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Michael KemmerBanken haben noch immer zu viele Filialen

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, über die mageren Perspektiven der Branche und den Weg zu einer europäischen Einlagensicherung.Cornelius Welp, Oliver Stock 16.11.2016 - 17:53 Uhr

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands.

Foto: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Kemmer, die Commerzbank baut 9000 Stellen ab und um die Deutsche Bank gibt es große Sorgen. Wie solide sind die deutschen Banken?
Michael Kemmer: Der Sektor ist insgesamt stabil, das hat auch der letzte Stresstest der EZB gezeigt. Die Banken haben ausreichend Kapital und Liquidität. Ich sehe keinen Grund zur Sorge.

Viele Investoren offenbar schon. Sie bewerten die wenigen deutschen Banken, die an der Börse notiert sind, noch deutlich schlechter als viele Institute aus Krisenländern.
Keine Frage, die Kurse sind unbefriedigend. Das liegt aber vor allem an Unsicherheiten über die künftige Profitabilität und teilweise auch an noch nicht erledigten Rechtsverfahren. Die niedrigen Zinsen, der intensive Wettbewerb, der digitale Wandel des Geschäfts und die Regulierung setzen die Erträge der Banken unter Druck. Aber sicher zweifelt kein Investor an der Qualität der von deutschen Banken vergebenen Kredite.

Aufseher und selbst der IWF kritisieren die mangelnde Profitabilität und damit die Geschäftsmodelle deutscher Banken. Was sollen sie tun?
Sie können weiter sparen und so die Effizienz verbessern. Gerade über die Digitalisierung von Prozessen lassen sich die Kosten noch deutlich senken. Und trotz der schon erfolgten Schließungen sehe ich immer noch Überkapazitäten im Filialnetz.

Platz 32: Spanien

In rund 85 Prozent der 32 untersuchten Länder machten Kunden 2016 bessere Erfahrungen mit ihrer Bank als im Vorjahr. Das spiegelt zumindest der Capgemini Customer Experience Index (CEI) wider, der um 2,9 Punkte gestiegen ist. Schlusslicht des Rankings bildet Spanien. Von 100 Punkten erzielten die Banken des südeuropäischen Landes gerade einmal 65,3 Punkte.

Foto: REUTERS

Platz 31: Vereinigte Arabische Emirate

Überaus unzufrieden scheinen auch die Bankkunden der Vereinigten Arabischen Emirate zu sein. Im Ranking belegen diese mit 66,6 Punkten, wie auch schon 2015, den vorletzten Platz.

Foto: dpa

Platz 30: Mexiko

Für das Ranking wurden 16.000 Kunden aus 32 Ländern befragt. Neben diesen Ergebnissen basiert der Report auf qualitativen Daten aus ausführlichen Interviews mit Bankmanagern. Mexiko liegt ebenfalls auf einem der hinteren Plätze.

Foto: REUTERS

Platz 29: Japan

Bei der Befragung des Vorjahres hielten die japanischen Banken die rote Laterne. 2016 sind die Kunden etwas gnädiger. Rund acht Punkte machen die Japaner gut und rücken damit auf Platz 29.

Foto: REUTERS

Platz 28: Argentinien

Drei Plätze runter geht's für die argentinischen Banken: auf Rang 28.

Foto: REUTERS

Platz 5: Schweiz
Die Schweizer Banken können im Jahr 2016 die amerikanischen Banken vom fünften Platz verdrängen. Mit 80 Punkten machen sie 6,3 Punkte gut.

Foto: REUTERS

Platz 4: Großbritannien

Ein Zuwachs um 0,2 Punkte reicht für Großbritanniens Banken aus, um sich vor die Schweiz auf den vierten Platz zu positionieren.

Foto: REUTERS

Platz 3: Tschechische Republik

Verluste im Zufriedenheitsranking machen die Banken der Tschechischen Republik. 80,4 Punkte reichen nur für den dritten Platz. 2015 lagen tschechische Institute auf Rang zwei.

Foto: AP

Platz 2: Niederlande

Die Banken der Niederlande haben einen besonders großen Satz nach vorne gemacht. Vom 17. Platz schossen die Niederländer im World Banking Report 2016 auf zweiten Platz. Punkten konnten die niederländischen Banken vor allem durch Verbesserungen im Kreditkartensektor.

Foto: REUTERS

Platz 1: Kanada

Nichts geändert hat sich auf dem ersten Platz. In Kanada sind 2016 Bankkunden laut WRB-Ranking am zufriedensten. Im Vergleich zum Vorjahr konnten sie mit 80,9 Punkten ihre Bewertung sogar um zwei Zähler steigern.

Foto: REUTERS

Platz 12: Deutschland

Mit vierzehn Prozent ist der Anteil der zufriedenen Bankkunden allerdings am stärksten in Deutschland gestiegen. Der Indexwert kletterte um 6,3 Punkte auf 77,1 von 100 Punkten. Damit verbesserte sich das Land von Platz 22 in 2015 auf aktuell den zwölften Platz unter 32 Ländern.

Foto: dpa

Nur Sparen kann doch nicht die Antwort sein. Warum gibt es keine innovativen Konzepte?
Ich wüsste tatsächlich nicht, in welchem Segment in absehbarer Zeit größere Wachstumsraten möglich sein sollten. Die Niedrigzinsen drücken die Erträge und auch die Kreditnachfrage bleibt verhalten. Zudem fordert und sie Umsetzung der Regulierung, da bleibt wenig Raum für Visionen. Perspektivisch können sich aus der Digitalisierung neue Erlösmodelle entwickeln, etwa indem wir die Daten der Kunden besser nutzen

Könnte wenigstens der Brexit den Bankenstandort stärken, weil Institute Aktivitäten nach Deutschland verlagern?
Etliche Banken in Großbritannien denken darüber nach. Hier gibt es sicher eine Chance für den Finanzplatz Frankfurt, der international durchaus attraktiv ist, ich würde mir in dieser Frage noch mehr Unterstützung durch die Politik wünschen.

Banken in der Misere

Europa droht die Rückkehr der Bankenkrise

Überall in Europa kämpfen Banken gegen niedrige Zinsen und faule Kredite. Vor allem für Portugals Banken drohte es schon kurzfristig gefährlich zu werden, wäre das Land am Freitag endgültig auf Ramsch gestuft worden.

von Saskia Littmann

In diesem Szenario sind Zusammenschlüsse von Banken unvermeidbar.
Rückblickend ist da schon einiges passiert. Vergleichen Sie nur die heutige deutsche Bankenlandschaft mit der vor 15 Jahren. Auch wenn Fusionen im aktuellen Umfeld zunächst logisch erscheinen, muss man sehen, dass dieses Konzept von Regulatoren nicht als attraktiv empfunden wird. Big ist nicht mehr beautiful im Bankgeschäft, zumindest wenn sie die aufsichtliche und regulatorische Seite betrachten.

Die EU-Berichterstatterin Esther de Lange hat ein neues Konzept für eine europaweite Einlagensicherung vorgelegt. Was halten Sie davon?
Der Bericht geht in die richtige Richtung. Denn bisher hatte die Kommission ein Konzept verfolgt, bei dem Banken eines Landes für die Risiken von Banken anderer Länder haften müssen, ohne dass sie diese Haftung beeinflussen können. Von dieser Idee verabschiedet sich der aktuelle Entwurf zwar nicht vollständig, knüpft die Haftung aber an deutlich engere Bedingungen. Trotzdem bleibt es auch in dieser Fassung dabei, dass Kontrolle und Haftung letztlich auseinanderfallen. Insofern sehen wir weiteren Gesprächsbedarf.

Dunkle Wolken

Europas Banken stecken in der Krise – das wussten Marktbeobachter schon vor dem großen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Doch ein genauer Blick auf die Kennzahlen zeigt: Das gilt nicht für alle Institute. Im Vergleich von Nettogewinn, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote schneiden einige Institute deutlich besser ab als andere. Besonders interessant ist dabei das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert pro Aktie (KBV). Der Wert offenbart, inwieweit der Börsenwert einer Bank mit den Aktiva, also den Werten in den Büchern der Bank, übereinstimmt. Das KBV liegt bei fast allen Geldhäusern unter 1. Das bedeutet, dass sich die Aktionäre entweder von einer Zerschlagung der Bank mehr Geld versprechen als von der Fortführung des Geschäfts – oder dass sie den Qualitäten der Bilanzen, also der verzeichneten Aktiva, nicht vertrauen. Im Folgenden werden die Kennzahlen für die wichtigsten europäischen Banken dargestellt, sortiert nach den Nettogewinnen im 2. Quartal 2016.

Foto: DPA

Platz 10: Deutsche Bank

Nettogewinn (Q2/2016): 20 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 0,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 10,8 Prozent

KBV (Aktienkurs vom Stichtag/Buchwert pro Aktie): 0,27

Foto: DPA

Platz 9: Credit Suisse

Nettogewinn: 155 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 1,5 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,8 Prozent

KBV: 0,48

Foto: Reuters

Platz 8: Commerzbank

Nettogewinn: 247 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 3,6 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,5 Prozent

KBV: 0,26

Foto: Reuters

Platz 7: Unicredit

Nettogewinn: 916 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 8,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 10,3 Prozent

KBV: 0,22

Foto: AFP

Platz 6: UBS

Nettogewinn: 943 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 7,4 Prozent

Eigenkapitalquote: 15 Prozent

KBV: 0,88

Foto: DPA

Platz 5: Barclays

Nettogewinn: 992 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 5,8 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,6 Prozent

KBV: 0,41

Foto: AFP

Platz 4: ING

Nettogewinn: 1295 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 13,3 Prozent

Eigenkapitalquote: 13,1 Prozent

KBV: 0,73

Foto: REUTERS

Platz 3: Société Générale

Nettogewinn: 1461 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 11,7 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,1 Prozent

KBV: 0,40

Foto: REUTERS

Platz 2: HSBC

Nettogewinn: 2312 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 12,1 Prozent

Eigenkapitalquote: 12,1 Prozent

KBV: 0,70

Foto: REUTERS

Platz 1: BNP Paribas

Nettogewinn: 2560 Mio. Euro

Eigenkapitalrendite: 9,7 Prozent

Eigenkapitalquote: 11,1 Prozent

KBV: 0,55

Foto: AFP

Warum lehnen Sie eine gemeinsame Haftung kategorisch ab?
Wir sind nicht grundsätzlich dagegen. Eine gemeinsame Einlagensicherung ist neben der gemeinsamen Aufsicht und der gemeinsamen Abwicklungsbehörde durchaus sinnvoll, um die europäische Bankenunion zu vollenden. Die Voraussetzungen müssen aber stimmen. Sie darf erst dann greifen, wenn die Risiken in den Bilanzen von Banken unterschiedlicher Länder weiter reduziert wurden. Und auch dann müsste zunächst geprüft werden, wie ein gemeinsamer Sicherungsmechanismus aussehen könnte.

Was heißt das konkret?
Nehmen Sie zum Beispiel die italienische Banken: In ihren Bilanzen finden sich bekanntermaßen viele notleidende Kredite. Diese Risiken müssen reduziert werden, bevor wir mit unserer Einlagensicherung im Zweifelsfall dafür haften. Zudem sollten wir uns davon verabschieden, Staatsanleihen als risikolos zu bewerten. Frau de Lange hat einige dieser Punkte aufgegriffen. Sie müssen aber auch erfüllt sein, bevor eine gemeinsame europäische Einlagensicherung an den Start geht. Ansonsten zäumen wir das Pferd von hinten auf.

Aktuell arbeiten die Regulierer an der finalen Fassung der Eigenkapitalregeln. Ende November wollen sie soweit sein. Werden diese die deutschen Banken weiter belasten?
Ich hoffe, dass es hier noch Änderungen geben wird. Die derzeit diskutierten Vorschläge würden in der Tat einseitig europäische Institute belasten. Sie verkennen zum Beispiel, dass die Vergabe von Immobilienkrediten in Deutschland sehr viel risikoloser ist als in anderen Ländern. Wenn sie solche Unterschiede einfach einebnen, führt das zu massiven Mehrbelastungen deutscher Institute. Dagegen kämpfen wir und bekommen viel Unterstützung aus der Politik. Wir brauchen ein gutes und sachgerechtes Ergebnis, auch wenn wir den vorgesehenen Zeitplan dann nicht einhalten können. Eine Verschiebung des Zeitplans wäre in jedem Fall besser als eine schlechte Regulierung.

Der nächste Präsident der USA wird Donald Trump heißen. Wirkt sich das Ergebnis der US-Wahl auf die deutschen Banken aus?
Das Ergebnis haben in Europa wohl nur die Wenigsten erwartet. Nun müssen wir damit umgehen. Hinter den wirtschaftspolitischen Vorschlägen Donald Trumps stehen noch viele Fragezeichen. Deshalb ist es zu früh, über konkrete Auswirkungen zu spekulieren. Ich erwarte aber, dass die USA ein verlässlicher Partner Deutschlands und Europas bleiben. Ein Rückzug ins Nationale wäre der falsche Weg. Handel und Sicherheit liegen in unserem gemeinsamen Interesse. Insofern gilt es auch weiterhin, die transatlantischen Bündnisse zu stärken.

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