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Deutsche Post DHL Die Post-Pandemie-Prognose ist prächtig

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post Quelle: dpa

Die Coronapandemie war für die Post ein unerwarteter Wachstumsbringer. Aber werden die Menschen weiter so viele Pakete bestellen, wenn es keine Lockdowns mehr gibt? Postchef Frank Appel wagt einen Blick nach vorn.

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Was die Pandemie für die Post bedeutet, zeigt eine Grafik mit verschiedenen Kurven. Jede steht für die Margenentwicklung in einer Sparte, erklärt Finanzchefin Melanie Kreis, also für den Gewinn, den die einzelnen Konzernbereiche mit jedem Euro Umsatz erzielen können. Seit Jahren gehen diese Kurven nach oben, dann mal wieder nach unten, es ist ein fast wellenförmiges Bild. Im Jahr 2020 aber ist es vorbei mit den Wellen. Da schlagen einige der Kurven sogar Haken – und zwar steil nach oben.

Coronakrise? Ach was. Bei der Deutschen Post DHL ist davon wenig zu spüren. Der Konzern gehört zu den Gewinnern der Pandemie. Während weltweit Läden wegen des Lockdowns schließen mussten, bestellten die Menschen einfach mehr im Internet. Das Paketgeschäft der Post explodierte förmlich, ebenso das Expressgeschäft mit eiligen Sendungen. Die Frachtflugzeuge für den internationalen Versand waren beinahe stetig ausgebucht – auch weil weniger Passagierflugzeuge unterwegs waren, die Fracht in ihren Bäuchen hätten mitnehmen können.

„Wir haben den Konzerngewinn deutlich gesteigert“, sagt Postchef Frank Appel. 4,8 Milliarden Euro operativen Gewinn konnte die Post im vergangenen Jahr verzeichnen – bei einem Umsatz von 66,8 Milliarden Euro. Das bereits vor Jahren angepeilte Ziel von fünf Milliarden Euro hat der Konzern damit zwar nicht ganz erreicht. Aber wer will das schon angesichts einer Pandemie kritisieren?

Und schließlich will die Post ihre Erfolgsstrecke fortsetzen: In diesem Jahr will Postchef Frank Appel noch einmal 800 Millionen Euro mehr verdienen, bis zum Jahr 2022 sollen es dann schon sechs Milliarden Euro Gewinn sein. Die Börse belohnte die neuen Gewinnziele: Der Aktienkurs stieg um beinahe drei Prozent an.

Frank Appel erlaubt damit einen Blick in die Zeit, in der die Pandemie hoffentlich Vergangenheit sein wird. Das Coronavirus hat das Geschäft der Deutschen Post DHL verändert, so viel steht fest. Die Pandemie hat Trends wie den Onlinehandel beschleunigt, hat an unerwarteter Stelle Nachfrage geschaffen, an anderen Stellen für Geschäftseinbrüche besorgt. So oder so, irgendwann wird das Coronavirus eingedämmt sein. Frank Appel erwartet, dass zumindest in Europa noch in diesem Jahr ein Großteil der Impfstoffe verteilt sein werde, in den Entwicklungsländern werde es etwas langsamer gehen. Aber lange Lockdowns und weitere Mutationen? Die kommen in der Prognose der Post nicht vor.

Stattdessen rechnet der Konzern damit, dass auch nach der Pandemie der Onlinehandel weiter boomt. Zwar werde sich die Zahl der Pakete im Laufe des Jahres wieder normalisieren. Aber im Konzern hofft man darauf, dass zum Beispiel kleinere Läden, die sich nun in der Krise erst einen Onlinehandel aufgebaut haben, daran festhalten werden. Und auch Konsumenten, die Internetbestellungen bisher eher skeptisch sahen, könnten sich nun daran gewöhnt haben. „Ich glaube, der gesamte E-Commerce-Boom wird sich weiter fortsetzen“, sagt Ken Allen, Vorstand für das internationale Paketgeschäft. Bereits im vergangenen Jahr ist das Geschäft in seiner Sparte E-Commerce Solutions um beinahe 20 Prozent gewachsen, erstmals macht die Sparte auch Profit. „Wir haben eine gute Plattform in Europa, das ist eine Wachstumsmaschine für die Zukunft“, so Allen.

Allerdings sind die Wachstumsaussichten für das Geschäft in Deutschland trüber. Die in der Pandemie sinkenden Briefmengen hat Vorstandskollege Tobias Meyer zwar noch gut verdaut – die Post gab den Briefträgern auch vermehrt kleine Warensendungen mit. Doch auch das Geschäft mit Amazon ging zurück, weil der Onlinehändler mittlerweile selbst zustellt. Insgesamt wuchs der Umsatz des Brief- und Paketgeschäfts in Deutschland deshalb nur um 6,9 Prozent. Da waren andere besser: Der Konkurrent DPD hingegen konnte in Deutschland knapp 15 Prozent Volumenwachstum verzeichnen.

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Doch nur eine Sparte kämpft tatsächlich mit einem Rückgang der Geschäfte: In der Division Supply Chain, bei der DHL Lager und Lieferketten für Fremdfirmen betreibt, sank der Umsatz um 7,4 Prozent. Grund: Weil große Kunden wie zum Beispiel Autohersteller und die Industrie weniger Aufträge verzeichneten, musste auch DHL Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Außerdem hatte der Konzern schon vor der Pandemie einen Teil seines Geschäfts in China verkauft.

Den Optimismus des Vorstandschefs kann das nicht trüben. Wenn der Lockdown erst vorbei sei, werde auch das Geschäft mit Unternehmenskunden wieder anziehen, prognostizierte Frank Appel. „Wir sind ausgezeichnet unterwegs“, sagte er, „und deshalb blicken wir nach optimistisch nach vorne.“

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