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Übernahme durch die Commerzbank Die Comdirect ist eine Perle, die matt funkelt

Die Comdirect spricht anders als die Commerzbank eher fortgeschrittene Wertpapieranleger an. Quelle: dpa

Die Commerzbank soll ihr Tochterunternehmen Comdirect nun komplett übernehmen und enger an das Angebot der Zentrale binden. Branchenkenner halten das schon lange für überfällig.

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Ein mittelalter Mann im dunklen Anzug und mit dunkler Krawatte sitzt an einem einfachen Holztisch vor einer mit Graffiti besprühten Wand. Auf dem Tisch steht ein Computer. Der Mann sagt, dass die Zeiten „superspannend“ sind, dass „eine Menge los“ sei, die Digitalisierung vieles „fundamental ändere“, was ihm keine Angst mache, weil er „echt gute Ideen“ habe. Der Mann heißt Arno Walter, ist Chef der Direktbank Comdirect und zeigt mit diesem Video auf der Seite des Unternehmens deutlich, in welchem Spannungsfeld sich dieses bewegt: Die Comdirect steht einerseits für digitalen Aufbruch, andererseits für einen großen Konzern – und damit für beides nicht so richtig.

Über Jahre war das so gewollt. Die Commerzbank, die gut 80 Prozent der Aktien der Direktbank hielt, ließ ihre Tochter auf ihre Ressourcen zugreifen und gleichzeitig weitgehend parallel zum Hauptgeschäft laufen. Das wird sich nun ändern: Die neue Strategie, mit der Konzernchef Martin Zielke das Institut wieder auf Vordermann bringen will, sieht vor, dass die Commerzbank die Comdirect komplett übernimmt und dann enger an das Angebot der Zentrale anbindet.

Schon bisher galt die Direktbank neben der polnischen M-Bank als Perle im Portfolio. Durch die Übernahme wird ihre Bedeutung für den Konzern wachsen – auch weil die Bank die M-Bank gleichzeitig verkaufen will. Eine engere Verbindung von Comdirect und Commerzbank halten viele Branchenkenner angesichts der Digitalisierung des gesamten Bankgeschäfts seit vielen Jahren für überfällig. Von den Erfahrungen der im norddeutschen Quickborn ansässigen Direktbank könnte der Mutterkonzern stärker als bisher profitieren. Allerdings ist auch die Comdirect nicht frei von Problemen.

Das zeigen ihre jüngsten Halbjahreszahlen. Von Januar bis Juni gewann die Comdirect 128.000 Kunden dazu – das ist immerhin knapp die Hälfte aller Neukunden in diesem Zeitraum. Wie ihre Mutter bietet auch die Comdirect aktuell jedem Kunden, der ein neues Konto eröffnet, eine Prämie von hundert Euro. Im Vergleich mit Wettbewerbern schneidet sie dennoch unterdurchschnittlich ab. Die zur BayernLB gehörende DKB gewann im ersten Halbjahr 198.000 Kunden hinzu, allein 111.000 eröffneten ein neues Konto – und das ohne finanziellen Köder. Mit insgesamt 4,15 Millionen Kunden liegt die DKB nun deutlich vor dem Rivalen aus Quickborn auf Platz Zwei hinter der uneinholbar enteilten ING.

Die Comdirect hat allerdings auch ein etwas anderes Geschäftsmodell. Während sich die Landesbanktochter auf Konten und Kreditkarten konzentriert, spricht die Comdirect eher fortgeschrittene Wertpapieranleger an. Durch die Übernahme des Finanzportals Onvista im Jahr 2017 hat sich diese Ausrichtung nochmals verstärkt. Die Zahl der Depots stieg um fünf Prozent auf 2,4 Millionen, das in ihnen betreute Vermögen legte sogar um 18 Prozent zu. Allerdings zahlte sich das Wachstum für die Bank kaum aus. Der Provisionsüberschuss fiel im ersten Halbjahr um knapp vier Prozent auf 104 Millionen Euro.

Vor allem aber hat die Comdirect ähnlich wie ihr Mutterunternehmen ein Kostenproblem. Um einen Euro zu verdienen wendete die Comdirect zuletzt rund 82 Cent auf. Bei der DKB reichten deutlich niedrigere 53 Cent. Entsprechend erreichte die Landesbanktochter im ersten Halbjahr ein Ergebnis vor Steuern von 155 Millionen Euro, die Comdirect nur knapp 31 Millionen Euro.

Hinter der Übernahme stehen damit sicher auch Kostenüberlegungen. Mehr Synergien lassen sich durch den Abbau doppelter Funktionen heben. Für den Sprung in die digitale Zukunft reicht das aber noch nicht.

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