Deutsche-Post-Streik Der Post drohen Imageschaden und Kundenverlust

Um seine Lohnkosten zu senken, hat Post-Chef Frank Appel Einiges in Kauf genommen: Vier Wochen Zusteller-Streik, ein ramponiertes Image, gefrustete Kunden. Wie hoch sind die Kosten des Streiks für die Post tatsächlich?

Die längsten Streiks Deutschlands
GDL gegen die Deutsche BahnSechs Tage streikten die Lokführer der Bahn, um ihre Forderungen durchzusetzen. Nur ein Drittel der Züge im Personenverkehr fuhr. Der Güterverkehr wurde noch einen Tag länger bestreikt. Es handelte sich um den längsten Streik in der Geschichte der Bahn - was aber bei einem ehemaligen Staatsbetrieb nicht weiter erstaunlich ist. In anderen Wirtschaftszweigen und Unternehmen haben Tarifkonflikte zu weit längeren Arbeitsniederlegungen geführt. Nachfolgend die zehn längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Eine Anästhesistin überwacht während einer Operation den Patienten. Quelle: dpa
Einsatzkräfte der Polizei Quelle: dpa
An Naben für Windkraftanlagen arbeiten Monteure Quelle: dpa
In der Druckerei des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie kontrolliert ein Angestellter an einer Zwei-Farben-Bogen-Offsetdruckmaschine die gerade gedruckte Karte des Seehafens Rostock. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Firma SH Natursteine GmbH befestigt ein Seil an einem Block Granitporphyr Quelle: ZB
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe geht an mehreren Omnibussen entlang. Quelle: dpa

Piloten, Erzieher, Lokführer, alle sind dieses Jahr schon in den Streik gezogen. Doch keine Berufsgruppe erhielt bei ihrem Arbeitskampf so viel Rückhalt von der deutschen Bevölkerung wie die Postboten: Selbst nach vier Wochen Leere in den Briefkästen zeigten noch 63 Prozent der Bürger Verständnis für den Arbeitskampf, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

Am Ende hat dieser Rückhalt der Gewerkschaft Verdi nicht viel gebracht, die Post hat ihr wichtigstes Ziel erreicht: Die 49 Regionalgesellschaft mit dem Namen Delivery-GmbH bleiben bestehen. Damit kann Frank Appel nun endlich seine Lohnkosten senken. Denn bei den Delivery-Töchtern beschäftigt die Post ihre Paketboten nicht zu dem üblichen Haustarif, sondern zu den rund 20 Prozent günstigeren Löhnen des Logistiktarifvertrages.

Verdi ging aus den Verhandlungen mit einem Schutzpaket für die Konzernmitarbeiter, einer Einmalzahlung von 400 Euro und einer Lohnerhöhung von 2,7 Prozent heraus. Für die schlagkräftige Gewerkschaft ist das nach vier Wochen Streik eher eine enttäuschende Ausbeute.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

Doch wie hoch sind die Kosten des Streiks für die Post tatsächlich? Wie viele Millionen sie durch den Streik verloren hat, stellt sich wohl erst mit den Veröffentlichungen der Quartalszahlen im August heraus. Einige der Folgen werden aber schon jetzt deutlich: Die Post hat wichtige Kunden verärgert und einen gewaltigen Rufschaden in Kauf genommen. Die Konkurrenz freut sich darüber.

Großkunden der Post zeigen Verständnis

Der Poststreik hat dem Bonner Konzern viele schlechte Schlagzeilen eingebracht: Immer wieder warf Verdi die Frage auf, wieso ein Konzern mit einem Umsatz von 56 Milliarden Euro und einem Gewinn von rund 3 Milliarden Euro am Lohn der Mitarbeiter sparen sollte. Immer wieder gab die Post die Antwort: Um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch vor allem wegen dem Einsatz von Beamten und ausländischen Leiharbeitern, mit denen die Post die Folgen des Streiks abmildern wollte, erhielt der Konzern viel Kritik. Fotos und Videos dokumentierten die immer höheren Stapel von Briefen und Paketen, Mitarbeiter berichteten von weggeworfenen Werbeprospekten. Die Post bestritt die Vorwürfe.

Selbst Auftraggeber, die jährlich Millionen für Briefporto zahlen müssen, zeigten Verständnis für die streikenden Zusteller: Nach einer Umfrage des Verbandes DVPT, der Großkunden wie Banken und Versicherungen vertritt, hielten 51 Prozent den Streik für angemessen. Über 65 Prozent der Befragten fühlten sich außerdem nur unzureichend oder auch gar nicht von der Post informiert. „Vor allem viele mittelständische Unternehmen waren von dem Streik stark betroffen und haben tagelang gar keine Post erhalten“, sagt Verbandsvertreter Serkan Antmen. Die Kunden ziehen die entsprechenden Konsequenzen: 26 Prozent der befragten Unternehmen planen, in Zukunft einen anderen Dienstleister als die Post einzusetzen.

Die Konkurrenz freut es: „In den vergangenen Wochen haben wir von zahlreichen Händlern, die mit DHL zusammenarbeiten, Mengen übernommen“, sag Martin Frommhold, Sprecher des Hamburger Paketdienstes Hermes. Die Mengen seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 bis 30 Prozent angestiegen. „Dabei mussten wir auch leider aus Kapazitätsgründen Anfragen ablehnen“. Auch Wettbewerber wie UPS, DPD oder der Briefdienstleister Pin AG hatten während des Streiks von vermehrten Kundenanfragen berichtet. Hermes will diese neue Kunden auf jeden Fall behalten: Die entsprechenden Verhandlungen würden derzeit geführt.

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Damit hat der Poststreik den umkämpften Markt für Pakete zumindest kurz aufgeschüttelt. Doch mit dem Ende des Kampfs um die neuen Tochtergesellschaften hat die Post nun einen Vorteil. Mit den Delivery-Töchtern verringert Postchef Frank Appel außer seinen Lohnkosten auch den Abstand zu den Konkurrenten wie Hermes, DPD oder GLS, die ihren Zustellern meist nur den Mindestlohn zahlen. Sie alle wollen vor allem im Paketgeschäft, das durch den Onlinehandel einen wahren Boom erlebt, wachsen. Die Post ist mit rund 42 Prozent in diesem Markt die Nummer Eins. Die Delivery-Töchter hat die Post auch deshalb gegründet, damit das so bleibt. Der Konzern wird deshalb einiges unternehmen, um Hermes und Co die gerade gewonnenen Kunden wieder abzujagen.

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