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Smartphone-Banken „1,5 Millionen Kunden sind eine tragfähige Basis“

Konten bei Smartphone-Banken wie N26 sind in der Regel kostenlos, die Kunden sehr preissensibel. Berater Stefan Lamprecht erklärt, wie das Geschäftsmodell trotzdem funktionieren kann.

Die Smartphone-Bank N26 ist derzeit omnipräsent. Mit riesigen Plakaten wirbt das Berliner Fintech an Bahnhöfen und in U-Bahn-Schächten um neue Kunden. Mit dem Hashtag #nobullshit will sich die mobile Bank, bei der Kunden ihre Bankgeschäfte vor allem über eine Smartphone-App abwickeln, von traditionellen Banken und Sparkassen abgrenzen. „Nicht die Bank deiner Oma“ oder „Deine Bank verarscht Dich“ heißt es darauf. Ganz klar, N26 will wachsen und ist auf Kundenfang.

Da das Basiskonto von N26 inklusive Mastercard kostenlos ist, muss sich das Angebot hauptsächlich über die Masse an Kunden rechnen. N26 will deshalb schnell expandieren. Seit kurzem ist die mobile Bank in Großbritannien gestartet, Anfang 2019 soll das Angebot endlich auch in den USA verfügbar sein. Dabei geht die schnelle Welteroberung offenbar zulasten der Sicherheit. Recherchen der WirtschaftsWoche zeigen, dass bei N26 im Ausland Konten mit gefälschten Ausweisen eröffnet werden können. Das liegt daran, dass die Bank dort ihre Kunden und deren Ausweise in der Regel nicht per Videochat legitimiert, sondern dafür das weitaus günstigere Foto-Ident-Verfahren verwendet.

Dabei gilt die Bank in Deutschland eigentlich als Vorzeige-Fintech. Seit dem Start 2015 hat sie nach eigenen Angaben über 1,5 Millionen Kunden gewonnen. Namhafte Investoren wie der Versicherungskonzern Allianz, der Internetkonzern Tencent und PayPal-Gründer Peter Thiel glauben an das Geschäft und haben insgesamt 215 Millionen US-Dollar in N26 investiert. Schwarze Zahlen schreibt das Start-up noch nicht. Allerdings erklärte Gründer Valentin Stalf kürzlich, ab dem zweiten Quartal 2019 mit N26 auch unterm Strich Geld verdienen zu wollen.

Stefan Lamprecht ist Bankenexperte der auf Digitalisierung spezialisierten Beratung Sopra Steria Consulting und erklärt, wie das Geschäftsmodell von Smartphone-Banken wie N26 funktionieren kann.

WirtschaftsWoche: Die meisten Konten bei Smartphone-Banken wie N26 sind kostenlos. Außerdem sind die Kunden vergleichsweise jung, sie machen also vergleichsweise wenig margenträchtiges Geschäft. Wie kann ein solches Geschäftsmodell funktionieren?
Stefan Lamprecht: Das Geschäftsmodell basiert auf maximaler Prozess- und IT-Standardisierung und Effizienz, sprich, ein sehr hoher Grad an Automation. Dies lässt sich in einem so neuen Setup einer Bank gut herstellen. Mobile Banken sind frei von den Altlasten und -systemen, von denen sich tradierte Banken erstmal befreien müssen.

Stefan Lamprecht ist Bankenexperte der auf Digitalisierung spezialisierten Beratung Sopra Steria Consulting Quelle: PR

Damit sich die Technologie rechnet, braucht eine Bank wie N26 viele Kunden. Wie viele sind es, um langfristig schwarze Zahlen zu schreiben?
Das ist natürlich sehr davon abhängig, wie aktiv die Kunden in ihrem Transaktionsverhalten sind, in der Kreditkartennutzung, aber auch in der Inanspruchnahme der Kontoüberziehung. Die Einnahmen-Seite ist eine Mischung aus Zins- und Provisionsgeschäft. Ich gehe davon aus, dass 1,5 Millionen Kunden eine tragfähige Basis darstellen können.

So leicht lässt sich mit einem gefälschten Ausweis ein Konto eröffnen


N26 selber hat errechnet, dass die Zahl der potenziellen Kunden in Deutschland bei 1,5 Millionen liegt. Wie passt das zum vorher gesagten?
Ich sehe das Potenzial wesentlich höher, da es sich durch die Demografie fortlaufend verändert. Zudem erzeugt die erfolgreiche Kundengewinnung eine positive Marketing-Spirale, die auch Kunden außerhalb der Kernzielgruppe neugierig macht. Interessant wird sein, ob die Bank mit den steigenden Ansprüchen der Kunden in ihrem Lebenszyklus Schritt halten kann, das muss sich noch beweisen.

Das Modell der Smartphone-Bank lässt sich leicht kopieren, mit Revolut hat N26 bereits Konkurrenz aus Großbritannien. Wie viele solcher Banken haben Platz im Markt?
Das ist sicher sehr schwer abzuschätzen. Stand heute sehe ich Raum für drei Player, nicht analytisch belegt.

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