DB Cargo: EVG kündigt Widerstand gegen Kürzungspläne bei Bahn-Gütersparte an
Die Eisenbahngewerkschaft EVG kündigt Widerstand gegen weitere Kürzungspläne der Deutschen Bahn zur Sanierung der krisengeplagten Cargo-Sparte an. „Wir nehmen diesen denkfaulen Ansatz mit der Schließung von Werkstätten nicht hin“, sagte EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay am Dienstag. DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta wolle Jobs aus Kostengründen nach Polen und Rumänien verlagern. „Das ist nichts anderes als Tarifflucht“, so Ingenschay. Das Konzept der Güterverkehrssparte mit immer neuen Kürzungen gehe nicht auf. Es brauche eine Vision über die nächste Kürzungsrunde hinaus.
Die Deutsche Bahn teilte auf Anfrage mit, mit den geplanten Maßnahmen effizienter werden zu wollen. Von elf großen Werkstätten im Cargo-Bereich soll demnach eine wegfallen – in Mainz-Bischofsheim. Außerdem wird ein Großteil der sogenannten Außenstellen geschlossen, unter anderem in Magdeburg, Regensburg, Osnabrück, Rostock und Ingolstadt. Sie wurden eingerichtet, als die Sparte noch deutlich größer war. Es bleiben aber mobile Instandhaltungsteams vor Ort.
Die Werkstätten in Halle, Seelze, Oberhausen und Hagen sollen künftig nicht mehr alles machen, sondern nur noch Instandhaltungen von Loks oder Wagen. 170 Arbeitsplätze dürften insgesamt abgebaut werden. Allerdings sollen die Betroffenen im Bahn-Konzern andere Jobs angeboten bekommen.
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL sprach von einem Skandal: „Eine Beteiligung der Betriebsräte ist bis heute wohl nicht erfolgt, aber zwingend erforderlich“, so GDL-Chef Mario Reiß. Es könnte am Ende um mehr als 170 Jobs gehen. Es sei durch weniger Werkstätten auch mit mehr Leerfahrten zu rechnen, ebenso mehr Verspätungen. Im Umfeld des Staatskonzerns hieß es, die Verhandlungen zwischen dem Management und den Arbeitnehmern sollten im September starten.
DB Cargo muss auf Druck der EU-Kommission bis 2026 profitabel werden. Ansonsten soll die Tochter zerschlagen werden. Unternehmenschefin Nikutta verfolgt einen scharfen Sparkurs. DB Cargo transportierte im ersten Halbjahr zehn Prozent weniger, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 165 Millionen auf minus 96 Millionen Euro. Im Güterbereich machen private Konkurrenten der Bahn bereits rund 60 Prozent des Geschäfts in Deutschland.
Der Cargo-Personalbestand wurde laut Bahn bereits um rund 2000 Stellen gesenkt, noch einmal 1000 weitere Stellen werden es in der nächsten Phase sein. Defizitäres Geschäft soll abgegeben werden. Zur Disposition steht früheren Angaben zufolge auch der sogenannte Einzelwagenverkehr, der beispielsweise für die Stahlbranche wichtig ist und hohe Fixkosten hat. In dem Bereich werden einzelne Güterwaggons direkt bei Firmenkunden abgeholt und auf Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt.
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