aus der Beteiligung zusteht. 100-prozentige Tochterunternehmen sind in einer Konzernbilanz hingegen unsichtbar, weil sie in den regulären Bilanzposten enthalten sind.
Während nach HGB in vielen Fällen die Anschaffungskosten von Finanz- und Sachanlagen in die Bilanz einflossen, fordert die Bilanzierung nach IFRS vorrangig eine Bewertung, die sich an den Marktpreisen orientiert. Existiert für diese Vermögenswerte kein Markt, wird der Bar- oder Zeitwert einer Vermögensposition durch die abgezinsten, monetären Vorteile, die dem Konzern bis weit in die Zukunft daraus erwachsen, durch finanzmathematische Verfahren und aufgrund von Schätzungen im Finanzplan ermittelt. Diese Bewertung nach Fair Value soll ein realistischeres Bild von Vermögenswerten liefern, als die puren Anschaffungspreise.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Latente Steuern sind noch nicht entstandene Steuervor- und nachteile. Zumeist sind sie in nennenswerter Höhe unter den Aktiva einer Bilanz zu finden. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Verlustvorträge, die einer Steuerersparnis entsprechen. Macht ein Unternehmen Verlust, erwartet aber in Zukunft wieder Gewinne, können die bereits entstandenen Verluste die Steuerlast in den kommenden Jahren mindern. Die dann zu erwartende Steuerersparnis können Konzerne laut IFRS als Vermögenswert in der Bilanz ansetzen. Diese verbessern das Konzernergebnis, obwohl sie davon abhängen, dass ein Unternehmen den Weg in geplantem Umfang zurück in die Gewinnzone schafft. Passive latente Steuern sind entsprechend Steuerschulden, die erst in der Zukunft entstehen. Macht ein Konzern Verlust, bilanziert aber keine aktiven latenten Steuern, bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Wirtschaftsprüfer nicht an einen Rückkehr in die Gewinnzone glaubt.
Im Zuge einer Unternehmenssanierung trennen sich Konzerne oftmals von ganzen Geschäftsbereichen. Um dem Leser einer Bilanz möglichst große Transparenz zu bieten, werden zum Verkauf stehende Geschäftsbereiche gesondert in der Bilanz aufgeführt. Damit wird die Bilanz um Unternehmensteile bereinigt, die in Zukunft wegfallen sollen. Gelingt der Verkauf jedoch nicht, kann das aber auch revidiert werden. Dann fließen die Bilanzgrößen der nicht fortgeführten Geschäftsbereiche zurück in die Bilanz.
Kapital- und Gewinnrücklage unterscheiden sich in der Art ihrer Entstehung. Die Gewinnrücklage speist sich aus den Jahresüberschüssen der Vorjahre und sind quasi das Sparschwein eines Unternehmens. Die Kapitalrücklage hingegen speist sich aus Einzahlungen der Gesellschafter. Insbesondere für Mittelständler sind Kapitalrücklagen ein Steuersparmodell für die Eigentümer. Wie eine Schenkung an das Unternehmen lassen sich Gelder in der Bilanz parken, auf Beschluss der Eigentümer und er Geschäftsführung jedoch auch wieder auflösen. Aktienrückkäufe, wie sie zur Kurspflege derzeit bei vielen Börsenunternehmen beliebt sind, speisen sich zumeist aus Gewinn- und Kapitalrücklagen. Werden sie aus dem Handel genommen, senken sie in Höhe ihres Nominalwertes das gezeichnete Kapital, dass unter den Passiva zum Eigenkapital des Konzerns zählt.
Hinter den sperrigen Begriffen verbirgt sich nichts anderes, als das flüssige Geld in der Unternehmenskasse. Hierzu zählen insbesondere die jederzeit verfügbaren liquiden Mittel auf Firmenkonten, aber auch andere Zahlungsmittel breiter Akzeptanz, zum Beispiel Goldmünzen, oder Wertpapiere.

Kostenziel weniger ehrgeizig

Nicht ganz halten kann der Vorstand hingegen seine Pläne zur Kostensenkung. Bisher sollten die Kosten im Jahr 2025 weniger als 62,5 Prozent der Erträge aufzehren. Jetzt sollen es nur noch weniger als 65 Prozent sein. Im vergangenen Jahr verschlechterte sich diese sogenannte Kosten-Ertrag-Relation wegen der Sonderbelastungen sogar von 75 auf 76 Cent. Heißt: Um einen Euro Ertrag zu erzielen, musste die Deutsche Bank 76 Cent aufwenden.

Während der Vorsteuergewinn der hauseigenen Unternehmensbank 2024 um mehr als ein Viertel auf 2,1 Milliarden Euro einbrach, ging es in den übrigen Sparten teils kräftig aufwärts. So verdiente die Investmentbank mit gut 3,3 Milliarden Euro fast 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Privatkundenbank einschließlich der Postbank steigerte ihr Ergebnis um 16 Prozent. Die Fondstochter DWS steuerte 60 Prozent mehr bei als noch 2023.

Aufgezehrt wurden die Zuwächse von der Entschädigung für frühere Aktionäre der Postbank. Dafür legte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr letztlich 900 Millionen Euro zurück. Frühere Postbank-Aktionäre hatten darauf geklagt, dass die Deutsche Bank ihnen hätte einen höheren Preis für ihre Anteile zahlen müssen. Denn sie habe schon vor der Mehrheitsübernahme der Postbank 2010 faktisch die Kontrolle über das Bonner Institut gehabt. Das Oberlandesgericht (OLG) Köln gab ihnen letztlich in vollem Umfang Recht.

Lesen Sie auch: Der Wiener Wirtschaftskrimi um die mächtige B&C-Stiftung

dpa
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