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Deutsche Telekom Prüfbericht zur Telekom-Spitzelaffäre enthüllt brisante Details

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Vermerk eines Personalmanagers: Den Ball möglichst flach halten, andererseits könnte daraus ein Großbrand werden

5. September 2007: Obermanns Bemühen, reinen Tisch zu machen, tritt in die entscheidende Phase: In einer E-Mail mit der Betreffzeile „Höchstpersönlich, streng vertraulich“ schreibt Chefsyndikus Balz an eine Mitarbeiterin mit Kopie unter anderem an Obermann und Eick, in der Anlage den vertraulichen Sachstandsbericht: „In Absprache mit RO (René Obermann; die Red.) bitte ich Sie, anliegenden Vermerk Herrn Dr. Zumwinkel noch persönlich zukommen zu lassen. Bitte setzen Sie eine vertrauenswürdige Person als Überbringer ein und vermerken Sie auf einem versiegelten – etwa auf dem Klebefalz mit Tesafilm verklebten – lichtfesten Umschlag: Herrn Dr. Zumwinkel – vertraulich und höchstpersönlich – in die Hand!“

3. Kapitel: Die Vertuschung – oder wie Obermann versucht, die Mitwisser zum Schweigen zu bringen.

7./19. September 2007 Obermann und sein Personalvorstand Thomas Sattelberger verhandeln mit Sicherheitschef Harald Steiniger über einen Aufhebungsvertrag. Steininger ist zur Übernahme der „politischen Verantwortung“ und zur Auflösung seines Angestelltenverhältnisses unter der Voraussetzung bereit, dass seine Existenz gesichert ist und eine weitere Diffamierung seiner Person unterbleibt.

Außerordentliche Kündigung für Sicherheitschef

25. September 2007 Bei den Gesprächen mit Trzeschan stößt Obermann offenbar auf Widerstand. Ein für die Versorgung der Beamten zuständiger Personalmanager, notiert über Trzeschan: „Er (T) hat sofort zu Beginn seinen Unmut und seine Verärgerung über das gegen ihn eingeleitete Disziplinarverfahren zum Ausdruck gebracht. Er hat deutlich gemacht, dass er hier das Bauernopfer sein werde. Er sei sich auch der Tatsache bewusst, dass er mit seinem Verhalten ein Dienstvergehen begangen haben könnte, und sei auch bereit die Konsequenzen daraus zu tragen. Er sei jedoch nicht bereit, für etwas ,bezahlen zu müssen‘, was ihm nicht angelastet werden könne.“ Der Personalmanager empfiehlt: „Wir sollten in dieser Angelegenheit den Ball möglichst flach halten, so wie sich die Sache darstellt, ist sie zwar nicht zu tolerieren, andererseits könnte daraus ein Großbrand werden, weil an der Entschlossenheit von Trzeschan, sich mit allen Mitteln zu wehren, für mich keine Zweifel bestehen.“

9./11. Oktober 2007 Sicherheitschef Steininger erhält die außerordentliche Kündigung, die die Telekom später wegen fehlender Erfolgsaussichten zurücknimmt. In einem Aufhebungsvertrag verständigen sich beide Seiten auf „Gesamtleistungen im Wert von 750.000 Euro“ zuzüglich Dienstwagen. Dabei sind zumindest einige Teile der Gesamtleistungen – so der Bericht – „unüblich“.

6. Dezember 2007 Balz lehnt in einer E-Mail an die Vorstände Sattelberger und Eick sowie Axel Wehmeier (Obermanns Büroleiter) ab, das Verfahren gegen Trzeschan ohne Sanktionen einzustellen. Er erklärt, dass die „Staatsanwaltschaft nur deshalb nicht eingeschaltet wurde, weil eine angemessene Ahndung bei Schonung des Interesses an Vermeidung der Öffentlichkeit hinreichend wahrscheinlich erschien“. Er bitte, heißt es in einer anderen Mail, um fortgesetzte Unterrichtung, weil eine zeitnahe Einschaltung der Staatsanwaltschaft aus Gründen der Reputation wichtig sei, wenn eine Benachrichtigung der Öffentlichkeit unvermeidbar werde.

5. Februar 2008 Das Disziplinarverfahren gegen Trzeschan endet mit einem förmlichen Verweis, eine nach Ansicht der Prüfer „sehr großzügige“ Verfahrensweise.

27. Februar 2008 Zumwinkel legt den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender nieder und scheidet aus dem Aufsichtsrat aus.

28. April 2008 Obermanns Hoffnung, mit der Strategie die neue Telekom-Spitze aus der Schusslinie zu bringen, erhält einen Dämpfer. In einem Brief an Balz prophezeit Network-Deutschland-Chef Kühn: „Der Versuch von Ihnen, den ganzen Vorgang in die Ricke-Ära zu schieben, ist rührend, aber leider völlig verfehlt, da wir nachweislich auch nach November 2006 noch im Projekt ,Clipper‘ tätig waren. Das Projekt ,Clipper‘, das Vorläuferprojekt „Rheingold“ sowie einige weitere Nebenprojekte wurden direkt vom Vorstand (in enger Abstimmung mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden) beauftragt und bezahlt.“

14. Mai 2008 Auch die Strategie, die Spitzelaffäre vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, scheitert: Der Deutschen Telekom bleibt nur noch, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten – kurz bevor die Affäre durch einen „Spiegel“-Bericht publik wird.

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