
+++ Blog zum Wirecard-Prozess +++: Rückblick Wirecard-Prozess: Das passierte am 09. Februar vor Gericht
Für den Wirecard-Prozess gegen Markus Braun und zwei weitere Ex-Wirecard-Führungskräfte sind 100 Prozesstage angesetzt. Unsere Reporter berichten dabei live aus dem Gerichtssaal.
Foto: imago images, WirtschaftsWocheDie Reporter der WirtschaftsWoche begleiten den Fall Wirecard seit acht Jahren. 2020 fiel die Erfolgsgeschichte von Wirecard wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Plötzlich war der Dax-Konzern pleite, Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek auf der Flucht und Firmenchef Markus Braun im Gefängnis. Deutschland sah den mutmaßlich größten Betrugsfall der Nachkriegsgeschichte.
Nun, knapp zweieinhalb Jahre nach dem Kollaps, hat in München die Verhandlung gegen Ex-Konzernchef Markus Braun begonnen. Die Anklage wirft dem Manager und zwei mitangeklagten ehemaligen Wirecard-Führungskräften vor, mit Hilfe gefälschter Bilanzen Banken und Kreditgeber um insgesamt 3,1 Milliarden Euro geprellt zu haben. Der Kernvorwurf: Braun und Komplizen sollen eine Bande gebildet haben, die die Bilanzen des Konzerns seit 2015 systematisch fälschte.
Unsere Reporter sind hautnah dabei und berichten für Sie live von vor Ort im Blog über die Geschehnisse im Gerichtssaal:

















Der langjährige Chefbuchhalter von Wirecard war laut Anklage Teil der Wirecard-Bande. Braun soll für den Konzern ehrgeizige Wachstumszahlen vorgegeben haben – von Erffas und Bellenhaus’ Aufgabe sei es gewesen, diese Zahlen zu liefern, indem sie Umsätze fälschten. Bei einem Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages hatte von Erffa bestritten, in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen zu sein. Der Haftbefehl gegen ihn wurde im Sommer 2021 außer Vollzug gesetzt.



Bellenhaus hatte ausgesagt, dass man problematische Informationen immer habe von Deutschland fernhalten wollen. Von-Erffas-Anwältin Stetter sagt, dann sei es ja wohl unplausibel ausgerechnet, Herrn von Erffa einzubinden, der ja in Deutschland saß.

Weiteres Argument von Stetter warum Bellenhaus-Aussage nicht glaubwürdig sein soll: Bellenhaus habe für den Zeitraum 2015 bis 2020 nur zu drei Treffen von Bandenmitgliedern Details nennen können, an denen Stephan von Erffa teilgenommen habe. Obwohl Bellenhaus in konstantem Austausch mit von Erffa gestanden haben will.

Stetter stellt es als unplausibel dar, dass Bellenhaus für Betrugstaten Herrn von Erffa gebraucht habe. Bellenhaus habe behauptet, dass von Erffa ihm habe jeweils mitteilen müssen, wie viel Geschäft noch fehlte um die Zielvorgaben des Unternehmens zu erfüllen (damit er weiß wie viel Geschäft gefälscht werden muss). Stetter meint, Bellenhaus hätte die Differenz durch einfache Subtraktion ermitteln können und dafür keinen Buchhalter gebraucht.

Über sieben Jahre lang will Bellenhaus mit von Erffa in
einer Bande zusammengearbeitet haben und in intensivem Austausch gestanden
haben. Trotzdem kann Bellenhaus keine Dateien zur Kommunikation mit von Erffa vorlegen.


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