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Betrug beim Glücksspiel? Glücksspielautomaten sollen manipuliert sein

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Nachträgliche Manipulation nicht ausschließbar

Löwen-Geschäftsführer Christian Arras und zwei Mitarbeiter empfangen die WirtschaftsWoche an einem langen Konferenztisch in der Zentrale in Bingen. Seit Jahren zieht sich der Prozess zwischen Löwen und einigen Spielhallenbetreibern wegen dieses Vorwurfs. Löwen nennt den Verdacht haltlos.

Das Unternehmen hat ein Gegengutachten von einem renommierten Institut zu den Manipulationsvorwürfen anfertigen lassen. Ergebnis: Nichts dran. Zudem verweist Löwen darauf, dass alle Geldspielgeräte Nachbaugeräte einer von der Behörde zugelassenen Bauart sind. Software und Gewinnwahrscheinlichkeit einer Bauart müssten daher zwangsläufig identisch sein.

Eben diese für die Zulassung zuständige Behörde, die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB), soll in dem Streitfall nun per Gutachten klären, was in den Automaten wirklich vor sich geht. Das Problem für Grüber und seine Kollegen ist nur: Die Bundesanstalt ist in der Glücksspielbranche nicht unumstritten.

Die größten Mythen vom Glück
1. Du bist deines eigenen Glückes Schmied......sagt jede Mutter gerne zu ihren Kindern. Dabei stimmt diese Predigt des individualistischen Glücks so nicht.  Der Mensch als soziales Wesen ist eingebunden in die Gesellschaft, deren Regeln, soziale Normen und Werte er beachten muss. Unbegrenzte Selbstverwirklichung und radikaler Individualismus sind schon deshalb nicht möglich. Zwar ist jeder selbst dafür verantwortlich, seine Träume zu verwirklichen, doch schafft dies niemand ohne die Hilfe oder die Unterstützung seiner Mitmenschen. Quelle: dpa
2. Kinder sind glücklicherSie sind unbeschwert, denken weniger nach und sind demnach glücklicher. Pustekuchen. Forscher des US-National Opinion Research Center in Ann Arbor haben herausgefunden, dass die glücklichsten Menschen die sogenannten „jungen Alten“ sind. Sie stellten die Frage: "Im Großen und Ganzen, was würden Sie sagen: Wie fühlen Sie sich zurzeit? Würden Sie sagen, Sie sind zurzeit: a) sehr glücklich, b) ziemlich glücklich oder c) nicht allzu glücklich?" Das Ergebnis: „Sehr glücklich“ sind vor allem Menschen zwischen 65 und 70 Jahren. Quelle: dpa
3. Ziele machen glücklichVorsicht, auch hier versteckt sich ein Mythos. Zielen können glücklich machen, aber nur, wenn man sie auf die richtige Weise angeht. Wenn Sie sich einreden, etwas tun zu müssen, um glücklich zu sein, laufen Sie mit dem Kopf gegen die Wand. Wer sagt „Ich muss....tun“, macht sich zum Opfer und setzt sich selber unter Druck. Keine gute Voraussetzung für Glück. Besser ist es, sich zu sagen „Ich möchte gerne...tun“. Damit zeigen Sie, dass Sie sich das Ziel freiwillig gesetzt haben. Quelle: dpa
4. Elternglück ist das schönste GlückSchlaflose Nächte, stinkende Windeln und die unvorhersehbaren Launen pubertierender Teenager: Kinder zu haben ist kein Zuckerschlecken. Vielleicht gerade deshalb reden sich viele Eltern ein, dass die lieben Kleinen ihr Leben bereichern und „sooooo glücklich“ machen. Psychologen haben jetzt herausgefunden, dass auch das Elternglück ein Mythos ist. Denn die frischgebackenen Eltern, so die Psychologen, reden sich ihr Leben mit Kind und Kegel schön, so wie Menschen, die einen Haus- oder Autokauf rationalisieren. Quelle: dpa
5. Geld macht glücklichViele Menschen machen große Augen, wenn Sie einen schicken Sportwagen sehen, das I-Phone 6 oder den neusten Schrei von Gucci.  Sie denken „Wenn ich DAS hätte, wäre ich der glücklichste Mensch auf Erden.“ Falsch! Eine Studie der University of British Columbia hat bewiesen, dass viel Geld oder materieller Reichtum zwar weniger traurig macht, auf Dauer aber nicht glücklich. „Viel Geld und tägliches Glücksgefühl, da gab es keinerlei messbaren Zusammenhang“, so die Forscher. Quelle: dpa

Bereits 2009 warf der Rechtsanwalt Martin Reeckmann in einer Bestandsaufnahme der PTB vor, sich zu sehr auf die Angaben der Hersteller zu verlassen. Und Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht, beklagt die mangelnde Distanz der Behörde zu den Geprüften. So sei der frühere Leiter der Behörde sogar auf einer Geburtstagsparty eines Automatenherstellers gesichtet worden. „Das untergräbt doch den Respekt der Behörde“, sagt Füchtenschnieder. Die PTB schweigt zu den Vorwürfen.

Razzien in Spielhallen

Dass die Zulassung der PTB eine nachträgliche Manipulation von Glücksspielautomaten nicht ausschließen kann, zeigte sich dabei erst Ende Januar. In neun Bundesländern rückte die Polizei zu Razzien in Spielhallen aus und überführte eine mutmaßliche Bande aus Schleswig-Holstein. Sie soll quer durch die Republik Schadsoftware auf die Daddelautomaten gespielt und damit das Glück gefügig gemacht haben. Geschädigt fühlt sich auch Löwen Entertainment, dessen Automaten von der Manipulation teilweise betroffen sind. Löwen betont, dass ihre Geldspielgeräte mit dem aktuellen Softwarestand nicht betroffen sind.

Auswirkungen auf die Regulierung der Daddelbranche haben Razzien ohnehin selten. Kritiker vermuten: weil die Automatenhersteller gut vernetzt seien. Im Aufsichtsrat von Löwen sitzen etwa Österreichs Altbundeskanzler Alfred Gusenbauer und der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Günter Verheugen. Konkurrent Gauselmann pflegt beste Kontakte zu Parlamentariern aller Couleur.

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Das half auch beim jüngsten Versuch der Politik, die Branche zu regulieren: Laut novellierter Spielverordnung müsste die PTB die Automaten genauer prüfen. Obwohl das Gesetz seit November 2014 in Kraft ist, müssen sich die Automatenhersteller derzeit noch nicht sorgen – bis 2018 gelten großzügige Ausnahmen für zahlreiche Altautomaten.

Und für das Verfahren von Grüber hat die geänderte Rechtslage ohnehin keine Auswirkung. Der Ausgang, der für Sommer avisiert ist, liegt maßgeblich in den Händen der PTB. Es scheint, als bräuchte Kläger Grüber vor Gericht das Glück, das er an seinen Automaten zuletzt nicht mehr hatte.

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