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Deutsche Bahn Warum Rüdiger Grube Ronald Pofalla braucht

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Pofallas Fernziel: Bahn-Chef werden

Nun rückt Pofalla für Becht in den Vorstand auf – früher als erwartet. Die Personalie ist Teil eines radikalen Konzernumbaus von Grube (WirtschaftsWoche 28/2015). Becht baute den Bereich Compliance, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit zu einer kleinen Renditeperle aus. Er verklagte Zulieferer, die in Kartellen mitwirkten und der Bahn hohen Schaden zugefügt hatten. Die Schadenersatzzahlungen brachten unerwartete Einnahmen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages.

Entsprechend groß sind die Erwartungen an Pofalla. Gelingt ihm der Leistungsnachweis, könnte er mal Nachfolger des Bahn-Chefs werden. Doch Grubes Vertrag läuft bis Ende 2017 – und er will verlängern. Bis dahin kann viel passieren.

Immerhin wird Pofalla bald eine symbolische Demütigung los. Sein Büro im Bahn-Tower liegt in Stockwerk 15. Wer dort arbeitet, kann zwar jeden der sechs Aufzüge benutzen, um in sein Büro zu kommen. Die rechten drei Fahrstühle bringen die Beschäftigten nämlich in die Etagen 2 bis 15, die linken Expresslifts in die Etagen 15 bis unters Dach. Stockwerk 15 ist also eine Art Zwischenstockwerk, ideal für kurze Wege zu Kollegen. Doch die Vorstände fahren alle mit den linken Aufzügen direkt in die Etage 22 aufwärts. Von ihrer Warte aus liegt Etage 15 ganz unten.

Doch Fehler, wie in seiner Zeit als Politiker, dürfen Pofalla als Vorstand nicht unterlaufen. Damals sorgte etwa für Schlagzeilen, dass der Kanzleramtsminister den Euro-Kritiker Wolfgang Bosbach anblaffte: „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen.“ Im Bahn-Tower tritt Pofalla diplomatischer auf, Mitarbeiter beschreiben ihn als freundlich und jovial, gar als „Mann des Understatements“, auf den man sich verlassen könne.

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    Pofalla - ein Spielertyp?

    Ist das authentisch? Der Mann aus Kleve hat in der Vergangenheit manchmal verdeckte Spiele gespielt. Noch heute nehmen ihm Wegbegleiter der CDU am Niederrhein übel, dass sie von Pofallas Wechsel zur Bahn am Abend des 13. Dezembers 2013 aus den Nachrichten erfuhren. Zwei Stunden vorher hatte er sich noch mit dem Bezirksvorstand im Ratskeller in Kleve getroffen – und sich nichts anmerken lassen.

    Auch Arroganz, die ihm nachgesagt wird, blitzt heute noch durch, zuletzt bei Pofallas Auftritt als Zeuge vor dem NSA-Untersuchungsausschuss Anfang Juli. Seine Eingangsbemerkungen dehnte er über stolze 58 Minuten und erklärte selbstbewusst, dass „ich es war“, der die Antworten auf offene Fragen im Sommer 2013 vorangetrieben habe – mit der Betonung auf „ich“. Als die Abgeordneten ihre Verwunderung über seine Möglichkeit zur Akteneinsicht im Bundeskanzleramt ausdrückten, konterte Pofalla mit dem Verweis, es gebe eben „einen Unterschied zwischen mir und Ihnen. Ich war Minister und Sie nicht. Sie wollen es vielleicht werden, aber ich war es.“

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    Vermisst der CDU-Mann die Politik? Als die Kanzlerin bei ihm durchklingelte, um ihn zum Vorsitzenden des Petersburger Dialogs zu machen, zögerte Pofalla keine Sekunde. Er soll der Diskussionsplattform zwischen Deutschland und Russland neues Leben einhauchen, für Pofalla ein Traumjob. Russland und Weißrussland sind Teil seiner Vita. 20 Jahre lang hat er diese Länder immer wieder bereist. Er rühmt sich, zu Putins engsten Vertrauten Kontakte pflegen.

    Im Bahn-Universum sehen manche diese Doppelrolle kritischer. Sie warnen, dass sich der Bahn-Neuzugang zu verzetteln drohe – und erinnern, dass Pofalla im Bahn-Brief „perspektiven“ Vorsitzenden der Verkehrsverbünde und Landesnahverkehrsgesellschaften im März versprach: „Es ist mir ein besonderes Anliegen, Sie zu wichtigen Themen unseres Unternehmens frühzeitig und umfassend zu informieren.“

    Pofalla gelobte einen „offenen, durchaus auch kritischen Dialog“. Einige Verkehrschefs schrieben zurück: Sie würden einem persönlichen Treffen mit Freude entgegensehen. Auf Antwort warten sie bis heute.

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