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QuartalszahlenWarum die Commerzbank trotz hoher Gewinne an der Börse abstürzt

Die Commerzbank verdreifacht ihren Gewinn und sieht sich damit zurück auf der Erfolgsspur. Trotzdem rutscht die Aktie ab. Das Geldhaus setzt bei seiner neuen Strategie auf Wachstum. 08.11.2023 - 13:42 Uhr

Die Commerzbank kann mit hohen Gewinnen glänzen. Mit ihrer neuen Strategie scheint das Kreditinstitut seine Anleger dennoch zu verschrecken.

Foto: imago images

Ein Wechselbad der Gefühle für Commerzbank-Anleger: Nachdem die Quartalsergebnisse des Kreditinstituts besser ausfielen als erwartet, stieg der Kurs zunächst um bis zu 6,7 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch. Doch die Bank wurde vom größten Gewinner zum größten Verlierer im Dax. Mit der Veröffentlichung der Langfristziele sank der Kurs wieder um viereinhalb Prozent. Einem Händler zufolge war die Strategie nicht überzeugend genug: „Zumindest gibt es wohl keine positiven Überraschungen.“ Für 2023 peilt der Vorstand um Konzernchef Manfred Knof jetzt einen Überschuss von rund 2,2 Milliarden Euro an, wie der Dax-Konzern am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Gewinne durch Zinsen

Die Commerzbank setzt sich nach einem unerwartet kräftigen Gewinnsprung neue Ziele für die kommenden Jahre. Bis 2027 soll der Nettogewinn im Vergleich zu diesem Jahr um mehr als die Hälfte auf 3,4 Milliarden Euro steigen, wie es hieß. Angeschoben durch die rasant gestiegenen Zinsen erzielte das Frankfurter Bankhaus im dritten Quartal einen Gewinn von 684 Millionen Euro – mehr als drei Mal so viel wie vor Jahresfrist. Analysten hatten dem Dax-Konzern nur 611 Millionen Euro zugetraut. „Neben dem Zinsumfeld profitieren wir von einem niedrigen Risikoergebnis und fortgesetzter Kostendisziplin“, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Die Erträge schnellten um 46 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro nach oben. Dahinter stand vor allem ein um gut ein Drittel auf 2,17 Milliarden Euro gestiegener Zinsüberschuss. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Sommer 2022 die Schlüsselsätze bereits zehn Mal erhöht.

Größter Verlierer im Dax

An der Börse konnte die Commerzbank damit zunächst punkten. Zeitweise setzte sich die Commerzbank-Aktie mit einem Kursplus von mehr als sechs Prozent an die Spitze der Gewinnerliste im Dax. Doch anschließend drehte sie ins Minus und notierte am Mittag viereinhalb Prozent im Minus auf 9,93 Euro. „Die Commerzbank hat unserer Meinung nach ein anständiges Ergebnis für das dritte Quartal 2023 vorgelegt“, kommentierten die Analysten der Deutschen Bank die Zahlen des Wettbewerbers. Ein Händler sagte, der Kursrückgang hänge mit den neuen Zielen zusammen. Bei diesen habe es keine positiven Überraschungen gegeben.

Die Langfristziele der Comerzbank

Doch die Commerzbank scheint mit ihrer Strategie zufrieden: „Wir haben ein neues Geschäftsmodell etabliert und die Commerzbank zurück in die Erfolgsspur gebracht,“ sagte Vorstandschef Manfred Knof. „Darauf bauen wir mit unserem Strategieprogramm bis 2027 auf: Wir werden unsere Ertragsbasis vergrößern, die Aufwandsquote weiter verbessern und unsere Eigenkapitalrendite steigern.“ Wie die Commerzbank in einer Pressemitteilung angibt, soll die Ertragsbasis durch dem Ausbau des Kundengeschäfts, einen größeren Fokus auf digitales Banking, Asset-Management (Vermögensverwaltung) und „nachhaltigere“ Finanzierungen vergrößert werden.

Die Eigenkapitalrendite (RoTE) soll bis 2027 auf mehr als elf Prozent zunehmen. Ihre Erträge will die Bank unter anderem durch Ausbau des Provisionsgeschäfts voranbringen. Einfache digitale Prozesse sollen dafür sorgen, dass die Bank insgesamt effizienter wird. Außerdem soll der Zinsüberschuss moderat steigen.

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Die Commerzbank will ihre Aufwandsquote bis 2027 auf rund 55 Prozent verbessern. In diesem Jahr wurden in den ersten neun Monaten noch rund 60 Cent aufgewendet, um einen Euro zu verdienen (Cost-Income-Ratio). Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank liegt die Aufwandsquote bei 72 Prozent, bei der italienischen UniCredit bei 39 Prozent.

Für 2027 strebt der Vorstand eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von mehr als 11 Prozent an. Im Jahr 2022 waren es 4,9 Prozent, für das laufende Jahr erwartet der Vorstand 7,5 Prozent. Dieser Wert setzt den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital und zeigt somit, wie effizient ein Unternehmen dieses Geld eingesetzt hat. Die Erträge – also die gesamten Einnahmen der Bank – erwartet der Vorstand im laufenden Jahr bei 10,6 Milliarden Euro, 2027 sollen es 12,5 Milliarden Euro sein.

Sparkurs der letzten Jahre zahlt sich aus

In den vergangenen Jahren war die Commerzbank hingegen auf Sparkurs. Tausende Stellen wurden gestrichen, die Zahl der Filialen in Deutschland von 1000 auf 400 geschrumpft – dabei soll es vorerst aber bleiben. „Die Transformationsarbeit der vergangenen Jahre zahlt sich zunehmend aus. Neben dem Zinsumfeld profitieren wir von einem niedrigen Risikoergebnis und fortgesetzter Kostendisziplin“, bilanzierte Finanzvorständin Bettina Orlopp. Dass die Bank nach neun Monaten schon mehr verdient habe als im Gesamtjahr 2022 sei „eine starke Basis, um unsere Ausschüttung wie geplant deutlich zu erhöhen“.

Ausschüttungen an Aktionäre

Für die Geschäftsjahre 2022 bis 2024 will die Commerzbank in Summe drei Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe an ihre Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten, wie das Institut Ende September mitgeteilt hatte. Angestrebt ist, dass in den Jahren 2025 bis 2027 grundsätzlich mehr als die Hälfte des Gewinns – nach Abzug von Zinszahlungen für bestimmte Anleihen und Minderheitsanteilen – ausgekehrt werden. Nach drei Nullrunden gab es für das Geschäftsjahr 2022 erstmals wieder eine Dividende von 20 Cent je Aktie.

Im Gesamtjahr 2022 hatte das Geldhaus, dessen größter Anteilseigner der deutsche Staat ist, gut 1,4 Milliarden Euro Überschuss erzielt und damit so viel wie seit 2007 nicht mehr. Allerdings hätte der Gewinn der Commerzbank schon 2022 erheblich höher ausfallen können, wären nicht die mehr als eine Milliarde Euro Belastungen durch die polnische Tochter mBank unter anderem im Zusammenhang mit Schweizer-Franken-Krediten gewesen. Bis Ende September des laufenden Jahres summierten sich ihre Belastungen auf 754 Millionen Euro. Die mBank kämpft seit Jahren mit dem Franken-Kredit-Thema. Tausende polnische Kreditnehmer hatten Hypotheken in Franken aufgenommen, um von niedrigeren Zinsen in der Schweiz zu profitieren. Doch der Franken gewann im Vergleich zum Zloty an Wert, die Kosten für die Kunden stiegen. Viele Polen klagten, um aus den teuren Krediten herauszukommen.

Lesen Sie auch: Warum die Commerzbank endlich zu ihren Wettbewerbern aufschließen muss

mst, rtr, dpa
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