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Deutsche Post unter Druck Großkunden verärgert über langsame Briefe

Deutsche Post: Großkunden verärgert über langsame Briefe Quelle: dpa

Neuer Ärger für die Deutsche Post: 50 der größten Briefversender haben sich zusammengeschlossen, um zu kontrollieren, ob der Konzern die gesetzlichen Vorgaben einhält – und Briefe schnell genug zustellt.

„Der Brief erzeugt noch immer eine große Aufmerksamkeit“, sagt Klaus Gettwart vom Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT). In dem haben sich die größten Versender Deutschlands zusammengeschlossen.

Viele Empfänger öffnen ihre Briefe per Hand, schauen sie durch, bleiben dabei hängen. Der Brief sei deshalb für viele Unternehmen noch immer ein wichtiges Kommunikationsmittel mit ihren Kunden, sagt Gettwart, vor allem für Versicherungen und Krankenkassen. Wenn sie denn sicher sein können, dass die Briefe ihre Kunden rechtzeitig erreichen.

Dass alle Briefe immer rechtzeitig ankommen, daran zweifeln 50 der größten Briefversender in Deutschland nämlich. Sie wollen die Brieflaufzeiten in Deutschland nun erstmals in eigenem Auftrag messen. Und so kontrollieren, ob die Deutsche Post die gesetzlichen Vorgaben einhält oder ob sie Briefe zu langsam ausliefert.

Etwa 26 Millionen Briefe verschicken die Versicherungen, Krankenkassen und Co täglich, die sich im DVPT zusammengeschlossen haben. Das sind fast die Hälfte der 58 Millionen Briefe, die die Deutsche Post jeden Tag bundesweit austeilt. Nun wollen die Großversender ab dem 1. März mehr als 72000 Testbriefe verschicken und so ein Jahr lang nachzeichnen, wie schnell die Deutsche Post tatsächlich arbeitet.

Man bezweifele zwar nicht, dass die Post im Durchschnitt die gesetzlichen Vorgaben einhalte, sagte Gettwart. „Doch die Schwankungen sind enorm hoch. Zu bestimmten Jahreszeiten verlängern sich die Laufzeiten enorm", berichtet Gettwart. Vor allem in der Urlaubszeit im Sommer und im Winter, während Krankheitswellen und Witterungsbedingungen, häufen sich die Beschwerden über langsame Briefe. „Und an einzelnen Werktagen wird in vielen Gebieten gar nicht mehr ausgeliefert“, ärgert sich Gettwart.

Gesetzlich ist die Post dazu verpflichtet, mindestens 80 Prozent der Briefe am nächsten Werktag zuzustellen. So steht es in der Postuniversaldienstverordnung, in der die Qualitätskriterien für die Postzustellung festlegt sind. 95 Prozent aller Briefe müssen in zwei Werktagen ihre Empfänger erreichen. Diese Werte habe die Post stets eingehalten, teilt der Konzern mit. So habe die letzte Messung ergeben, „dass 93 Prozent der rund 59 Millionen Briefe täglich ihre Empfänger bereits am nächsten Werktag erreichen“, schreibt der Konzern.

„Unzufriedenheit über die Servicequalität“

Allerdings werden die Laufzeiten momentan nur von der Post selbst überwacht und an die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde gemeldet. Der DVPT will deshalb eine unabhängige Überprüfung nach den gleichen Standards durchführen. Sollte die Post die Laufzeiten nicht einhalten, könnte das gravierende Folgen für den Konzern haben. Dann müsste die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde eingreifen.

Für die Post kommt die Laufzeitmessung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Brief- und Paketsparte steckt in der Krise. Im vergangenen Jahr musste der zuständige Vorstand Jürgen Gerdes den Konzern verlassen, seitdem führt Vorstandschef Frank Appel die Sparte selbst.

Appel will höhere Preise durchsetzen und den Service verbessern. Die Beschwerden der Geschäftskunden zeigen nun, dass diese längst nicht zufrieden sind. „Die Unzufriedenheit über die Servicequalität hat sich durch die Preiserhöhungen natürlich verschärft“, sagt Gettwart.

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