Deutsche Bahn Wie Dobrindt versehentlich die Bahn schwächt

Schon wieder drohen Streiks auf der Schiene. Eine Aussage von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schwächt die Verhandlungsposition der Deutschen Bahn deutlich.

Alexander Dobrindt Quelle: dpa

Eigentlich war Alexander Dobrindt selbst überrascht, dass seine Worte so viel Wirbel erzeugten. Auf einer Pressefahrt im Juli von Berlin nach Hamburg sagte der Bundesverkehrsminister den anwesenden Journalisten, die Deutsche Bahn solle stärker dem Gemeinwohl dienen. Gewinne ja, aber die Bahn müsse nicht unbedingt die Gewinne maximieren. Dobrindt bestand darauf, dass er diese These schon immer vertreten habe. Doch erst jetzt wurde sie zu einem Politikum.

Die Gewerkschaften haben die Aussage genau vernommen. Dobrindt ist Vertreter des Eigentümers. Die Deutsche Bahn gehört zu hundert Prozent dem Staat. Wenn die Gewinne nicht mehr üppig fließen müssen, kann ein Teil davon auf andere Beteiligte umgelegt werden, so lesen es die Arbeitnehmervertreter.

Dobrindts Worte bringen die Bahn nun in eine schwierige Situation. Ab Ende September laufen die Verträge der Bahn mit den Gewerkschaften EVG und GDL aus. Und die sehen Dobrindts Forderung als Ansporn und Motivation, die Verbesserung der Beschäftigungslage in den Vordergrund zu rücken. Die Lokführergewerkschaft GDL fordert vier Prozent mehr Lohn und bessere Schichtpläne. Derzeit sollen 6,2 Millionen Überstunden aufgelaufen sein.

Anteil pünktlicher Züge der Deutschen Bahn im Personenverkehr

Für die Bahn könnte es also richtig teuer werden. Multipliziert man allein die Überstunden mit einem Stundensatz von 25 Euro pro Stunde, kommen so mehr als 150 Millionen Euro zusammen – ein Betrag, der den Gewinn eins zu eins minimieren würde. Hinzu kämen die Kosten für mögliche Streiks. Die Besonderheit bei der Bahn: EVG und GDL vertreten jeweils Lokführer und Zugpersonal. Jeder will für sich das Beste aushandeln. Darüber hinaus fordern die Gewerkschaften noch mehr Personal. Bis zu 1000 neue Lokführer sollen es sein.

Doch der größte Streitpunkt dürfte woanders liegen. GDL-Chef Claus Weselsky sagte der „WirtschaftsWoche“ jüngst, entscheidend seien „spürbare Verbesserungen bei den Arbeitszeitregelungen der Beschäftigten“. Hier gehe es um bessere Schichtpläne, damit die Beschäftigten mehr Zeit für Freizeit und Familie haben.

Fakten zum Personenverkehr der Deutschen Bahn

Doch das würde dem Konzern richtig weh tun – und wahrscheinlich mehr schmerzen als ein Gehaltsplus. Denn noch immer ist die Deutsche Bahn meilenwert davon entfernt, so effizient zu fahren wie die private Konkurrenz.

So vertrödelt ein Lokführer im Güterschienenverkehr teilweise die Hälfte der Arbeitszeit, weil er etwa warten muss, bis er seinen Zug in Bewegung setzen kann, oder er sich auf dem Weg vom Wohnort zum eigentlichen Arbeitsort befindet. Während ein Teil der Zeitvergeudung durch verbesserte Produktionsabläufe eliminiert werden kann, könnte das Eliminieren des anderen Teils am Widerstand der Gewerkschaften scheitern.

Doch das wäre fatal. Die Gewinne würden dann allein deshalb unter Druck geraten, weil die Bahn schlicht noch nicht wettbewerbsfähig ist. Das hat dann aber wenig mit Gemeinwohl zu tun.

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