„Lichtstreif am Horizont“: Kommen deutsche Unternehmen jetzt zurück nach Russland?
WirtschaftsWoche: Frau Galander, Sie beraten deutsche Unternehmen, die in Russland geschäftlich aktiv sind. US-Präsident Trump schürt in diesen Tagen die Hoffnung, dass es zu einem Wiederaufbau der Handelsbeziehungen mit Russland kommt. Wie sehen deutsche Unternehmen das?
Tanja Galander: Es gibt einen leichten Stimmungswandel unter den deutschen Unternehmen. Sie überlegen, dass es mittelfristig wieder positiver sein wird, in Russland aktiv zu sein. Auch wenn ich noch keine konkreten Rückkehr-Beratungen mache: Ich bekomme seit dem Amtsantritt von Donald Trump verstärkt Anfragen von Unternehmen – vor allem von solchen, die weiterhin in Russland aktiv sind. Sie fragen, ob eine Besserung in Sicht ist.
Und, was sagen Sie ihnen?
Als der Krieg anfing, bin ich davon ausgegangen, dass ich das in meinem Berufsleben nicht mehr erleben werde. Ich habe noch circa 15 Jahre vor mir. Das sehe ich nicht mehr ganz so. Ich glaube schon, dass sich die Zeiten wieder ändern – aber nicht so schnell. Eine Einigung ist nicht so einfach, wie Donald Trump sich das vorstellt. Eine Rolle spielt ja auch, wie die EU künftig mit Russland umgeht.
Welche Signale sendet Putin an internationale Unternehmen?
Er hat die russische Regierung damit beauftragt, Regelungen für die Rückkehr von Firmen zu erlassen, die nach dem Exit zurückkehren wollen. Ich gehe davon aus, dass nicht jeder wieder so reingelassen wird, wie er vorher ins Land gekommen war. Es wird wahrscheinlich strenge Genehmigungsverfahren geben, zumindest für Unternehmen aus unfreundlichen Ländern, die Russland verlassen haben.
Wie lange beraten Sie eigentlich schon deutsche Unternehmen in Russland?
Seit gut 20 Jahren. Ich habe Russisch in der Schule gelernt, fand die Sprache toll. Seit 1994 bin ich regelmäßig in Russland. Als ich in Russland anfing, war das Aufbauarbeit, auch bei den rechtlichen Grundlagen. Es ist schon toll, mit einem Unternehmen eine neue Produktionsanlage zu eröffnen. Da ist die Beratung seit dem Beginn des Ukrainekriegs leider sehr destruktiv, weil ich vielen Unternehmen dabei helfen musste, ihr Geschäft zu schließen.
Wie viele deutsche Unternehmen gibt es noch in Russland?
Um die 2500. Vor zehn Jahren waren es mehr als doppelt so viele. Und von den 2500 haben viele ihre Aktivitäten heruntergefahren. Manchmal gibt es nur noch eine gesellschaftsrechtliche Hülle. Die Exit-Reglungen wurden immer mehr verschärft, zum Nachteil der Unternehmen. Mittlerweile gibt es kaum noch jemanden, der überlegt, seine Beteiligungen in Russland zu verkaufen.
Warum?
Man braucht eine Genehmigung für den Verkauf – und die dauert sehr lange und kommt manchmal auch gar nicht. So ein Exit ist ein langwieriger und teurer Prozess. Da muss man abwägen. Die großen Unternehmen sind sehr schnell rausgegangen. Mittelständler sind eher dortgeblieben. Ich kann mir jetzt vorstellen, dass die Verbliebenen jetzt abwarten wollen, weil es einen Lichtstreif am Horizont gibt.
In diesen Tagen wird über eine Reaktivierung der Nordstream-Gaspipeline spekuliert – als Teil eines Deals zwischen Trump und Putin.
Ich glaube, dass das für deutsche Unternehmen in Russland weniger Symbolkraft hat. Preisgünstige Energie aus Russland – das ist eher ein Thema für Unternehmen, die in Deutschland sitzen.
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